Uniklinik Leipzig ergreift drastische Maßnahmen zur Eindämmung resistenter Keime: Versäumnisse eingeräumt

Von Versäumnissen war die Rede, mindestens zwei Monate habe man zu spät reagiert hinsichtlich der Eindämmung des multiresistenten KPC-Keims. Das war das Fazit bei einer Pressekonferenz, das das Uniklinikum Leipzig wegen der Vorfälle mit den resistenten Bakterien gezogen hat. Ein Versäumnis, das so nicht mehr vorkommen soll, wie der medizinische Vorstand Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig versprach.
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Um dieses Versprechen zu halten, sollen die bisherigen Hygienemaßnahmen drastisch erhöht werden. Dazu werden ab sofort alle auf die Intensivstationen und über die Zentrale Notaufnahme aus anderen Krankenhäusern aufgenommenen Patienten bereits bei Aufnahme auf KPC untersucht sowie Mitarbeiter getestet. Darüber hinaus sollen von KPC betroffene Patienten nur von einem einzigen Mitarbeiter gepflegt und betreut werden, um so Kontrolle über den Übetragungsweg zu gewinnen.

Prof. Fleig: „Mit dieser Intensivierung der Maßnahmen sollen auch die seit dem Ausbruch Ende 2010 wiederkehrend neu registrierten KPC-Nachweise eliminiert werden.“ KPC (Klebsiella pneumoniae) sind Bakterien, die bei jedem Menschen in Darm vorkommen. Im vorliegenden Fall sind sie allerdings in der Lage, eine große Zahl von Antibiotika unwirksam zu machen, sprich, sie sind resistent. Diesen Vorgang nennt man Carbapenemase. Dieser multiresistente Darmkeim wurde vor knapp zwei Jahren erstmals am Uniklinikum Leipzig nachgewiesen. Seit Februar 2011 wurden pro Monat bei aufgenommenen oder an das Klinikum verlegten Patienten bis maximal drei Fälle mit KPC registriert. 2012 gab es bisher zehn neue Fälle.
Zuletzt wurden Ende Mai zwei neue Nachweise registriert. „Die in den vergangenen Tagen erfolgte nochmalige gründliche Aufarbeitung aller Daten aus den zurückliegenden zwei Jahren hat ergeben, dass in dieser Zeit inklusive der beiden neuen Fälle bei 63 Patienten ein KPC-Nachweis erfolgt ist“, so Fleig weiter. „Diese internen Untersuchungen haben weiterhin ergeben, dass 30 Patienten, bei denen KPC nachgewiesen wurde, in der Zwischenzeit verstorben sind. Aufgrund des komplexen Erkrankungsgeschehens bei diesen durchgehend schwer erkrankten Patienten sind für den Einzelfall Aussagen zu einem ursächlichen Zusammenhang medizinisch extrem schwierig,“ meinte Fleig.

Um zu den einzelnen Fällen eine unabhängige Stellungnahmen zu erhalten, habe man vier renommierte Experten aus den Bereichen der Krankenhaushygiene, Infektiologie, Chrirugie und Intensivmedizin gebeten, die Krankheitsverläufe der verstorbenen Patienten zu prüfen. Zur Klärung der Übertragungskette und zur weiteren Eindämmung arbeitet das Uniklinikum eng mit dem von den Landesbehörden beauftragten Robert-Koch-Institut zusammen. „Wir versprechen uns von einem koordinierten gemeinsamen Vorgehen weitere Unterstützung bei dem schwierigen Umgang mit diesem Keim“, sagte der Medizinische Vorstand.
Bisherige Erfahrungen mit KPC haben keine Hinweise dafür geliefert, dass das mit dem Keim besiedelte Personal als „stumme Übetragungsquelle“ in Frage kommt. Trotzdem hat das Uniklinikum Untersuchungen aller Mitarbeiter eingeleitet, die mit dem KPC-Keim in Kontakt gekommen sein könnten. Darüber hinaus werden ab sofort alle Patienten, die wegen der Schwere ihrer Grunderkrankung auf eine der Intensivstationen übernommen werden müssen oder die aus anderen Krankenhäusern über die zentrale Notaufnahme in die Uniklinik verlegt werden, sofort auf KPC untersucht. Dies erfolgt mit Hilfe eines Schnelltests, der Ergebnisse nach wenigen Stunden, anstatt wie bisher üblich, nach rund zwei Tagen liefert. Solange KPC nicht ausgeschlossen sei, so Fleig, blieben diese Patienten isoliert.

Bereits jetzt seien alle Patienten mit KPC-Nachweis und Kontaktpatienten, bei denen der Keim noch nicht ausgeschlossen sei, auf einer speziell ausgestatteten Station gesondert untergebracht. Fleig weiter: „Wir haben zu diesen drastischen Maßnahmen gegriffen, um die uns noch unbekannten Übetragungsketten zu identifizieren und zu unterbrechen. Unabhängig davon werden wir die Wirksamkeit der Hygienemaßnahmen im Uniklinikum dadurch verstärken, dass zusätzlich zur bereits jetzt gut ausgestatteten Stabsstelle Krankenhaushygiene zwei seit kurzem im Uniklinikum beschäftige Infektiologen sich federführend in die Maßnahmen zur Verhinderung von Krankenhausinfektionen einbringen.“

Schließlich sollen Ärzte und Pflegekräfte strikte Anweisungen zu einem vernünftigen und maßvollen Gebrauch von Antibiotika umsetzen, um so das Vorkommen von antibiotikrestistenten Bakterien generell einzudämmen. So werde auf Nicht-Intensivstationen ab sofort die Anwendung bestimmter hochwirksamer spezieller Antibiotika, deren unkontrollierter Gebrauch die Vermehrung resistenter Keime begünstigt, nur noch mit der Zustimmung speziell geschulter Spezialisten für Infektiologie möglich sein.


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