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„Beobachter und Zeitzeuge seiner Generation“

Der erste Erich-Loest-Preis der Medienstiftung geht an Guntram Vesper

Guntram Vesper ist der erste Preisträger des Erich-Loest-Preises, der von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig im Andenken an den 2013 verstorbenen Leipziger Schriftsteller Erich Loest ausgelobt wurde. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die Preisverleihung findet am 24. Februar, dem Geburtstag Loests, im Mediencampus Villa Ida der Medienstiftung statt. Die Laudatio hält Andreas Platthaus, verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Preis-Jury begründete ihre Entscheidung: „Auf seiner tausendseitigen Zeitreise verbindet Guntram Vesper den Mikrokosmos seiner Familie mit den großen historischen Ereignissen, das kleine Frohburg mit den Schauplätzen gesellschaftlicher und politischer Veränderungen. Anhand einzelner Schicksale zur Nazi-Zeit oder in der DDR entlarvt er die Verlogenheit der diktatorischen Regime – ohne bloßzustellen, ohne zu beschönigen und ohne zu verurteilen. Ein reich- und dichtgewebter menschlicher und damit hochpolitischer Stoff – ganz im Sinne Erich Loests.“

„Geboren im Dritten Reich, aufgewachsen in der DDR und in der Bundesrepublik lebend, ist Guntram Vesper Beobachter und Zeitzeuge seiner Generation“, erklärt Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig und der Medienstiftung. „Er setzt mit seinem Roman ‚Frohburg‘ seiner Geburtsstadt ein literarisches Denkmal und nimmt die Leser mit auf eine Zeitreise in die deutsch-deutsche Geschichte. Ausgehend von der Gegenwart, schildert er die Erfahrungen und Erlebnisse des 20. Jahrhunderts. Ein Buch wider das Vergessen. Ein ungemein lebendiges Plädoyer für eine Erinnerungskultur. Guntram Vesper ist ein würdiger Preisträger für den ersten Erich-Loest-Preis der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig“, so Dr. Langenfeld weiter.

„Über 1000 Seiten für ein ganzes Leben! Guntram Vesper schenkt uns mit seinem autobiografischen Roman Frohburg eine in Sachsen beheimatete Sittengeschichte der letzten 70 Jahre. Sein Werk ist ein gewaltiges Mosaik aus Erinnerungen und Reflexionen, aus Ereignissen und Umständen“, sagt Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Vorsitzender des Stiftungsrates der Medienstiftung. „Er beweist uns, dass das Lesen und das Leben ineinander aufgehen können. Guntram Vesper, der leidenschaftliche Verteidiger der Buchkultur, ist ein erster Träger des Erich-Loest-Preises, wie er würdiger nicht sein könnte. Denn genau darin bestand auch die Passion von Erich Loest: im Schreiben das Leben zu bewältigen. Aus ganzem Herzen beglückwünsche ich Guntram Vesper zu dieser Preisvergabe“, so Jung.

„Erich Loest, der bedeutende Autor deutsch-deutscher Geschichte, war den Stiftungen der Sparkasse zeitlebens eng verbunden. Als Gründungsmitglied gab er der Medienstiftung wichtige inhaltliche Impulse. Mal heiter-spöttisch, mal knorrig-grimmig, immer aber wohlwollend, verfolgte er das Geschehen auf dem Mediencampus Villa Ida. Hier feierte er mehrfach Geburtstag, hierher verbrachte er seinen literarischen Nachlass – was lag näher, als dass die Stiftung mit einem Preis an ihren großen Freund und Förderer erinnert“, erklärt Stephan Seeger, Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig.

Guntram Vesper wurde 1941 in Frohburg geboren und lebt seit 1957 im Westen Deutschlands. 1967 las er auf der letzten Tagung der Gruppe 47. Sein Werk ist durch frühe Gedichtbände und in der Folgezeit vor allem durch eine Vielzahl von Romanen gekennzeichnet, hinzukommen Essays und Hörspiele. Für seine Arbeit wurde Guntram Vesper mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Peter-Huchel-Preis 1985 und der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung 2006. Für seinen Roman „Frohburg“, der sich intensiv mit seiner sächsischen Geburtsstadt in Zeiten der Diktaturen beschäftigt, erhielt er 2016 den „Preis der Leipziger Buchmesse“.

Der Jury 2016/17 gehörten neben der Schriftstellerin und Journalistin Linde Rotta, langjährige Lebensgefährtin von Erich Loest, elf namhafte Literaturkritiker, Autoren, Literaturwissenschaftler und Journalisten an. Zunächst konnte jedes Mitglied der Jury einen Kandidaten für den Erich-Loest-Preis nominieren, aus diesen Vorschlägen wurde dann der Preisträger ermittelt.

Zum Preis: Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig im Andenken an den Schriftsteller Erich Loest vergeben. Erich Loest war den Stiftungen der Sparkasse zeitlebens eng verbunden – als Gründungsmitglied der Medienstiftung und als Mäzen der Kultur- und Umweltstiftung, der er seinen literarischen Nachlass übereignete. Der Preis würdigt Autoren, die die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Deutschland nicht nur beschreiben, sondern mit ihrer Stimme den demokratischen Diskurs mitgestalten. Zudem sollen die Preisträger dem mitteldeutschen Raum verbunden sein. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

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Foto: Freundeskreis des GRASSI Museums für Angewandte Kunst Leipzig e.V. / Nick Putzmann

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Filmstill aus Georg Pelzers Film "FLUTEN". Foto: FLUTEN

Foto: FLUTEN

Für alle LeserAm 29. Oktober ist Kinopremiere für den ungewöhnlichen Film eines jungen Leipziger Regisseurs in der Kinobar Prager Frühling: „FLUTEN“ heißt er und ist improvisiertes Drama. Eines, das von einem Drama erzählt, das viele junge Menschen in diesem Corona-Jahr ebenfalls erlebt haben: Der gerade erst so glücklich erworbene Arbeitsplatz wird gekündigt. Es fühlt sich wie eine Niederlage an. Alle schlechten Selbstwertgefühle kommen auf einmal hoch. Und wie sagt man das den Menschen, deren Achtung man nicht verlieren will?
In dieser Woche beginnen die Bauarbeiten zur Öffnung des Deichs am Ratsholz
Stopp: Baustelle am Ratsholzdeich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

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