Tanzarchiv Leipzig soll Teil der neuen „Bibliothek der Künste“ werden

Neue Hoffnung im Leipziger Tanzarchiv. Für das noch in der Ritterstraße ansässige Archiv liegt jetzt ein Konzept vor, das der bislang einer ungewissen Zukunft entgegensehenden Sammlung ein langfristiges Überleben sichern soll. Eine an der Uni-Bibliothek "Albertina" neu zu schaffende "Bibliothek der Künste" könnte so neue Heimat unter anderem auch für das Tanzarchiv Leipzig e.V. werden.
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Das erklärte die neue Rektorin der Uni Leipzig, Prof. Dr. med. Beate A. Schücking. Neben dem Tanzarchiv sollen in der „Bibliothek der Künste“ auch die Bibliotheken der Hochschule für Grafik und Buchkunst sowie der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ihre Heimstatt finden. Dazu haben schon Gespräche auf höchster Ebene mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in Person von Sabine Schorlemer stattgefunden.

Die Uni-Rektorin dazu am heutigen Tage: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“ Dies insbesondere im Hinblick auf die nun ins Auge gefasste Strategie. Dazu hätte es laut Beate A. Schücking auch gehört, dass das Tanzarchiv, wie ursprünglich vorgeschlagen, zumindest teilweise ins Uni-Archiv eingegliedert worden wäre. Dagegen hatte es massive Einwände gegeben. Der Grund war wie immer das Geld. Die bisher recht großzügige Förderung des Tanzarchivs Leipzig e.V. sollte zurückgefahren werden.
Als Alternative waren die Archive der Universität vorgesehen. Hier hätten die Bestände zwar gelagert werden können, das Tanzarchiv aber wäre einer seiner Elementarfunktionen beraubt gewesen. Denn um es weiter öffentlich zugänglich zu machen, dafür hätte das Geld gefehlt, beziehungsweise hätte dann eingespart werden sollen. Durch das nun vorgelegte Konzept von Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek „Albertina“, so Schücking, sei eine mögliche Lösung gefunden worden, die über alle bislang überlegten Alternativen hinausgehe. Die Uni-Rektorin weiter: „An der „Albertina“ ist ein Erweiterungsbau geplant.“ In dem sollen die Sammlungen der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), der Hochschule für Musik und Theater (HMT) „Felix Mendelssohn Bartholdy“ sowie des Tanzarchivs Platz finden.
Dafür sei eine Fläche von rund 3.600 Quadratmetern notwendig. Dadurch würden die Probleme der beteiligten Partner gelöst sowie ausreichend Stellflächen und Arbeitsplätze für Nutzer zur Verfügung gestellt werden. Die Uni-Rektorin: „Die „Bibliothek der Künste“ würde ein Spektrum von Musik über Kunst bis hin zu Theater und Tanz abdecken.“ Dies wäre, so Schücking, eine deutliche Qualitätsverbesserung für alle Beteiligten. Positiv seien zudem Einsparungen durch Synergieeffekte sowie die unmittelbare Nähe von HGB und HMT. Die in den beiden Hochschulen frei werdenden Räume könnten zudem anders genutzt werden. Der Umzug könnte relativ schnell beginnen, da bereits im Oktober dieses Jahres in der Uni-Bibliothek Raum zur Verfügung stehe. „Hier wird – übergangsweise, bis die ‚Bibliothek der Künste‘ steht – das Tanzarchiv als Sondersammlung aufgenommen.

Die Mitgliederversammlung des Tanzarchiv Leipzig e.V. hat der Umsiedlung spätestens zum 31. Oktober 2011 einstimmig zugestimmt“, so die Uni-Rektorin. Günstig sei auch, dass bisher dem Tanzarchiv zugeordnetes, künftig in der Universitätsbibliothek tätiges Personal die Betreuung der Sammlung dort weiterführen werde.Das Sammlungsgut des Tanzarchivs, darunter Nachlässe von Pionieren des modernen Tanzes wie Gret Palucca, Uwe Scholz oder Mary Wigman, werde so rasch und entsprechend mit moderner Technik erfasst werden können. „Das Tanzarchiv wird dann – und zwar leichter als dies im Universitätsarchiv möglich gewesen wäre – einer intensiven wissenschaftlichen Nutzung offen stehen, und in enger Nachbarschaft mit den verwandten Fächern einen Zuwachs an Nutzungsmöglichkeiten erfahren.“

Unterteilt ist diese heute noch lebendige Schatztruhe der deutschen und europäischen Tanzgeschichte in die Grundbereiche Schrift, Bild und Ton. Allein die Bibliothek ist mit 10.000 Werken gefüllt. Hier sind neben Büchern und Nachschlagewerken auch Musikalien und internationale Zeitschriften zum Thema Tanz gelistet. Im Bildarchiv sind 9.000 Fotografien, 2.400 Dias, 1.200 Plakate, Skizzen und Zeichnungen sowie 4.500 Postkarten und 360 Kunstblattsammlungen zusammengekommen. Ebenfalls beeindruckend: das Tonarchiv mit 3.000 Schallplatten, Kassetten, Tonbänder und CDs. Besonders wertvoll ist das Filmarchiv, denn erst das laufende Bild hat es möglich gemacht, nicht nur die Tänzer, sondern auch die Bewegung als Kunstform festzuhalten.

Sammlung im Netz: www.tanzarchiv-leipzig.de

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