Nach Kürzung der Jugendpauschale in Sachsen: Jugendhilfeträger warnen vor zunehmenden Problemen

Am heutigen Samstag, dem 28. Mai, laden die freien Träger der Jugendhilfe in Leipzig zum 3. gemeinsamen Kinder-, Jugend- und Familienfest "Das Fest" in den Lene-Voigt-Park in Reudnitz ein. Viele waren in diesem Jahr Opfer der Sparmaßnahmen im Doppelhaushalt 2011/ 2012. Die Frage war also gar nicht so abwegig: Welchen Nutzen hat eigentlich Jugendsozialarbeit?
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Im Vorfeld des Festes hat die Arbeitsgemeinschaft Freier Träger der Jugendhilfe (AGFT) deswegen eine Umfrage gestartet. Befragt wurden Jugendarbeiter und Geschäftsführer der drei Leipziger Dachverbände: Arbeitsgemeinschaft freier Träger der Jugendhilfe (AGFT), der Stadtjugendring Leipzig e. V. (SJR) und die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtverbände (AGW). Sie sollten angeben, welchen Stellenwert die jugendpolitischen Schwerpunkte in ihrer täglichen Praxis einnehmen. Der Stadtrat der Stadt Leipzig hat diese 10 Ziele im Rahmen der Jugendhilfeplanung 2007 beschlossen. Die Umfrageergebnisse sollen Eingang in die aktuelle Überarbeitung des Jugendhilfeplanes finden.

„Wir beobachten, dass in unseren sozialpädagogisch betreuten Freizeitangeboten der Anteil der Jugendlichen mit größeren Problemen weiter zunimmt“, stellt Oliver Reiner, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Freier Träger der Jugendhilfe (AGFT), fest. Die Verarmung großer Teile der Leipziger Bevölkerung in Folge der lange Zeit hohen Arbeitslosenrate und die nach wie vor hohe Armutsquote bei Kindern und Jugendlichen von über 30 Prozent zeugen Folgen. Folgen, die die betroffenen Familien allein schon längst nicht mehr auffangen können.

So müssen die Mitarbeiter der Jugendhilfe sich immer mehr um selbstverständlich erscheinende Dinge kümmern. So stellen sie immer wieder fest, dass jugendliche Besucher der Einrichtungen kaum etwas Vernünftiges gegessen haben. Auf die Idee, dass eine Freizeitgestaltung ohne Fernseher, Internet und Handy schön sein kann, kämen die meisten Besucher der offenen Freizeittreffs nicht von allein.

Die Sozialarbeiter versuchen deshalb genau da anzusetzen und eine aktive Freizeitgestaltung mit den Jugendlichen einzuüben – basierend auf dem Bewusstsein ihrer eigenen Bedürfnisse.Im Fachjargon spricht man von Beteiligungsangeboten und Partizipation. Vor diesem Hintergrund erscheint es vollkommen schlüssig, dass bei der aktuellen Umfrage die jugendpolitischen Schwerpunkte „Kinder und Jugendliche durch Beteiligungsmöglichkeiten stärken“ und „Selbstorganisation der Freizeitgestaltung fördern“ die mit Abstand meisten Nennungen der freien Träger erhalten haben.

Kein anderer jugendpolitischer Schwerpunkt prägt die Arbeit der Akteure im Jugendbereich derzeit mehr.

Einig sind sich die Jugendarbeiter auch darin, dass das Ziel „Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen“ kaum von ihnen beeinflussbar ist. Deshalb spielt es bei den meisten Trägern keine Rolle in ihrer täglichen Arbeit. Dafür wäre eine viel individuellere Betreuung notwendig.

Alle anderen jugendpolitischen Schwerpunktsetzungen werden von den Vereinen unterschiedlich stark fokussiert. „Dies ist ein Indiz für die Vielfalt der Trägerlandschaft“, so Christian Kreusel, Missionsdirektor der Diakonie Leipzig (AGW).

Doch diese Vielfalt ist seit Jahren gefährdet. Da nütze die Einsicht kaum, wenn Landespolitiker auf Frühlingsfesten kleinlaut zugeben, dass die Kürzung der Jugendpauschale in Sachsen wohl ein Fehler gewesen sei. Aus Sicht der der Jugendverbände käme dies zu spät, denn die verheerenden Auswirkungen seien im ganzen Land bereits eingetreten.

Doch weitere Einschnitte für die Jugendhilfe in der Stadt Leipzig kündigte deren Finanzbürgermeister Torsten Bonew schon vor Wochen an.

„Wir betrachten diese Entwicklung mit großer Sorge: Die Förderung von Kindern und Jugendlichen ohne Problemlagen bleibt dabei auf der Strecke. Wenn wir immer nur dort löschen, wo das Feuer am höchsten brennt, gefährdet das neben der Zukunftsfähigkeit unserer Stadt auch den sozialen Frieden“, so Corinna Graf, Geschäftsführerin des Stadtjugendring Leipzig e. V.

Am heutigen Samstag, dem 28. Mai, kurz vor dem internationalen Kindertag, laden die drei Dachverbände der Leipziger Jugendhilfe von 14 bis 18 Uhr zum großen Kinder- und Familienfest in den Lene-Voigt-Park ein.

„Das Fest“ zeigt, wie vielfältig und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst die Angebote der Jugendarbeit in Leipzig sind. Schirmherr Prof. Dr. Thomas Fabian wird ab 14 Uhr zu einem Rundgang erwartet. Sicherlich bietet sich dabei auch die Gelegenheit, die Ergebnisse der Umfrage anzusprechen.

Das FEST – freie Träger der Jugendhilfe laden zum 3. gemeinsamen Kinder-, Jugend- und Familienfest in den Lene-Voigt-Park ein am Samstag, 28. Mai, von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr.

www.stadtjugendring-leipzig.de

www.kjrs-online.de


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