Diffamierung, Drohung und juristische Beschwerden

Auf „Das Netzwerk der Neuen Rechten“ reagieren die Rechten genauso wie im Buch beschrieben

Für alle LeserWahrscheinlich haben sie genau damit gerechnet. Denn wer in Deutschland handfeste Recherchen über die Netzwerke der alten und der neuen Rechten anstellt, der löst genau das aus, womit Deutschlands Rechte in den letzten Jahren immer wieder für Aufmerksamkeit für ihre Themen sorgen: Shitstorms und persönliche Attacken. Genau das ist Christian Fuchs und Paul Middelhoff mit ihrem Buch „Das Netzwerk der Neuen Rechten“ passiert.

„Seit dem Veröffentlichungstag vergangene Woche werden die beiden Autoren Christian Fuchs und Paul Middelhoff im Netz bedroht. Sie erhalten Drohungen via Mail und werden in den sozialen Medien diffamiert“, teilt ihr Verlag, der Rowohlt Verlag, mit. „Der rechte Blog Philosophia Perennis befragt sein Publikum derzeit danach, ob die Redaktion die Privatadressen von Middelhoff und Fuchs öffentlich machen solle. Nutzer antworten darauf in der Kommentarspalte mit Gewaltaufrufen gegen die Journalisten.“

„Philosophia Perennis“ taucht im Buch natürlich als Medium auf, das fest zum Netzwerk der Neuen Rechten gehört. Fuchs und Middelhoff benennen ja nicht nur die medialen Vernetzungen, sondern auch die Personen, die dahinterstecken – und auch die Geldgeber. Ihr Buch macht gerade durch die Detailfülle deutlich, wie eng verbandelt die wichtigsten Akteure der Szene allesamt sind und wie sie sich die Bälle zuspielen und auch alle Möglichkeiten des Internets nutzen, um mit organisierten Kampagnen ganze Diskussionen zu kapern und am Ende auch die mediale Deutungshoheit zu erlangen.

Und wenn dann mal einer gegenhält, bekommt er die ganze Wucht hemmungslosen Hasses und persönlicher Herabwürdigung zu spüren. Was dann das Thema berührt, das Christian Bommarius in seinem Buch „Die neue Zensur“ behandelt. Denn all die Vernichtungsphantasien, die bei rechtsradikalen Shitstorms freigelassen werden, zielen ja nicht nur auf die größtmögliche Verletzung der Angegriffenen, sondern darauf, sie zum Verstummen zu bringen.

Es wird nicht inhaltlich argumentiert. Mit demokratischer Auseinandersetzung hat das alles nichts zu tun, es ist die altbewährte Methode, den politischen Gegner einzuschüchtern und zu zerstören. Etwas, was in der realen Welt gesetzlich sanktioniert ist. Doch gerade die scheinbar unbeschränkten Freiheiten des Internets und der „social media“ im Speziellen hat sich mittlerweile zur Spielwiese der Rechtsradikalen entwickelt. Genau hier hat die Entgrenzung der politischen Debatte begonnen, wurde der Tonfall immer schriller und aggressiver. Und gerade die auf Aufmerksamkeit fokussierten Algorithmen der IT-Giganten haben dieses Phänomen noch verstärkt.

Und gerade die rechten Netzaktivisten haben daraus gelernt und Blogs und Youtube-Kanäle eröffnet, die mit derselben Masche Aufmerksamkeit generieren.

„,Das Netzwerk der Neuen Rechten‘ hat neben viel Lob in der Presse und aus Leserkreisen auch massive Kritik von Seiten der Neuen Rechten hervorgerufen“, kann der Rowohlt Verlag nun feststellen. Das Buch traf also – wie erwartbar – direkt ins Schwarze. Und es brachte genau jene rechten Publizisten in Rage, die darin auch beim Namen genannt wurden. Rowohlt: „Der Publizist Roland Tichy verbreitete falsche Behauptungen über das Buch und der Autor Henryk M. Broder bezichtigte die Autoren der Denunziation politisch Andersdenkender. Er belehrt sie in einem Blog-Beitrag: ‚Beim RSHA (Reichssicherheithauptsamt, Anm. d. Red.) wäret ihr nicht mal als Pförtner angenommen worden.‘“

Und nicht nur das Niederschreien ist eine markante neurechte Methode, unliebsame Wahrheiten über ihre Strategien, Netzwerke und Absichten aus der Welt zu schaffen. Man zieht auch alle juristischen Register, die im Rechtsstaat zur Verfügung stehen.

„Schon einige Tage vor der Veröffentlichung hatten neurechte Strategen versucht, das Buch juristisch zu stoppen“, so der Verlag. „Seitdem sind ein halbes Dutzend juristische Beschwerden beim Rowohlt-Verlag eingegangen. Bisher konnten den Autoren jedoch keine Fehler nachgewiesen werden.“

Auch das keine neue Methode. Auch in Leipzig konnte man ja schon erleben, mit welcher rechtsanwaltlichen Beharrlichkeit versucht wird, die Namen bekannter straffälliger Rechtsextremer aus den Medien herauszuklagen. Man möchte zwar gern – auch mit verbaler Gewalt – die Themen bestimmen, die in Deutschland diskutiert werden, und den Wählern einreden, ausgerechnet die alten rechten Rezepte wären die Lösungen für die Probleme der Gegenwart. Aber auf Kritik und Widerrede reagiert man fast immer aggressiv, laut und rücksichtslos. Erst recht, wenn man – wie in diesem Buch – bei all den heimlichen Verstrickungen ertappt wird, die zeigen, wer mit wem in Deutschland (und darüber hinaus) daran arbeitet, den Riss durch die Gesellschaft zu vertiefen und die Demokratie zu zerstören.

Das Netzwerk der Neuen Rechten: Drei Jahre Recherche kompakt in einem Buch

Neue Rechte
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Blick über den Zwenkauer See zum Kohlekraftwerk Lippendorf. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

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Auch in den Leipziger Kommunalunternehmen ist das Thema faire Beschaffung angekommen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

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