Die katholische Kirche ist ein Ozeanriese. Den Kurs bestimmen der Papst und die Bischöfe unter Berücksichtigung von Bibel und Tradition. Im Zweifel entscheidet Rom. Der zuständige Bischof für Leipzig sitzt in Dresden und heißt Dr. Heiner Koch. Das Leipziger Hauptruderboot liegt am Rosental vor Anker, etwas versteckt und baufällig. Bald versammeln sie sich am Ring. Am 9. Mai wird die neue Kirche eingeweiht.

Nach der Reformation begann das katholische Leben in Leipzig zunächst im Untergrund. Der erste heimliche katholische Gottesdienst wurde wahrscheinlich während der Michaelismesse 1697 gefeiert. Ab 1711 fanden dann offiziell Heilige Messen in der königlichen Pleißenburg statt. Mit Blick auf die polnische Krone war der sächsische Herrscher katholisch geworden. Die Untertanen blieben lutherisch und zweifelten, ob die Katholiken zu Sachsen gehören.

Als die 1847 geweihte katholische Kirche am Ring im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, begann die Feier katholischer Gottesdienste in evangelischen Kirchen: lange Jahre in der Universitätskirche, wo der letzte Gottesdienst vor der Sprengung von den Katholiken gefeiert wurde, später dann in der Nikolaikirche.

Die Propstei am Rosental. Die kurze Geschichte des Sakralbaus endet 2015. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
Die Propstei am Rosental. Die kurze Geschichte des Sakralbaus endet 2015. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

1979 bis 1982 wurde schließlich die Propsteikirche am Rosental gebaut. Die Mittel dazu stammten vorwiegend aus dem Westen. Planer war die Bauakademie der DDR. Das Bau- und Montagekombinat Süd war der Generalunternehmer. Vorgabe war, dass das Gebäude einer Kirche möglichst wenig ähneln sollte. Von Anfang an gab es Probleme.

So erklärt das Bistum: “Bereits kurz nach der Einweihung der Propstei Leipzig am 21.11.1982 gab es einen Wasserschaden im Keller, woraufhin eine Dränageringleitung nachgerüstet wurde. Ebenfalls sehr zeitnah entstanden Risse zwischen Wohnhaus und Gemeinderäumen, in den Stützwänden und nachfolgend in vielen Bauteilen des Komplexes. Die Risse wurden immer augenscheinlicher. Die Dächer wurden undicht, und schon sieben Jahre nach der Einweihung war es erforderlich, ein umfängliches Schadensgutachten erstellen zu lassen.”

Der Neubau am Ring ist aus Sicht des Bistums sparsamer als der Versuch, die Kirche noch einmal zu sanieren. Allerdings ist der Umzug natürlich auch ein Zeichen dafür, dass die Katholiken hörbarer im Konzert der Meinungen in der Stadt mitspielen wollen. Das wird auch durch den Katholikentag unterstrichen, der 2016 nach Leipzig kommt.

Nun wird in den Gemeinden darum gerungen, welche Melodie intoniert wird. Aus Rom kommen dazu starke Worte: “Mir ist eine „verbeulte“ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein, und schließlich in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist.” Papst Franziskus kommt aus Südamerika. Ihm ist es wichtig, dass die Kirche auf die Menschen zugeht und nachschaut, wo sie der Schuh drückt. Wichtig ist demnach weniger der Neubau als was hier und in den anderen Gemeinden geschieht.

Praxis schlägt Theorie. Das zeigt sich vor allem dort, wo die katholische Kirche gemeinsam mit den Evangelischen Einrichtungen betreibt. Seit vielen Jahren hilft die Ökumenische Bahnhofsmission Reisenden, auch die Telefonseelsorge wird gemeinsam betrieben. Jüngstes gemeinsames Projekt: die Ökumenische Flüchtlingshilfe, gegründet im ersten Friedensgebet des Jahres am 12. Januar. Hilfe für Flüchtlinge ist eine christliche Kernaufgabe. Die Weihnachtsgeschichte und die Verkündigung Jesu werden von den Kirchen in dieser Weise verstanden: „Die Geschichte von der Geburt Jesu steht uns neu vor Augen. In einem Notquartier erblickte er das Licht der Welt. Wenig später ergriffen seine Eltern mit ihm die Flucht vor Gewalt und Terror. Später sprach Christus davon, dass er uns in den „geringsten Brüdern“ begegnet, den Kranken, Hungernden, Gefangenen und Fremden (Mt. 25,35ff.).“

Bischof Heiner Koch (dritter von rechts) mit Katholiken am Weg zur Lichterkette am Ring. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Auch Bischof Koch stellt die Praxis in das Zentrum seiner Überlegungen. Für ihn ist Kirche mehr als die Hierarchie von Papst, Bischöfen, Priestern und Diakonen. Kirche ist Gemeinschaft. So schreibt er im Fastenhirtenbrief 2015: “Jeder bringt seine Sicht, seine Erfahrungen, seinen Hintergrund in unser Miteinander als Christen in unsere Kirche ein; so weitet sich unser gemeinsamer Glaubenshorizont. Jeder von uns hat seinen blinden Fleck, aber miteinander werden wir das Leben und den Glauben meistern und Gott klarer sehen lernen.”

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