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Leos Gedanken über das, was uns wirklich krank macht

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    Geht ja nicht nur mir so, dass ich das Gefühl habe, in einer „Kranken Welt“ zu leben. Obwohl die Welt gar nicht krank ist. Krank sind wir, die Menschen, die sich manipulieren lassen. Was an unserem armen, kleinen, so leicht verführbaren Gehirn liegt. Es lüstet nach Belohnungen. Es ist regelrecht süchtig danach. Da versteh ich schon, wenn lauter junge Mädchen bei Youtube das Lied von Gary Jules mit bedeutungsvollem Augenaufschlag nachsingen. In dem Alter ist man noch betroffen.

    Später wird man dann so wie der Heimathorst: unbelehrbar, stoffelig, grantelig, trumpelig. Nichts mehr zu retten. Der Mann hat ein Leben ohne Freude hinter sich und setzt jetzt alles daran, möglichst vielen Leuten die Freude am Leben zu vergällen. Ein Missgunstler vor dem Herrn.

    Natürlich hatte ich jüngst die Moby-Version von „Mad World“ eingeblendet.

    Hier ist die richtige von Gary Jules aus dem Jahr 2004.

    Das Thema ist also gar nicht so jung. Und die Betroffenheit auch nicht. Denn es ist unsere Sucht, wie es ausschaut, die die Welt krank macht. Wir können nicht aufhören, weil unser armes kleines Affengehirn immer neue Belohnungen haben will. Und da passte irgendwie auch jüngst die Werbekampagne von Netto. Das ist zwar nur eine Supermarkt-Kette und jeder, der da einkauft, weiß, dass einen die süchtigmachenden Belohnungsprodukte von allen Seiten anschreien.

    Aber zumindest sorgt man sich da noch ein bisschen um die Gesundheit seiner Kunden und hat den Zucker- und Salzgehalt in etlichen Eigenmarken gesenkt (oder will das erst tun – bis 2021 – ist also auch wieder nicht so schnell wie mit der Werbung) und das dann auch noch mit einer Kampagne verbunden, die den Verkauf von Zucker und Salz (in Überdosis) dem Verkauf von Drogen gleichsetzt.

    Worauf sich die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker zu Wort meldete, wo man eh schon Probleme hat, weil immer mehr Leute ihren Zuckerkonsum eingeschränkt haben – und nun wollen auch noch die Supermärkte als Zucker-Dealer von der Fahne gehen? Wo gibt’s denn sowas!

    Also ließ man sich eine Gegenkampagne einfallen: „Dealer gesucht? Dann geh doch zu Netto!“

    Aber das klappt wohl nicht so gut. Irgendwie kommt das Netto-Dings besser weg.

    Es gibt ja einen Haufen Leute, die doch nicht blöd sind. Die das ernst nehmen, was die Forscher rausgekriegt haben über die Wirkung von Drogen in unserem Körper. Ist eben nicht nur Zucker. Ich weiß, wovon ich rede. Ich leide unter dem Zeug von Kindesbeinen. Im Laden komme ich an den Suchtregalen nicht vorbei.

    Und Sie wissen, wie meine geliebte Bäckerin dann jedes Mal reagiert, wenn ich zu den leckeren Fruchtbärchen greife.

    „Bitte nicht, Leo. Du kommst doch jedes Mal außer Atem …“

    „Wobei komme ich außer Atem?“

    Natürlich leg ich die Tüte dann wieder hin, schmolle mit den Schokoküssen und schiele sehnsüchtig nach den Pfefferminzplätzchen …

    „Erdbeeren. Komm, wir packen die Erdbeeren ein.“

    Packen wir die Erdbeeren ein, die Zucchini und die Paprika. Sie wissen schon: lauter gesundes Zeugs ohne Industriezucker. Und weil ich ein ganzer Kerl bin, verlass ich mich drauf, dass meine Liebste hinterher lauter schöne Sachen draus zaubert. Ich muss nur durch den Laden kommen. Am Regal mit dem Bierchen vorbei („Aber wenn’s doch draußen so heiß ist!“) und am Regal mit den Likörchen und Sektchen …. („Heute ist kein Feiertag, Leo. Und Auslauf hattest du auch noch nicht.“)

    Auslauf krieg ich nämlich immer abends, wenn in mir der nicht zu tötende Gedanke aufsteigt, dass ich jetzt eigentlich noch eine Tüte Kartoffelchips … Wissen Sie, wie ich am Chips-Regal leide?

    Aber da rettet mich meistens der Blick nach rechts und links: Bäuche vergleichen. Ich hab zwar einen Jupiter als Bauch. Aber so lange die jungen Leute rechts und links noch mehr Planetenmasse mit sich tragen, kann ich tapfer verzichten. Und stolz den vollen Wagen mit lauter gesundem Zeugs zur Kasse schieben. Sie sollten mal sehen, wie bewundernd mich die Kassiererin jedes Mal anschaut. Und meine liebste Bäckerin erst mal, wie die mich im Griff hat.

    Aber eines macht mir der Besuch beim Zucker-Fett-Salz-und-Geschmacksverstärker-Dealer jedes Mal klar: Dass ich nicht allein bin mit meiner Sucht. Und dass es anderen noch viel schlimmer geht damit.

    Und deshalb sieht unsere Welt so aus.

    Denn mit unseren Süchten bekommen sie uns.

    Und zur Belohnung, weil Sie so tapfer bis hier unten gelesen haben, noch eine ganz verrückte Version von „Mad World“.

    Mad World – Vintage Vaudeville – Style Cover ft. Puddles Pity Party & Haley Reinhart

    Lecker, nicht wahr?

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