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„Fremde spielen“: Neues Forschungsprojekt zum Amateurtheater am Centre of Competence for Theatre gestartet

Das 2016 gegründete Centre of Competence for Theatre (CCT) der Universität Leipzig hat jetzt mit dem ersten großen Forschungsprojekt begonnen. Es trägt den Titel „Fremde spielen. Amateurtheater als Medium informeller und non-formaler transkultureller Bildung“. Wissenschaftler und Theaterpraktiker befassen sich darin mit der Frage, wie Amateurtheater in Zeiten von Globalisierung, konstanter Migration und Aktionen gegen Fremde zur transkulturellen Bildung der Gesellschaft beitragen kann. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Initiiert und beantragt wurde es von Prof. Dr. Günther Heeg, Direktor des CCT und Leiter des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig. Das Projekt findet in enger Kooperation mit dem Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) statt, der im Jahr 2017 sein 125-jähriges Bestehen feiert und über seine 18 Mitgliedsverbände mehr als 2.400 Theatergruppen vertritt.

 

„Wir sind alle überrascht von dem Ausmaß an Fremdenhass und Fremdenangst, das in unserer modernen, aufgeklärten Gesellschaft jüngst wieder aufgetreten ist, obwohl man eigentlich gedacht hat, das sei überwunden. Vor diesem Hintergrund ist gerade Theater, also nicht nur Profi-Theater, sondern das eigene Theaterspiel, ein ganz wesentliches Medium, um solche Ängste vor dem Fremden zu nehmen“, sagt Heeg.

Dazu entwickelt der Theaterwissenschaftler gemeinsam mit den Projektmitarbeitern ein Konzept zur transkulturellen Bildung, das Geschichte und Gegenwart systematisch verbindet. „Die Geschichte ermöglicht den Blick auf fremde Zeiten und Räume. Transkulturelle Bildung durch Amateurtheater bringt durch die Wiederholung von Geschichte die historisch tradierten Orientierungsmuster und kulturellen Praktiken ins Spiel und öffnet im ‚Fremde Spielen‘ das Eigene auf das Fremde hin“, erklärt Heeg.

„Die Vorstellung, Amateurtheater sei etwas Provinzielles oder Minderwertiges, bei dem sich Laien in ihrem Alltag vergnügen, stimmt so verallgemeinert einfach nicht. Oftmals werden Amateurtheater von Theaterpädagogen, professionellen Regisseuren oder Spieltherapeuten geleitet, die hoch reflektiert sind in dem was sie machen und sehr klare Vorstellungen davon haben, was in der Amateurtheaterarbeit auch an gesellschaftspolitischen Aufgaben erreicht werden kann“, ergänzt Dr. Micha Braun, Mitarbeiter am Institut und Wissenschaftlicher Geschäftsführer des CCT.

Die Arbeit des CCT in Lehre, Forschung und Vermittlung konzentriert sich derzeit auf zwei Schwerpunkte. Zum einen auf das Theater als kulturelle Praxis, die über die professionelle Theaterarbeit und ihre Institutionen hinausgeht. Das umfasst Theaterarbeit von und mit nichtprofessionellen Akteuren oder Amateuren, mit Geflüchteten, marginalisierten Gruppen oder Minderheiten. Der zweite Schwerpunkt liegt auf dem Theater als Medium transkultureller Bildung und Begegnung von unterschiedlichen kulturellen Entwürfen und Praktiken.

„Das CCT hat sich in der Theaterpraxis wie der aktuellen Forschungslandschaft bereits sehr gut etabliert, sodass wir unsere nationalen und internationalen Kooperationen mit anderen Theaterhäusern, kulturellen Einrichtungen und Städten weiter ausbauen konnten“, erläutert Heeg in einer ersten Bilanz. In den kommenden Monaten werden am CCT weitere Projekte vor allem mit Bezug zur Wissenschaftsvermittlung aufgenommen, darunter eine Sommerakademie, die Begleitung zweier Theaterfestivals sowie die Veranstaltungsreihe „Rother Salon“, die die Vermittlungspraxis in den Vordergrund stellt. In der Forschung wird es zudem perspektivisch Projekte zur Theaterkultur in der DDR geben, sowie, im Austausch mit der Keio Universität in Tokio, zu transkulturellem Gegenwartstheater aus Japan und Deutschland.

Das Centre of Competence for Theatre ist eine wissenschaftliche Einrichtung an der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig, welche die regionale, nationale und internationale Kooperation der Universität Leipzig auf dem Gebiet des Theaters und der kulturellen Bildung verstärkt. Es verbindet als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft Expertenkenntnisse auf allen Gebieten der Theater- und Kunstproduktion miteinander und macht diese öffentlich sichtbar.

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Der Tagebau in Deutzen. Foto: Matthias Weidemann

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Foto: Landratsamt Nordsachsen

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