Ist Leipzig das schlechtere Berlin? Aktuelle Armutsstudie sieht Leipzig weiter ganz vorn

Ein Viertel der Leipziger sind von Armut bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt eine gerade veröffentlichte Erhebung des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI. Das ist noch immer der Spitzenwert unter Deutschlands Metropolen. Seit 2009 fällt die Zahl jedoch. Das Etikett "Armutshauptstadt" bleibt an Leipzig weiter haften. Ein Stigma machte vor zwei Jahren an Weißer Elster und Pleiße die Runde. Leipzig sei die "Armutshauptstadt" Deutschlands, so das Ergebnis einer damals veröffentlichten Studie.
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Folgt man der gerade veröffentlichten Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, hat sich an diesem wenig erstrebenswerten Spitzenplatz bislang nichts geändert. Doch das ist nur die statische Seite der Medaille.

„Leipzig hat zwar derzeit noch die höchste Armutsquote unter den Großstädten“, schreiben die Sozialforscher Eric Seils und Daniel Meyer in ihrem Bericht. Gleichwohl: „Der Anstieg der Armutsquote ebbte jedoch bereits nach 2008 merklich ab und ist in den letzten Jahren auf 25 Prozent gefallen.“ Das ist eindeutig schlechter als Berlin. Auch wenn man an der Pleiße die Geschichte marketingtechnisch genau anders herum erzählen will.“Leipzig bleibt Deutschlands Armutshauptstadt“, kritisiert denn auch die linke Oberbürgermeisterkandidatin Dr. Barbara Höll die Lage, die die Zahlen beschreiben. „25 Prozent der Leipziger haben weniger als 60 Prozent zum Leben als der Durchschnitt“, so Höll weiter, „skandalöserweise sind in Leipzig nach wie vor knapp ein Drittel Kinder unter 18 Jahren betroffen.“

„Zwischen 2007 und 2011 ist darüber hinaus die SGB II Quote um fast drei Prozentpunkte gesunken“, merken die WSI-Forscher zu ihren Leipziger Zahlen an, „das ist mehr als in allen anderen untersuchten Städten.“ Aktuell liegt die Quote bei 18,6 Prozent.

Sind das nun erste Anzeichen einer nachhaltigen Trendumkehr? Dann wäre das die gute Nachricht in der schlechten.

Doch selbst wenn die Trendumkehr erreicht wäre, setzte sich der Trend nur mit weiteren wirtschaftlichen Erfolgen fort. Zur Entwarnung besteht insoweit kein Anlass.

Schon deshalb nicht, weil der Anteil der Hartz IV-Empfänger zumeist deutlich unter den Armutsgefährdungsquoten liegt, wie die WSI-Forscher betonen. „Auch in den meisten Großstädten sinkt zwar der Anteil der Menschen, die wegen Langzeitarbeitslosigkeit, als Aufstocker mit niedrigem Arbeitseinkommen oder aus anderen Gründen Leistungen nach SGB II erhalten“, so Eric Seils und Daniel Meyer, „doch gleichzeitig ist die Armutsquote hier besonders spürbar nach oben gegangen.“ Die Billigheimerei am Arbeitsmarkt findet hier ihren manifesten Niederschlag. „Milde Formen der Armut“ würde zu deren Anstieg in den deutschen Metropolen führen, nennen das die WSI-Forscher.

Es ist ein schwacher Trost, dass Leipzig bei den Hilfequoten von Kindern nicht die Rote Laterne trägt. Nach der WSI-Erhebung leben hier 4.337 oder 28,1 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Bedarfsgemeinschaften, das ist Platz 6 unter den 15 Metropolen. Bei den Drei- bis Fünfzehnjährigen geht es um 17.529 dieser Schicksale, macht 29,4 Prozent und Platz zwei hinter Berlin.

„Berlin ist immer noch die Hauptstadt der Kinderarmut“, sagt die dortige Diakoniedirektorin Susanne Kahl-Passoth und fordert vom Hauptstadt-Senat einen Runden Tisch gegen Kinderarmut.

www.boeckler.de


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