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Unter einer Decke: Eltern und Frühgeborene können am UKL nun noch viel entspannter „känguruhen“

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    Zu viel kuscheln gibt es bekanntlich nicht: Engen Hautkontakt zu Mutter und Vater braucht jedes neugeborene Kind – für Frühchen ist dies allerdings geradezu lebenswichtig. Bei der auch an der Neonatologie des Leipziger Universitätsklinikums (UKL) angewendeten „Känguru-Methode“ wird das nur mit einer Windel bekleidete Neugeborene auf die nackte Brust von Mama oder Papa gelegt.

    Um diese Momente noch intensiver und sicherer zu gestalten, ist am Haptik-Forschungslabor der Uni Leipzig (HFL) eine neuartige Frühchen-Decke entwickelt worden – basierend auf einer Idee und Skizzen von Schwester Gabriele Koch, Bereichsleiterin Pflege der UKL-Neonatologie. Nun können Eltern und Baby noch entspannter „känguruhen“.

    Die Geburt eines Frühchens bedeutet für die Eltern in jeder Beziehung eine extreme Ausnahmesituation, das permanente Pendeln zwischen Krankenhaus und dem Zuhause oder die ständigen Wechselbäder an Gefühlen zwischen Hoffnung und Ängsten belasten. Manche Eltern scheuen sich, ihr Kind zu berühren, in der – falschen – Annahme, dem zerbrechlich wirkenden Früh- oder Neugeborenen weh zu tun. Dabei lässt häufiges „Känguruhen“ die Kinder nachweislich erholsamer schlafen, stabiler atmen und ihren Stresspegel sinken.

    Um diese intimen „Kuschel-Zeiten“ für beide Seiten noch entspannter zu gestalten, entwickelte Schwester Gabriele (Foto) die Idee einer Decke, die um den Körper von Eltern und Kindern gewickelt wird und sicher und einfach fixiert werden kann.
    „Ich wollte etwas schaffen, was für Mutter und Vater gleich gut nutzbar und für alle Körpergrößen passt und leicht zu handhaben ist“, berichtet sie. „Die bisherige Lösung mit Handtüchern hat gerade Väter sehr oft verunsichert.“

    Auf der Grundlage ihrer Skizzen entwickelte das Team des Haptik-Forschungszentrums Leipzig (HFZ) unter Leitung von Prof. Martin Grunwald innerhalb von nur vier Monaten einen Prototyp, der dann am UKL getestet wurde. In der Entwicklungsphase ermittelten die Leipziger Haptik-Experten zusammen mit Koch als erfahrener Krankenschwester die notwendige Deckengröße, analysierten Stoffproben nach mehreren 100-Grad-Waschvorgängen, testeten mehrere Nähbetriebe und legten schließlich endgültig das Material und die Größen fest.

    Die Anforderungen an den Stoff waren hoch: keine Schadstoffe im Material und den Farben, waschbar bei hohen Temperaturen, dehnbare und weiche Oberfläche, elternfreundliche Farben und Muster. Am Ende dieses Prozesses entstand die Leipziger Frühchen-Decke aus Öko-Baumwoll-Jersey, zwei Meter lang und 37 Zentimeter breit.

    100 Decken stehen nun zur Verfügung, genäht in einer Leipziger Näherei. Auch gewaschen werden sie in einer lokalen Wäscherei. Der Stoff ist niederländischer Herkunft. 280 Euro kostet eine Decke in der Herstellung. Finanzielle Unterstützung für das Projekt Frühchen-Decke erfolgte durch das Haptik-Forschungszentrum Leipzig und durch die Firma Beiersdorf über ihre Marke „Nivea“.

    Auch Zwillinge passen darunter

    Eingehüllt in eine weiche Decke können nun Kinder und Eltern in der Neonatologie am UKL warm und sicher die so wichtigen ersten Momente engen Beisammenseins genießen. „Wir bieten allen Müttern und Vätern das Tuch an und wünschen uns, dass die Eltern es bevorzugt nutzen, um eine stärkere und sichere Bindung zum Kind aufzubauen“, erklärt Schwester Gabriele. Eine Gebrauchsanleitung als kleine Broschüre ist ebenfalls vorhanden und zeigt auf, wie die Decke angelegt wird, erklärt aber auch, dass sie beispielsweise nicht als Tragetuch missverstanden werden darf.

    Doch wer die Spezial-Decke sachgemäß anlegt, kann sich nun noch besser auf die Kuschel-Zeit zwischen Eltern und ihrem Frühgeborenen einlassen. „Das Kind kann individuell mit den Händen unter oder über der Decke gehalten werden. Mama oder Papa dürfen zudem bedenkenlos einschlafen, die Decke bietet ausreichend Sicherheit, obwohl bei uns natürlich Eltern und Kind auch bisher nie unbeobachtet waren und sind“, betont die Bereichsleiterin Pflege an der Neonatologie des UKL, „eine zentrale Überwachung zeigt uns ständig die Vitalparameter an.“

    Selbst Zwillinge könnten gleichzeitig „unter die Decke“. Und auf noch einen Vorteil für die Mütter weist Schwester Gabriele gern hin: „Müttern ist es nun möglich, am Inkubator oder am Bett des Kindes ihre Muttermilch abzupumpen und gleichzeitig durch Kontakt mit dem Kind Sicherheit und Geborgenheit herzustellen. Die Beschaffenheit der Decke ermöglicht dies.“

    Prof. Martin Grunwald ist mit dem Ergebnis des Projekts Frühchen-Decke sehr zufrieden: „Auf der Neonatologie des UKL wird alles getan, um den Kontakt zwischen Eltern und Kind so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir freuen uns, dass wir dazu einen Beitrag leisten konnten“, sagt er. Sofern weitere Finanzmittel zur Verfügung stünden, könnte sich der Leipziger Haptik-Experte vorstellen, den Einsatz der Frühchen-Decke auch evaluativ-wissenschaftlich zu begleiten.

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