Leipzig liest: Ein Lesefest mit elektronischer Hilfe, großen Namen und Schatzgräbern

Leser sind ja in der Regel sehr zurückhaltende Menschen. Sie gehen in einen Buchladen, kramen ein bisschen in den Regalen, beschnuppern die Seiten, lesen ein bisschen herum und lesen sich manchmal fest. Eigentlich unvorstellbar, dass man sie für ein Festival begeistern könnte, wo geflirtet, getanzt und gefeiert wird.
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Aber irgendwie scheint das doch zu funktionieren. Seit nunmehr 20 Jahren. In Leipzig, der altehrwürdigen Stadt der Verlage und Verlegenheiten. Die meisten Verlage aus historischen Zeiten sind fortgewandert gen Westen. Manche kommen, anstandshalber, jedes Frühjahr doch noch nach Leipzig. Andere kommen, weil sich hier in den Messehallen und in der Stadt nicht nur die gestrengen Kaufleute des Gedruckten tummeln, die Lizenzen kaufen und verkaufen, Autorenwerte verhandeln und die neue Ware taxieren auf ihre Durchflussgeschwindigkeit, Kapitalisierung und Chargenzuordnung.

Leipzig, das seine Buchmesse 1991 beinah verlor, hat sich ein neues Profil erarbeitet. „Wir haben schwere und aufregende Zeiten hinter uns“, sagt Beate Locker, stellvertretende Kulturamtsleiterin jener Stadt, die vom 17. bis zum 20. März wieder Tummelplatz wird für Verleger, die ihr Publikum gern kennen lernen wollen, Autoren, die aufmerksame Lauschergemeinden mögen, Moderatoren, Lektoren, Lehrer, Buchhändler, Ghostwriter und ihre Stellvertreter. Oder umgekehrt.

Es hat sich einen Ruf erarbeitet bei den Lesern. Sie kommen tatsächlich. Beharrlich. Nicht nur zur Messe, sondern auch zu dem, was drumherum angerichtet wird beim „größten Literaturfestival Europas“, wie es Oliver Zille, der Messe-Direktor nennt. Am Donnerstag, 17. Februar, wurde das Lese-Festival wieder offiziell vorgestellt. Diesmal in den Räumen der Deutschen Nationalbibliothek, die am 9. Mai ganz offiziell ihre neuen Gebäude in Benutzung nehmen wird.

Doch natürlich kann man das Lesefestival „Leipzig liest“ längst nicht mehr vorstellen. Das ging vor zehn Jahren vielleicht noch, als die Zahl der Autoren noch ein bisschen unter der 1.000 lag und das Leseprogramm noch als schmales Bändchen in die Jackentasche passte. Und vor allem auch fertig war, einen Monat vor der Messe. Es gab Zeiten, da passte auch die Schar der lesenden Journalisten an einen Tisch im Hinterstübchen des Paulaner. Man war unter sich und kostete die Namen der prominenten Autoren durch, die zugesagt hatten für Leipzig. Man fieberte mit mit dieser Buchmesse und ihren Chancen, sich zu behaupten in der Wahrnehmung der großen Verlage. Denn die großen Autoren sind ja auch bei großen Verlagen unter Vertrag. Das ist zwangsläufig: Wer in den deutschen Buchhandlungen auftauchen will, muss ins Programm eines der Großen. Sonst kommt er nicht in den Laden.Aber von den Großen lebt so ein Lesefest. Es gibt auch Leser, die gar nichts lesen, aber alles kaufen, worauf ein großer Name steht. Die braucht man, um Säle zu füllen und das große Feuilleton. Und wo vor 15 Jahren noch ein banges Zittern war um die Frage „Schaffen es Messe und Lesefest?“, da ist seit ein paar Jahren ein anderer Kummer: Passen denn all die Autoren überhaupt noch in diese kleine Stadt? – Von 1.000 redet niemand mehr. Das sind schon allein all jene, die man schon kennt. Aber Leipzig ist längst auch zur großen Werbeplattform für die kleinen Verlage und die noch unbekannten Autoren geworden. Offiziell steht die Zahl 1.500 heute noch auf der Seite von „Leipzig liest“. Oliver Zille spricht von 2.000 Veranstaltungen an 300 unterschiedlichen Orten in der Stadt.

Was für die Leipziger heißt: Wer an diesen drei Abenden im März mal Bummeln geht, geht in eine literarische Lesung, Performance, Nacht oder Marathon-Veranstaltung. Und wer an den drei Tagen seine Kinder bändigen muss, weil sie aus dem Häuschen sind, der hat was richtig gemacht. Der hat sie nämlich rechtzeitig mit Büchern beschenkt. Man muss kleine Menschen mit der Leselust anstecken, damit später eifrige Leser draus werden. „Wer in der Jugend nicht liest, wird’s später nimmer tun“, sagt Oliver Zille. Er hat mal verraten, dass er sich in seiner Jugend mit Jules Verne angesteckt hat. Für spätere Kinder hießen und heißen die ansteckenden Krankheiten Miriam Pressler, Wolfgang Hohlbein, Paul Mahr. Die kommen alle zum Lesefest nach Leipzig.

Aber da Eltern, die ihre Kinder nicht lesen lassen, das hier auch nicht lesen, braucht man ihnen über die Ansteckungslust des Lesens auch nichts zu erzählen. Oder sollte man besser sagen: Anstiftungslust? – Anstiftung zum Selber-Denken und Nach-Schlagen.Mancher glaubt ja, das würde auch mit neuem Technik-Spielzeug funktionieren. Auch die Leipziger Messe glaubt das. Sie hat das Lesefest auch bei Facebook und Twitter platziert und hat einen Dienst für die iPod-Spieler installiert: Man kann sich ins Leseprogramm einwählen und bekommt dann, je nachdem, wo man sich gerade in Leipzig befindet, angezeigt, was gerade in der Nähe gelesen wird und wie man hinkommt. Ein Angebot für alle, die noch nie zu „Leipzig liest“ in Leipzig waren.

Denn verraten darf sein: Wer nicht rechtzeitig zu einer Lesung im Saal ist – sei’s Kino, Landgericht oder Kneipe – kommt nicht mehr rein. Weil’s rappelvoll ist. Weil auch Leser das Gefühl genießen, mal nicht allein zu sein mit Buch und Autor, sondern hübsch kuschelig mit lauter Gleichgesinnten, einem Gläschen Wein und einem Haarbüschel des verehrten Autors, das man gerade so noch sieht. Oder was man sonst so noch sieht hinter der Säule oder 300 ehrfurchtsvoll lauschenden Köpfen.

Wer also seine Lieblinge erleben will, verlässt sich nicht auf sein Taschentelefon, sondern macht sich einen Plan wie die Olsenbande, sucht die besten Schnellverbindungen raus und plant drei Stunden Verspätung mit ein, weil zu manchen Zeiten die Bahnen auch noch rappelvoll sind. Und er meidet bestimmte Bühnen, die nun seit ein paar Jahren auch dabei sind, wo aber nicht gelesen wird, sondern getalkt und gefernseht. Da tummeln sich dann die Berühmten, die ihre Bücher meistens machen lassen und für gewöhnlich eher rustikalen Dingen nachgehen wie dem Kochen, dem Fahrradfahren, dem Mückenjagen in Dschungel-Camps oder dem Schönaussehen vor Fernsehkameras. Man kann aus allem Bücher machen. Das ist das Schöne an Büchern. Man muss sie nicht immer lesen und kann doch drüber palavern wie über das von dem Dingsbums. – Nein: Der Dingsbums kommt nicht. Das ist eine gute Nachricht.Dafür kommen ein paar andere Dingsbumse wieder und bekommen einen vollen Saal oder ein volles Forum, in dem die ganz hartgesottenen Zuhörer an ihren Stühlen kleben, bis der Hausmeister das Licht ausmacht. Da braucht man also auch nicht unbedingt hingehen, was kein Verlust ist. Denn an den anderen 299 Orten treiben sich wesentlich spannendere Autorinnen und Autoren herum, wo es auch klüger macht, zuzuhören.

Man kann im Academixer-Keller anfangen, wo am 18. März die dtv-Lesenacht stattfindet – der dtv feiert in Leipzig seinen 50. Geburtstag. Und entsprechend illuster ist die Leserunde: Ulla Hahn, Wilhelm Genazino, Ingo Schulze, Uwe Timm, Wolf Wondratschek, Judith Zander, Arno Geiger, Peter Härtling, Erich Loest … – Und Arno Geiger ist ja auch noch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Und man kann im Zeitgeschichtlichen Forum aufhören, wo natürlich wieder die diskutanten Autoren des politischen Sachbuches den Saal füllen. Bill Niven ist da zum Beispiel mit „Die Wilhelm Gustloff. Geschichte und Erinnerung eines Untergangs“ und Gert Schramm mit „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“.

Und weil man die Hälfte von dem, was man bei dem Lesemarathon zu hören und zu sehen bekommt, im Buchladen nie wiederfindet, haben die pfiffigeren unter den Lesern auch gespart für diese drei Tage. Nicht nur für ein Glas Rotwein und 5 Euro Eintrittshilfe, sondern auch für das frischgedruckte Buch, noch unberührt aus der Plastikhülle, wenn es noch nach Druckerschwärze riecht. Jedes ganz einmalig. Lesen ist ein sinnliches Erlebnis. Leser sind sinnliche Menschen mit der Seele von Schatzgräbern.

Vom 17. bis 20. März sind sie alle wieder in Leipzig. Und die, die dann ganz begeistert auf ihren iPod schauen, sind unübersehbar die Neuen. Die glauben noch, ein kleines technisches Gerät hilft dabei, rechtzeitig auf seinem Platz zu sitzen, wenn das Licht gedimmt wird und die Lieblingsdichterin oder der Lieblingsdichter vorne bedächtig das neugedruckte Buch aufblättert. Und das Rascheln der Seiten verrät schon, was das für ein Abend wird. Und man macht die Augen zu und freut sich schon drauf, den Gudsten da vorne nachher um ein schnörkelloses Autogramm zu bitten ins Neuerstandene. Und wenn der oder die Gudste fragen, für wen das Autogramm ist, dann darf man mutig sein und sagen: Für mich. Für einen Ihrer treuesten Leser.

www.leipzig-liest.de


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