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Jubiläum und Abschied: Faber & Faber feiert den 20. – und Elmar Faber zieht sich zurück

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    Es war ein Jubiläum und ein Abschied, den der Verlag Faber & Faber am Freitag, 21. Januar, mit 400 Gästen im Haus des Buches feierte. Es war der 20. Verlagsgeburtstag - und der Abschied Elmar Fabers vom Verlagsgeschäft. Mit 76 Jahren darf man das. Erst recht, wenn ein Verlagsprogramm sich derart zeigen kann.

    Gekommen waren zur Jubiläumsfeier einige der großen Alten der (ost-)deutschen Literatur: Volker Braun (71), Christoph Hein (66) und Helmut Richter (77) lasen. So mancher, der in DDR-Zeiten für Furore sorgte, gehört zum Verlagsprofil, das in den 20 Jahren, seit Elmar und Michael Faber (49) in Berlin den gemeinsamen Verlag gründeten, entstand. Rund 330 Titel. Darunter die 25 Bände der DDR-Bibliothek, mit denen Faber & Faber ein Zeichen setzte gegen das Vergessen und Verramschen der hochkarätigen Literatur ostdeutscher Autoren. „Ein poetisches Lexikon verschwundenen Lebens“, nannte „Die Zeit“ die Reihe. Nicht zu verwechseln mit „verschwundener Literatur“. Denn das ist das verlegerische Pech dieser Reihe: Diese Autoren hat kaum einer der einstigen Leser aussortiert. Der Bedarf, sie nachzukaufen, bestand nicht.

    Auch die einstigen DDR-Kinderbuchklassiker feierten bei Faber & Faber ein Comeback. Wohl auch zu früh. Denn wer selbst mit „Pony Pedro“ oder „Bootsmann auf der Scholle“ aufgewachsen ist, der hat auch diese Bücher nicht weggeworfen. Der hat sie seinen Kindern und Enkeln vererbt. Lesenswerte Bücher entsorgt man nicht so einfach.Leichter war es für Faber & Faber, sich mit seinen Liebhaber-Drucken, den Buchkuriosa, den illustrierten Prachtausgaben zur Weltliteratur oder den illustrierten Kleinodien von Heine bis E.T.A. Hoffmann eine kleine, feine Käuferschaft zu erobern, die Bücher auch als Kunstwerke zu lieben weiß.

    Dieses Faible für das hochwertig gemachte und illustrierte Buch hat Elmar Faber schon ausgelebt, als er von 1976 bis 1982 bei der Edition Leipzig die Geschäfte führte und ab 1982 für Aufbau und Rütten & Loening. Das findet sich im Katalog des Verlags Faber & Faber neben den Büchern, mit denen der Verlag schwergewichtige Beiträge zur großen deutsch-deutschen Diskussion lieferte. Eine Diskussion, auf die sich Autoren und Verleger 1990 noch gefreut haben. Aber die Diskussion fand nie statt. Man redet nicht miteinander in Deutschland. Man redet nur übereinander. Der Klatsch bestimmt auch die intellektuelle Diskussion. Was manchem der ab 1995 in Leipzig produzierten Titel sein Gewicht nahm.Dass die Bücher aus der Mozartstraße 8 in kaum einer Buchhandlung zu finden sind, hat den selben Grund, warum auch die anderer Leipziger und ostdeutscher Verlage dort nicht oder selten auftauchen: Die Sortimente werden nur noch von einem halben Dutzend großer Verlags-Konglomerate bestückt und umgewälzt. Der Umsatz taktet sich nach schnellem Abverkauf und Bestsellerlisten. Man braucht sie nicht zu lesen, die Sarrazin & Co, – und trotzdem verstopfen sie die Regale und sorgen für den Ton der öffentlichen Diskussion.

    Aber dazu hat Elmar Faber auch schon gesagt, was gesagt werden muss: „Die Allmacht des Geldes und die Zukunft der Phantasie“ heißt sein eigener gedruckter Beitrag zu dieser Nicht-Diskussion. Im August 2010 ließ er noch „Die Mysterien der Vergeßlichkeit“ folgen. Eine kluge – und heftige Kritik an den „Stützen des grandiosen Opportunismus, der unsere geldorganisierte Gesellschaft beherrscht“.

    Was dann natürlich ausgreift bis zur Deutungshoheit über die jüngere deutsche (Literatur-)Geschichte. Vielleicht wird das bleiben. Man wünscht es sich zumindest. Denn vorerst geht Elmar Faber in den wohlverdienten Ruhestand. Zum 31. März beendet er seine aktive verlegerische Tätigkeit, erklärte er am Freitagabend. „Der Verlag Faber & Faber bleibt im Privatbesitz der Familien Faber“, sagte er noch. „Er schränkt sein Programm allerdings eine Zeitlang beträchtlich ein, bis geklärt ist, wer den Verlag in Zukunft dominieren wird.“

    Was dann für 2011 erst einmal heißt: Das letzte Buch aus dem 2010er Verlag erscheint noch dieser Tage: „Bühne auf! Erstlingswerke deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts. Ein bebildertes Lexikon“. – Eine 500 Seiten dicke Spurensuche nach den Erstlingen, Paten, Förderern und Erstverlegern deutscher Autoren. 300 an der Zahl. Danach läuft der Verlag vorerst ohne weitere Produktion. Bis zu dem Tag, an dem eine Entscheidung fällt, ob ein Nachfolger Elmar Fabers Arbeit fortsetzt.

    www.faberundfaber.de

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