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Noch fehlen die Leuchtmittel, um Flimmerlicht in Leipzigs Straßen künftig zu minimieren

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    Schon im Juni wandte sich ein Leipziger mit einer durchaus ungewöhnlichen Petition an den Leipziger Stadtrat. Sein Problem sind die vielen künstlichen Beleuchtungsquellen in der Stadt. „Wegen einer erhöhten Sehfrequenz kann ich die Bewegungen von elektrischem Licht mitverfolgen. So ist das stroboskopartige Flimmern vieler LED sowie das Flackern und Aufblitzen von Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen für mich deutlich wahrnehmbar.“ Aber was kann eine Stadt tun, die tausende solcher Lichtquellen betreibt?

    „Es beeinträchtigt nicht nur mein Wohlgefühl, sondern verursacht beinahe unmittelbar Übelkeit, Schwindel, Orientierungslosigkeit sowie starke Schmerzen in Augen und Kopf, denen bei einer Flimmer-Überdosis Fieber folgt“, schrieb der Petent.

    Und man fieberte schon nach dem Schreiben mit: Was wird die Stadt Leipzig jetzt machen?

    Die zwei Monate hat die Verwaltung tatsächlich genutzt, nach Lösungen zu suchen, auch wenn der Vorschlag des Petitionsausschusses nun lautet: „Der Petition kann nicht abgeholfen werden, eine Berücksichtigung des Krankheitsbildes des Petenten im Sinne ‚barrierefreier Bauvorhaben‘ der Stadt ist nicht möglich.“

    Es sei denn, die Leuchtmittelindustrie nimmt das Problem einmal auf und entwickelt künftig Lampen, die diesen Effekt nicht mehr haben.

    Auch wenn es augenscheinlich nur wenige Menschen sind, die eine solche Aufweitung des Sehspektrums haben und damit Effekte wahrnehmen, die man normalerweise im gewöhnlichen Spektrum des Auges nicht wahrnimmt.

    Aber was kann die Stadt da tun?

    „Die vom Petenten geschilderte persönliche Lage und die ihn sehr beeinträchtigenden gesundheitlichen Beschwerden durch eine, anscheinend sehr seltene, außerordentliche Hochempfindlichkeit gegenüber bestimmtem elektrischen Licht, wurden sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen“, begründet der Petitionsausschuss seine Entscheidung.

    „Für Nicht-Betroffene ist es vermutlich nur schwer nachvollziehbar, welche Beeinträchtigungen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben durch eine solche Hochempfindlichkeit gegeben sind. Nach Angaben des Petenten erstreckt sie sich auf jegliches von LED, Energiesparlampen oder klassischen Leuchtstoffröhren ausgestrahltes künstliches Licht, dessen Frequenzen er wahrnehmen kann und die das Nervensystem überfordern. Dies reicht von Fahrzeugscheinwerfern über die Raumbeleuchtung bis zu elektronischen Anzeigen und Bildschirmen. Der Petent kann, neben dem Tageslicht, nur das Licht klassischer Glühlampen und von Halogenleuchtmitteln als nicht beeinträchtigend wahrnehmen.“

    Entsprechend überrascht war man auch erst einmal im Gesundheitsamt.

    „Das Gesundheitsamt der Stadt, das durch den Petenten erstmals von einer solchen Problemlage erfahren hat, hat ihn bereits bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe, zu der im Februar in das Gesundheitsamt eingeladen wurde, unterstützt und begleitet diese weiterhin“, formuliert der Petitionsausschuss zumindest den Weg, dem Betroffenen persönlich zu helfen.

    „Darüber hinaus ist es für die Stadt allerdings schwierig, Handlungsmöglichkeiten im eigenen Verantwortungsbereich zu identifizieren. So muss, z.B. bei der Ausstattung öffentlicher Gebäude, sowohl den technischen Richtlinien und Vorschriften wie auch dem daraus resultierenden Marktangebot an Leuchtmitteln Rechnung getragen werden. Im Sinne des Petenten barrierefreie Bauvorhaben, d. h. ohne die ihn beeinträchtigenden Leuchtmittel, sind der Stadt daher derzeit nicht möglich.“

    Aber zumindest ist man durch die Petition überhaupt erst einmal auf das Problem aufmerksam geworden.

    Der Ausschuss formuliert das so: „Generell ist zu sagen, dass es sich, was mögliche und so extrem ausgeformte gesundheitliche Auswirkungen von Flimmerfrequenzen bestimmter Leuchtmittel bei besonders dispositionierten Menschen betrifft, um ein nach dem Kenntnisstand der Verwaltung noch eher unerforschtes Thema handelt, das aber eben auf der Ebene von wissenschaftlicher Forschung sowie technischer Entwicklung der Herstellung und auf der Ebene der Gesetzgebung zu behandeln ist. Die Kommune muss letztlich wie jeder Endverbraucher mit dem umgehen, was an Erkenntnissen, Vorschriften und Produkten verfügbar ist.“

    Aber vielleicht wird die Anregung ja aufgegriffen und es gibt einmal entsprechend konstruierte Leuchtmittel. Wobei man schon beim Lesen der Petition aufmerksam wurde. Denn dass viele moderne Leuchtmittel negative Auswirkungen haben, ist ganz so neu nicht. Die öffentliche Aufmerksamkeit erreicht hat ja schon die wahrscheinlich negative Auswirkung von Blau-Licht, wie es auch viele elektronische Geräte wie PC-Bildschirme und Smartphones aussenden.

    Die Petition.

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