Ein aufwendiger Prozess steht vor der Einführung der neu designten Euro-Scheine. Doch ist Bargeld überhaupt noch zeitgemäß? Das Bargeldsystem hat neben Vorteilen auch viele Nachteile. Es gibt bereits etliche Alternativen zum Bargeld. Die wohl bekannteste ist jedoch die Kreditkarte. Wie sicher ist diese wirklich und welche Vor- und Nachteile bietet sie? 

Die neuen Euro-Banknoten

„Nach 20 Jahren brauchen unsere Banknoten einen neuen Look. Denn alle Menschen in Europa sollen sich unabhängig von Alter oder Hintergrund noch stärker mit ihnen identifizieren können“, so Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Zu diesem Zweck hatten vom 10. Juli bis zum 31. August alle Europäer die Chance, online abzustimmen, wie das neue Design der Euro-Banknoten aussehen soll. Zur Auswahl standen sieben Themen:

1 „Vögel: frei, widerstandsfähig, inspirierend“

2 „Europäische Kultur“

3 „Europäische Werte im Spiegel der Natur“

4 „Ihnen gehört die Zukunft“ 

5 „Hände: Gemeinsam bauen wir Europa“

6 „Unser Europa, wir selbst“

7 „Flüsse: Wasser des Lebens in Europa“

Insgesamt beteiligten sich mehr als 365.000 Menschen an der Umfrage. Ende November 2023 dann die Entscheidung. Auf Grundlage der Abstimmung entschied sich der EZB-Rat für die Themen „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“. 

Das neue Design der Euro-Banknoten steht bevor! Foto: martaposemuckel von Pixabay

Doch damit ist der Prozess noch nicht zu Ende. Demnächst findet ein Design-Wettbewerb statt. Es wird erneut eine Vorauswahl getroffen und anschließend diese der Öffentlichkeit bereitgestellt. Europäer können nochmals abstimmen und erst im Jahr 2026 wählt der EZB-Rat das künftige Banknotendesign aus. Bis die fertigen Scheine dann wirklich in den Portemonnaies der Bürger landen, wird also noch reichlich Zeit vergehen.   

Das Direktoriumsmitglied Fabio Panetta sagt: „Wir halten am Bargeld und an der Prämisse fest, dass immer mit Zentralbankgeld bezahlt werden kann.“ Zeitgleich betont die EZB die Vorteile des Bargelds. Zum Beispiel schützen Bargeldgeschäfte die Privatsphäre des Käufers. Bargeld kann unabhängig von Dritten aufbewahrt werden.

Es kann von jedem benutzt werden und wird in der Regel auch von jedem Geschäft als Zahlungsmittel akzeptiert. Man kann, anders als beispielsweise bei einer Kreditkarte, wie der American Express Platinum, nicht mehr Geld ausgeben, als man wirklich besitzt. Und es ist durch die besondere Beschaffenheit relativ einfach, Fälschungen zu erkennen. Zudem ist es im Hinblick auf Cyberkriminalität sicher. 

Die Europäische Zentralbank will bis 2026 das neue Design festgelegt haben! Foto: Hans via Pixabay

Nachteile von Bargeld

Über die Abschaffung von den kleinen Kupfermünzen wird schon eine Weile diskutiert. So kostet die Herstellung einer 1 Cent Münze zum Beispiel 1,65 Cent. Die Herstellungskosten überschreiten den eigentlichen Wert der Münze. Zudem sind dir Stückzahlen der existierenden 1 und 2 Cent Münzen seit der Einführung im Jahr 2002 drastisch angestiegen.

Oft nur als Wechselgeld dem Kunden überreicht, landet das Kleingeld zu Hause in einem Sammelglas oder beschwert die Geldbörse lange Zeit, bevor es wieder in Umlauf gerät. Schließlich hört kein Wartender in der Schlange an der Supermarktkasse gern: „Warten Sie, ich habe es passend!“  

Aber genug von den kleinen Klimpermünzen. Scheine kosten in der Herstellung laut EZB nur wenige Cent. So kommt ein 5-Euro-Schein auf Herstellungskosten von gerade einmal 7 Cent. Mit steigendem Wert der Banknote steigen auch die Kosten zur Herstellung, halten sich jedoch weiter im Cent-Bereich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dieses Bargeld keine Kosten verursacht. 

Laut einer Studie kostete 2011 das Bargeldsystem 8 Mrd. Euro für die Volkswirtschaft. Die Kosten für die Privatwirtschaft sind mit 12 Mrd. Euro sogar noch höher. Nach der Betrachtung des „Steinbeis Research Center for Financial Services“ kann lediglich die Deutsche Bundesbank Erträge aus dem Bargeldsystem generieren. Für die Bargeldherstellung und Recycling wurden Kosten von rund 250 Mio. Euro ermittelt. Hinzu kommt, dass Tonnen von Bargeld jeden Tag transportiert werden müssen.

Natürlich auch noch unter besonderen Sicherheitsbestimmungen. Zum Schutz vor Raub muss es an einem sicheren Ort gelagert werden. Alles zusätzliche Personal-, Lager- und Managementkosten. Nach Angaben der EZB kommen so rund 140 Mrd. Euro zusammen. Zwar wechselt ein Euro-Schein in seiner Lebensdauer durchschnittlich 150 Mal den Besitzer, was zunächst sehr viel klingt, aber was wäre, wenn der Geldwert eine unbegrenzte Lebensdauer hätte? Zum Beispiel, wenn er gar nicht als Material existiert.  

Bargeld verursacht zu viel Kosten. Foto: Shutterbug75 via Pixabay 

Alternativen zum Bargeld 

Bargeldalternativen gibt es einige. Darunter zählen mobile Zahlungsdienste (z. B. Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay, etc.), Online-Überweisungen (z. B. Paypal), Kryptowährungen (z. B. Bitcoin, Ethereum), Prepaid-Karten oder Peer-to-Peer-Zahlungen (z. B. über Plattformen wie Zelle). Die wohl bekanntesten und etabliertesten sind jedoch die Kredit- und Debitkartenzahlung. 

Kreditkarten

Kartenzahlungen sind grundsätzlich mit Bargeldzahlungen vergleichbar. Für den Konsumenten unterscheidet sich zunächst nur, dass er beim Zahlen keine Geldscheine übergibt, sondern eine Karte reicht. Woraufhin er lediglich eine Verringerung des Geldbetrages auf dem Konto wahrnimmt. Unterschiedliche Kreditkarten-Modelle bieten ganz verschiedene Vor- und Nachteile.

Mit einer Kreditkarte kann jedoch mehr als das verfügbare Geld ausgegeben werden. Dies kann entweder vollständig oder durch Zahlungen von Mindestbeiträgen getilgt werden. Hierbei können Zinsen auf ausstehende Beträge anfallen.

Häufig wird dies für den Benutzer als Risiko wahrgenommen. Hinzu kommt die Angst vor Cyberkriminalität. Jedoch sorgen Kreditkartenunternehmen mit speziell entwickelten Authentifizierungsverfahren (z. B. Abfrage von statischen Passwörtern und Einmal-Passwörtern, wie zum Beispiel SMS-TANs, oder auch die Abfrage von biometrischen Faktoren wie den Fingerabdruck) für möglichst viel Sicherheit.

Trotzdem sollte der Nutzer einer Kreditkarte große Sorgfalt darauflegen, seine Daten nicht preiszugeben. Häufig versuchen Betrüger mit falschen, aber sehr glaubhaft wirkenden E-Mails an genau diese Daten zu kommen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik betreibt ausführlich Aufklärung zu diesem Thema.

Für die Volkswirtschaft hat die Nutzung einer Kreditkarte positive Seiten. Laut der bereits angeführten Studie liegen die Gesamtkosten des kartenbasierten Zahlungsverkehrssystems bei etwa 800 Mio. Euro. Dies ist deutlich geringer als die 8 Mrd. Euro des Bargeldsystems. 

Wenn die durchschnittlichen Kosten einer Kartentransaktion betrachtet werden, wird eindeutig, dass Barzahlungen nur bei Beträgen unter 6 Euro volkswirtschaftlich kostengünstiger sind. Zwar müssen Händler bei den Abrechnungen pro Transaktion Gebühren bezahlen, sparen dafür aber Kosten und Aufwand, wenn es um Management, Aufbewahrung und Transport des Geldes geht.   

Obwohl die Kreditkarte in vielen Geschäften akzeptiert wird, bei Onlineeinkäufen kaum wegzudenken und beim Mieten eines Autos nahezu unerlässlich ist, besitzen nur wenige Deutsche eine Kreditkarte. Die getätigten Kartenzahlungen sind besonders seit der Corona-Pandemie gestiegen.

Im Jahr 2021 befanden sich rund 38 Mio. Kreditkarten im Umlauf. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jeder zweite Deutsche wirklich eine Kreditkarte besitzt. Oft haben Kreditkartennutzer mehrere Karten von verschiedenen Anbietern, während ein Großteil der Deutschen noch dem Bargeld treu bleibt.

Die Vielfalt der Kreditkarten. Foto: Republica von Pixabay

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