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Dessau bekommt ein komplett neues Bauhaus-Gebäude

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    100 Jahre nach Gründung des Bauhauses und 86 Jahre nach dessen Ende wird in Dessau am 11. August mit einem kleinen Festakt ein originalgetreues Bauhaus-Gebäude an der Mittelbreite 12 eingeweiht. Wissenschaftler und Studierende der Universität Kassel haben in der zum Weltkulturerbe gehörenden Laubengang-Siedlung Dessau-Törten in den vergangenen Wochen ein Wohnhaus in Holzbauweise nach den Plänen des Architekten und Bauhaus-Lehrers Ludwig Hilberseimer errichtet.

    Gebäude dieses Typs waren in den 1930ern als Ergänzung zu den sogenannten Laubenganghäusern geplant gewesen, die mittlerweile zum Welterbe gehören. Die Weltwirtschaftskrise und die damalige politische Lage verhinderte seinerzeit den Bau. Die verspätete Realisierung verdeutlicht nun erstmals das innovative städtebauliche Gesamtkonzept der Laubengang-Siedlung und korrigiert ein einseitiges Bild des Bauhaus. Zugleich ist es ein Impuls zur heutigen Wohnungsbaudebatte.

    Die Laubenganghäuser (im Hintergrund des Fotos zu sehen) wurden 1929 bis 1930 unter Leitung von Hannes Meyer errichtet und sind Mehrfamilienhäuser, fünf Stück an der Zahl mit 90 „Volkswohnungen“, jede rund 48 Quadratmeter groß, gedacht für Arbeiter und Angestellte.

    Entworfen wurden sie in der Architekturableitung des Bauhauses, das spätestens ab 1927 in Dessau systematisch baute, was in Weimar, dem eigentlichen Gründungsort des Bauhauses, so nicht möglich war. Dabei wurden vor allem neue, serielle Bauweisen entwickelt und Prototypen für modernes und preiswertes Bauen einerseits gebaut, andererseits auch mutige Speziallösungen, wie in den „Meisterhäusern“ zu besichtigen. Meyers Motto war: „Volksbedarf statt Luxusbedarf“.

    Ludwig Hilberseimer war 1929 von Hannes Meyer ans Bauhaus nach Dessau berufen worden. Während Meyer 1930 nach Russland ging und in die Mühlen der Stalinschen Repressionen geriet, folgte Hilberseimer 1938 seinem Vorgesetzten Mies van der Rohe in die USA, ans Armour Institute of Technology in Chicago, wo er Städtebau und Regionalisierung lehrte.

    Gerade dieser Fall macht deutlich, wie sehr das Vorgehen der Nationalsozialisten ab 1932 gegen das Bauhaus in Dessau auch die deutsche Städtebau- und Wohnungspolitik auf ein falsches Gleis setzte und wesentliche Forschungen stoppte, Forschungen, die auch heute fehlen, wo sich Bauherren – wohl zu Recht – über viel zu viele teure Auflagen zum Bauen beschweren, aber fundierte Grundlagen für preiswertes und nachhaltiges Bauen rar sind. Es wird wieder Luxus gebaut, den sich Arbeiter und Angestellte auch heute wieder nicht leisten können.

    Im Rahmen der Eröffnung wird der Schlüssel für das Haus an die Vertreter des Deutschen Werkbundes Sachsen Anhalt, Prof. Dr. Joachim Krausse und Dr. Sandra Giegler, als zukünftige Betreiber des Hauses übergeben.

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