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Wachberg im Westen von Leipzig: Rückmarsdorfer sanieren ihren Wasserturm

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    Der Wasserturm ist eines der Wahrzeichen von Rückmarsdorf. Das Bauwerk erhebt sich 23 Meter auf dem 133 Meter hohen Wachberg. Das weit sichtbare Bauwerk wollen rührige Bürger in diesem und dem nächsten Jahr für die Öffentlichkeit sanieren. "Es kann nicht sein, dass der Turm der Allgemeinheit entzogen wird", sagt Ortsvorsteher Peter Freydank (FDP).

    Heimatstolz kennt mitunter keine Grenzen. „Mit der Eingemeindung von Rückmarsdorf ist Leipzig nicht nur größer, sondern auch höher geworden“, heißt es selbstbewusst beim Heimatverein Rückmarsdorf, „seit dem 1. Januar 2000 wird der höchste Punkt der Stadt mit 156,8 m gemessen – an der Spitze des Wasserturms von Rückmarsdorf.“

    Nun hat jeder seine Statistik. Halten wir uns also an die klassischen topographischen Daten. Im Südosten der Messestadt geht es ganz besonders hoch hinaus. Jedenfalls für die Leipziger Tieflandsbucht. Der Galgenberg in Liebertwolkwitz bringt es auf 163 Meter über Normal Null. Der legendäre Monarchenhügel ebendort, bekannt geworden als royaler Aussichtspunkt beim großen Völkerschlachten 1813, immerhin 159 Meter.

    Der moderne Mensch, der sich gern über die Natur erhebt, konnte es dabei nicht belassen. Die Deponien in Liebertwolkwitz und Seehausen überragen alle natürlichen Erhebungen der Stadt.

    Gleichwohl ist der Wachberg in Rückmarsdorf mit 133,6 Metern über Normal Null der höchste natürliche Punkt im Westen der Messestadt. Die Saale-Eiszeit hinterließ ihn uns als Teil des Dehlitz-Rückmarsdorfer Endmoränenzuges. Das ist nun über 130.000 Jahre her.Die Rückmarsdorfer setzten notgedrungen immer wieder auf die Vorzüge der markanten Erhebung. Von dort oben konnten heranrückende Landsknechte, Söldner und Soldaten frühzeitig erkannt werden. Gerade während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) waren die berühmten Handelsstraßen der Region eher Heerstraßen. Und je länger dieser europäische Krieg dauerte, desto mehr verheerten und verwüsteten die umherstreifenden Heere insbesondere die deutschen Lande. Da war so eine Wache auf einem Wachberg ein Muss, damit man sich und sein Hab und Gut, so gut es ging, in Sicherheit bringen konnte.

    Die nahe Straße zwischen Leipzig und Merseburg zog auch späterhin Soldaten an. Am 2. Mai 1813 lieferte sich hier ein preußisches Korps von General Friedrich von Kleist auf dem Rückzug von Wittenberg und Halle (Saale) ein Gefecht mit französischen Einheiten. Daran erinnert ein Gedenkstein auf dem Wachberg. Der sieht zwar aus wie ein Apelstein, ist aber eigentlich keiner.

    Denn die originalen Apelsteine wurden rund um das Völkerschlachtjubiläum 1863 aufgestellt. Der Rückmarsdorfer Stein ist 25 Jahre jünger. In der späten DDR wurde kräftig das preußische Erbe rezipiert, und da passte so ein Stein 1988 gut ins Gesamtkonzept.
    Praktische Nutzungen gab es auf dem Berg auch. Natürlich: die Windkraft: Von 1836 bis 1930 stand dort oben eine Windmühle. Bei der „Triangulation“ 1865, der großen Vermessung des in Folge der Völkerschlacht arg geschrumpften Sachsenlandes, setzte man dort oben einen topographischen Punkt. „Der am weitesten westlich liegende Punkt in Sachsen“, wie Heimatvereinsvorsitzender Matthias Götz erzählt. Denn Schkeuditz war zu dieser Zeit preußisch.

    Der heute unter Denkmalschutz stehende Wasserturm ging 1914 in Betrieb und blieb es bis 1984. Er ist 23 Meter hoch und damit „ein kleiner Bruder des Böhlitzer Turms“, wenngleich höher gelegen, wie Götz betont.

    Die Speicherung von Wasser in diesen Höhen diente damals dem Druckausgleich innerhalb des Leitungssystems, um die Versorgung höher gelegener Wasserabnehmer zu ermöglichen. Diese Funktion übernehmen heute Pumpanlagen.

    Nachdem verschiedene Anläufe privaten Investments gescheitert sind, saniert der Heimatverein seit Februar diesen Jahres den Turm mit Unterstützung vieler Helfer in Eigenregie. Für die Rückmarsdorfer war immer klar: „Es kann nicht sein, dass der Turm der Allgemeinheit entzogen wird“, wie Ortsvorsteher Peter Freydank (FDP) sagt.Im Herbst 2013, pünktlich zum großen Doppeljubiläum von Völkerschlacht und Völkerschlachtdenkmal, soll alles fertig sein. Dann soll der Turm als touristischer Anziehungs- und Aussichtspunkt dienen und Raum für Begegnungen, Veranstaltungen und Kultur bieten.

    Die herrliche Aussicht vom Turm kann man bereits heute nach Vereinbarung genießen. Beim Aufstieg weiß Roger Stolze von den Baufortschritten zu berichten, die seit dem 18. Februar 2012 erreicht wurden. Neue Fenster sind eingesetzt, Zwischenebenen mit frischen Dielen eingezogen. Als Nächstes wollen die Heimatfreunde Treppe und Treppengeländer entrosten. Bis zum Herbst 2013 bleibt noch manches zu tun.

    Spendenkonto:

    Heimatverein Rückmarsdorf
    Kontonummer: 307 819 899
    BLZ: 860 956 04 Volksbank Leipzig
    Zahlungsgrund: Spende Wasserturm

    www.heimatverein-rückmarsdorf.de

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