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Leserbrief zur Bebauung des Otto-Runki-Platzes: Geschrumpfte Erinnerungskultur und fragwürdige Planung

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    Der Platz an der Eisenbahnstraße ist seit 1981 dem Antifaschisten Otto Runki gewidmet, der am 4. April 1945 im KZ Dora-Mittelbau ermordet wurde. Ihm zu Ehren wurde zunächst seine ehemalige Wohnstraße, die Adelheidstraße, in Otto-Runki-Straße umbenannt.

    Als diese beim Bau des Freizeitparks Rabet aufgegeben wurde, hat man den heutigen Platz unter Einbeziehung wertvoller Altbäume gartengestalterisch hergerichtet und mit einem Gedenkstein versehen. Der Stein ist längst verschwunden und nun soll auch noch der Platz bebaut werden.

    Eine Schwimmhalle im Leipziger Osten ist sinnvoll und notwendig, die Stadtteilbibliothek ebenso, keine Frage. Aber warum ausgerechnet hier? Die quartiergroße Anlage mit gutem Baumbestand wirkt als grünes Fenster und bildet den Übergang zum Freizeitpark.

    Warum hält die Planung krampfhaft an diesem Areal als „Bauplatz“ fest, obwohl die für die Halle ursprünglich angestrebte Funktionsstapelung perdu ist und nur eingeschossig gebaut werden wird? Warum sollen die städtebaulichen Kriterien an der Eisenbahnstraße unterlaufen werden und warum wurden vor dem Wettbewerb keine städtebaulich passenden Standorte im Umfeld geprüft?

    Selbst jetzt sollte für das Projekt bei minimalem Eingriff noch ein guter Platz in der zweiten Reihe möglich sein, etwa im Bereich des früheren Ostbades. Und für die zweigeschossig geplante Bibliothek mit ihrem offenen Konzept der „Vier Räume“ ist das sanierungsbedürftige Baudenkmal an der Konradstraße mit der Wagenhalle der ehemaligen Autowerkstatt Karl Wirth ganz sicher nicht die schlechteste Option.

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