Die Uniklinik Leipzig war mit dem Ausbruch eines multiresistenten Erregers in die Schlagzeilen geraten. Die Klinik konnte mit Hygienemaßnahmen den Erreger verdrängen. Seit mehreren Monaten sind keine neuen Nachweise des Bakteriums mehr registriert worden. Das berichtete das Klinikum Ende Juni. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat jetzt den Bericht über den Ausbruch des Erregers vorgelegt.

Bei dem Ausbruch handelte es sich um den Erreger KPC (Klebsiella pneumoniae mit Carbapenemasebildung), einen gefährlichen Darmkeim. Insgesamt haben die UKL-Mediziner KPC seit dem ersten Nachweis im Juli 2010 bei 98 von über 140.000 stationären Patienten nachgewiesen. Der Großteil der Patienten war lediglich Träger, ohne dass daraus gesundheitliche Einschränkungen resultierten. Das untermauert ein Gutachten eines unabhängigen Infektiologen zu den Todesursachen von 39 schwerstkranken Patienten, bei denen das Bakterium nachgewiesen wurde. Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz hatte das RKI um Unterstützung bei der Eindämmung des multiresistenten Erregers gebeten.

Klebsiella pneumoniae sind Bakterien, die in jedem Darm vorkommen. Diese sind im Allgemeinen ungefährlich. Im vorliegenden Fall sind sie allerdings durch die Bildung einer Carbapenemase in der Lage, eine große Zahl von Antibiotika unwirksam zu machen. (Carbapenemasen sind bakterielle Enzyme, die neben den Carbapenem-Antibiotika auch noch fast alle anderen ß-Laktam-Antibiotika zerstören können, d. Red.).

Der Bericht beschreibt den Ausbruchszeitraum über 25 Monate und beinhaltet 72 Fälle. Es handelt sich um das bisher größte bekannte Ausbruchsgeschehen dieser Art in Deutschland. Betroffen waren vor allem Patienten mit schwerer Grunderkrankung. 49 Prozent der Patienten entwickelten eine klinisch manifeste Infektion und 47 Prozent der Patienten sind verstorben. Auch wenn der Erreger nicht bei allen Todesfällen die eigentliche Todesursache war, hatten Patienten mit der Infektion ein deutlich höheres Risiko zu sterben als Patienten ohne Infektion.

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Die Untersuchung des Robert Koch-Institut lässt außerdem darauf schließen, dass der Hauptübertragungsweg eine Person zu Person-Übertragung ist. Um Infektionsketten eindämmen und unterbrechen zu können ist eine konsequente Umsetzung intensivierter Screeningmaßnahmen (ein systematisches Testverfahren, das eingesetzt wird, um innerhalb eines definierten Prüfbereichs bestimmte Eigenschaften der Prüfobjekte zu identifizieren, d. Red.) notwendig. Eine schnelle Labordiagnostik ist dabei von entscheidender Bedeutung, nur so können Erkrankungen frühzeitig entdeckt und Isolierungsmaßnahmen eingeleitet werden. Bei Nachweis eines Patienten mit Carbapenemasebildner müssen ebenfalls alle Kontaktpersonen seit Aufnahme in die Klinik nachverfolgt und getestet werden. Da mit einer Wiederaufnahme von sowohl bekannten als auch bisher nicht identifizierten Patienten ausgegangen werden muss, müssen die intensivierten Screeningmaßnahmen beibehalten werden, um eine erneute Ausbreitung der Erreger zu verhindern.

Die Ergebnisse des Berichts deuten außerdem darauf hin, dass es sinnvoll ist, die betroffenen Patienten auch bei späteren Krankenhausaufenthalten immer zu isolieren. Die Untersuchungen haben keine Hinweise dafür geliefert, dass Personal als Überträger der Erreger in Frage kommt. Auch in diesem Ausbruch konnte der Erreger bei keinem Mitarbeiter nachgewiesen werden. Carbapenemasebildende Erreger sind in Deutschland immer noch selten. Aufgrund ihrer hohen Antibiotikaresistenz ist es besonders wichtig, die Weiterverbreitung zwischen und innerhalb von Gesundheitseinrichtungen zu verhindern. Dazu gehört sowohl die Information des Patienten über den Erregernachweis als auch bei Verlegung oder Entlassung die behandelnde Einrichtung darüber zu informieren.

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