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„Die Ambivalenz des Chronisten“

Guntram Vesper mit dem ersten Erich-Loest-Preis ausgezeichnet

Mit dem Erich-Loest-Preis der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig wurde heute der Autor Guntram Vesper ausgezeichnet. Die Verleihung des erstmals vergebenen, mit 10.000 Euro dotierten Preises fand im Rahmen einer Festveranstaltung am Geburtstag des Namensgebers im Mediencampus „Villa Ida“ statt.

„Die deutsche Teilung hat zwei ihrer größten Romanciers in Erich Loest und Guntram Vesper. Denn deren Bücher sind geprägt vom Leiden an dieser Teilung und dem Glück ihrer Überwindung“, würdigte Andreas Platthaus, verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der die Laudatio auf Guntram Vesper hielt. Das Werk des Preisträgers ähnele dem Werk des Namensgebers: „Die Zutageförderung dessen, was nach dem Wunsch vieler lieber im Untergrund hätte bleiben sollen, sehen beide Schriftsteller als ihre vornehmste Aufgabe.“ Vor allem Vespers 2016 erschienenen Roman „Frohburg“ beherrsche „die Ambivalenz des Chronisten der Heimat… ohne dass je Zweifel an der Treue zur Stadt bei Autor und Lesern entstehen könnte.“

Insbesondere der Roman „Frohburg“ hatte zur Entscheidung der Preis-Jury für Guntram Vesper beigetragen. In der Jurybegründung, verlesen vom Juryvorsitzenden Hartwig Hochstein, heißt es: „Auf seiner tausendseitigen Zeitreise verbindet Guntram Vesper den Mikrokosmos seiner Familie mit den großen historischen Ereignissen, das kleine Frohburg mit den Schauplätzen gesellschaftlicher und politischer Veränderungen. An Hand einzelner Schicksale zur Nazi-Zeit oder in der DDR entlarvt er die Verlogenheit der diktatorischen Regime – ohne bloßzustellen, ohne zu beschönigen und ohne zu verurteilen. Ein reich- und dichtgewebter menschlicher und damit hochpolitischer Stoff – ganz im Sinne Erich Loests.“

„Guntram Vesper ist ein würdiger Preisträger für den ersten Erich-Loest-Preis der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig”, erklärte Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig und der Medienstiftung. „Frohburg“ sei ein „Buch wider das Vergessen. Ein ungemein lebendiges Plädoyer für eine Erinnerungskultur.“

„Danke, lieber Erich Loest – nach neunundzwanzig Jahren. Und danke auch an Frau Rotta und die Jury!“, bedankte sich Preisträger Guntram Vesper, der im Rahmen der Preisverleihung auch eine Lesung aus seinem Roman hielt. „Ich fühle mich und meine jahrelange Arbeit angenommen“, so Vesper weiter.

Der 2013 verstorbene Erich Loest war den Stiftungen der Sparkasse Leipzig seit den 1990er Jahren eng verbunden – sowohl als Gründungsmitglied der Medienstiftung und als Förderer und Mäzen, der seinen literarischen Nachlass den Stiftungen der Sparkasse vermachte. „Erich Loest hätte heute seinen 91. Geburtstag gefeiert“, erinnert Stephan Seeger, Direktor Stiftungen der Sparkasse Leipzig: „Aus traditionellen Gründen ist die Stiftung bestrebt, auch in den kommenden Jahren die Preisverleihung am 24. Februar durchzuführen. Loest war ein begeisterter ‚Geburtstagsfeierer‘. Über Jahrzehnte hat er seine engsten Freunde in stilvollem Rahmen – und immer im Smoking – eingeladen. Unvergessen bleibt dabei die Feier zu seinem 85. Geburtstag 2011 im Mediencampus, bei der u. a. Fritz Pleitgen und die Leipziger Fussballlegende Dr. Bernd Bauschpieß dem ‚Geburtstagskind‘ gratulierten“, so Seeger weiter.

Zum Preisträger:
Guntram Vesper wurde 1941 in Frohburg geboren und lebt seit 1957 im Westen Deutschlands. Sein Werk ist durch frühe Gedichtbände und in der Folgezeit vor allem durch eine Vielzahl von Romanen gekennzeichnet, hinzu kommen Essays und Hörspiele. Für seine Arbeit wurde Guntram Vesper mehrfach ausgezeichnet. Für seinen Roman „Frohburg“ erhielt er 2016 den „Preis der Leipziger Buchmesse“.

Zum Preis:
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig im Andenken an den Schriftsteller Erich Loest vergeben. Der Preis würdigt Autoren, die die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Deutschland nicht nur beschreiben, sondern mit ihrer Stimme den demokratischen Diskurs mitgestalten. Zudem sollen die Preisträger dem mitteldeutschen Raum verbunden sein. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

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