Die Stadt Leipzig verleiht zum zweiten Mal den Leipziger Robert-Blum-Preis für Demokratie. Im Rahmen einer Festveranstaltung für geladene Gäste im Alten Rathaus wird am 3. März 2026 die erste Europäische Generalstaatsanwältin Laura Codruța Kövesi ausgezeichnet. Die Laudatio hält der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Frans Timmermans.

Weiterhin wird die Bundesministerin der Justiz, Dr. Stefanie Hubig, erwartet. Der Preis knüpft an das demokratische Erbe des Leipziger Vordenkers der Märzrevolution 1848/49, Robert Blum (1807-1848), an. Die Schirmherrschaft für den Leipziger Robert-Blum-Preis für Demokratie hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier inne. 

Das Preiskuratorium begründet die Entscheidung: „Mit dem Robert-Blum-Preis für Demokratie 2026 an die Europäische Generalstaatsanwältin Laura Codruța Kövesi wird eine engagierte Europäerin gewürdigt, die sich mit Mut, Integrität und Hartnäckigkeit für Gerechtigkeit einsetzt. Ihr Eintreten für die Unabhängigkeit der Justiz und ihre Durch-setzungskraft beim Aufbau europäischer Rechtsstaatlichkeitsinstitutionen sowie der Bekämpfung groß angelegter, grenzüberschreitender Finanzkriminalität sind wegweisend.

Laura Codruța Kövesi hat es in außergewöhnlicher Weise verstanden, dass Demokratie und Freiheit vor Gericht verteidigt werden müssen. Ihr einzigartiger Beitrag besteht darin, die Rechtsstaatlichkeit zu einem greifbaren Bürgerrecht für die Bürgerinnen und Bürger Europas zu machen und die demokratische Kontrolle für diese zu stärken.“

Der Vorsitzende des Preiskuratoriums, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, betont: „Unsere diesjährige Preisträgerin beweist in eindrucksvoller Weise, was mit Mut und Überzeugung erreichbar ist. Mit ihrem unbeugsamen Eintreten für ihre Ideale hat sie allen Anfeindungen zum Trotz der Demokratie in ihrem Heimatland und in unserer europäischen Gemeinschaft unschätzbare Dienste erwiesen.

Ich freue mich sehr, ihr für dieses außergewöhnliche Engagement den Robert-Blum-Preis 2026 überreichen zu dürfen. Für die Stadt Leipzig mit ihrer auf Recht, Demokratie und Freiheit ausgerichteten Tradition und in Bezug auf die Ideale Robert Blums ist Laura Codruța Kövesi besonders preiswürdig. Ich gratuliere ihr von ganzem Herzen.“ 

Im Alter von 33 Jahren wurde Laura Codruța Kövesi die jüngste und erste weibliche Generalstaatsanwältin Rumäniens. Als Leiterin der Nationalen Antikorruptionsbehörde (DNA) brachte sie Tausende Funktionäre, Beamte und Politiker vor Gericht und machte sich damit auch Feinde. 2018 wurde sie in einem umstrittenen Verfahren entlassen; der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stufte dies später als Verletzung ihrer Rechte ein. Heute ist Kövesi die erste Europäische Generalstaatsanwältin. An der Spitze der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) bekämpft sie erfolgreich grenzüberschreitenden Mehrwertsteuerbetrug und den Missbrauch von EU-Geldern. 

Die EU-Generalstaatsanwältin Laura Codruța Kövesi sagt: „Den Leipziger Robert-Blum-Preis für Demokratie entgegenzunehmen, ist für mich eine große Ehre. Ich akzeptiere ihn im Bewusstsein der Verantwortung, die er mit sich bringt, und eingedenk einer einfachen Wahrheit: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Heute steht sie unter direktem Beschuss – auch mitten in der Europäischen Union.

Wir müssen uns fragen: Was setzen wir dem entgegen? Wir alle tragen Verantwortung, kollektiv wie individuell. Demokratie wird geschwächt, wenn Gerechtigkeit als Kniefall vor der Macht missverstanden wird, statt als Dienst am Bürger. Rechtsstaatlichkeit ist für mich der stärkste Garant für Sicherheit und Vertrauen. Sie macht Gerechtigkeit spürbar und die Gleichheit vor dem Gesetz zur Realität.

Am besten wird sie geschützt durch die konsequente Anwendung des Rechts und unerschütterliche Integrität. Robert Blum steht für Mut und Verantwortung. Ganz in seinem Geiste wird das Preisgeld an die Ukraine gespendet – als Zeichen der Solidarität mit all jenen, die unsere europäischen Werte heute an vorderster Front verteidigen.“

Die Entscheidung zur Preisvergabe wurde von einem Preiskuratorium bestehend aus dem Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, dem Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen und Vertretern des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Stadt Frankfurt am Main, der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft sowie des Leipziger Stadtrates getroffen.

Außerdem gehören dem Gremium Professorin Sabine Freifrau von Schorlemer, Lehrstuhlinhaberin für Völkerrecht, Recht der EU und Internationale Beziehungen an der TU Dresden sowie Professor Sir Christopher Clark, Regius Professor of History, St Catharine’s College, Cambridge, an. 

Leipziger Robert-Blum-Preis für Demokratie 

Die Stadt Leipzig verleiht den mit 25.000 Euro dotierten Leipziger Robert-Blum-Preis seit 2024 alle zwei Jahre. Mit dem Preis wird der Einsatz für Demokratie, Meinungs-freiheit, Aufklärung, gewaltfreien Wandel sowie innerdeutsche, europäische und/ oder weltweite Verständigung im Geiste Robert Blums ausgezeichnet. 

Die Preisverleihung findet am 3. März 2026 statt, einem historischen Schlüsseldatum.  Am 3. März 1848 hatte Robert Blum im Zuge der Märzrevolution eine wegweisende Rede vom Balkon des Alten Rathauses an die Leipziger Bürgerinnen und Bürger gerichtet. Außerdem eröffnet am 3. März 2026 um 19 Uhr in der Oper Leipzig die Ausstellung „Zwischen Bühne und Barrikade. Lortzings Oper »Regina« und der demokratische Aufbruch in Leipzig“. Sie beleuchtet Blums politisches Engagement während der Revolution von 1848, ebenso wie die Beziehung zum Weggefährten Albert Lortzing.

Ausführliche Informationen zum Leipziger Robert-Blum-Preis für Demokratie sind unter http://www.leipzig.de/blum-preis zu finden.

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar