Der Bund für Umwelt und Naturschutz, Regionalgruppe Leipzig (BUND) sieht bei der Verkehrsproblematik rund ums Sportforum Leipzig nicht nur die Stadt in der Verantwortung, sondern auch die Zentralstadion Leipzig Betreibergesellschaft mbH (ZSL). Streitpunkt ist dabei unter anderem der im Rahmen des Bebauungsplanes Cottaweg West, Trainingszentrum RB Leipzig, hinter dem Straßenbahnhof geplante Parkplatz.

Die Verkehrssituation rund um das Sportforum ist unbefriedigend. Trotz einer in den letzten Jahren steigenden Zahl von Singulärereignissen, wie Konzerten, Fußballspielen, sonstigen Veranstaltungen, ist es der Stadt bislang nicht gelungen, ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept zu etablieren. Die vorgestellten Lösungsansätze werden die Problematik von zu wenigen Stellplätzen und temporären Staus, sowie Unfällen und Nutzungskonflikten im Umfeld nicht lösen können, stellt der BUND fest. Das von der Stadt vorgelegte Verkehrskonzept sei dabei mangelhaft und könne die Probleme eines zunehmenden Individualverkehrs nicht lösen.

Zumindest nicht allein. Denn tatsächlich bremst jemand anderes alle stadtverträglichen Lösungsansätze. Im Ergebnis seiner Prüfung des Verkehrskonzeptes kommt der BUND zu dem Ergebnis, dass auch die ZSL hier einer Lösung im Wege steht. Während die Stadt zumindest im Ansatz das Problem verstanden habe und den Singulärverkehr bei Großveranstaltungen, zumindest durch ein integriertes “Park and Ride”-System zum Stadion führen möchte, beharre die ZSL auf den vertraglich zugesicherten 2.200 Pkw-Stellplätzen im Umfeld des Stadions.Diese Stellplätze, die aufgrund der Bausituation nur unter größten Schwierigkeiten geschaffen werden, etwa durch Eingriffe in den Auwald, würden weiteren Pkw-Verkehr induzieren und seien damit Teil des Problems.

“Das starre Festhalten der ZSL an den 2.200 Stellplätzen führt zu einer zunehmenden Verschärfung der Situation und verhindert ein umfassendes, umweltverträgliches Verkehrskonzept, zum Wohle der Umwelt und der Leipziger”, erklärt Jürgen Kasek, BUND-Vorsitzender in Leipzig.Das Problem sei bereits dadurch entstanden, dass beim Abschluss des Vertrages an ein integriertes Verkehrskonzept mit der Zielsetzung, den Pkw-Verkehr zu reduzieren, nicht gedacht wurde. Kasek: “Ein Versäumnis und ein Fehler, den vor allen Dingen die Stadt und der Stadtrat beim Abschluss des Vertrages gemacht haben. Ein Vertrag in dieser Form mit der starren Zusicherung von 2.200 Stellplätzen im Bereich Cottaweg vorzuhalten, hätte nicht abgeschlossen werden dürfen, da er jede Entwicklung verhindert. Alternativ hätte die Stadt im Umkehrschluss das Trainingszentrum von RB dort nicht genehmigen dürfen.”

Dazu käme, dass die Betreibergesellschaft nach wie vor von einer Vorstellung der Mobilität ausgehe, die seit 50 Jahren nicht mehr zeitgemäß sei und den Schwerpunkt immer noch auf den Autoverkehr lege.

“Auch die Stadt arbeitet hier zu zögerlich”, kritisiert Kasek. “Es ist den Leipzigern aufgrund des Emissionseintrages durch Schadstoffe und Lärm nicht zuzumuten, dass ein Großteil der Besucher von Leipzig trotz eines gut ausgebauten ÖPNV-Systems zu den Veranstaltungen mit dem PKW kommt und diesen direkt in der Innenstadt parkt. Allein der Zufahrts- und Abgangsverkehr führt, etwa bei Großveranstaltungen in der Arena, immer wieder zu temporären Staus auf der Merseburger Straße.”

Für ihn ist es nicht verständlich, warum beide Seiten so wenig Verhandlungsbereitschaft an den Tag legen. “Insbesondere fordern wir die ZSL auf, sich von ihrer Position zu entfernen und den Weg für ein umfassendes Verkehrskonzept freizumachen”, fordert der BUND-Vorsitzende. “Der ZSL droht hier ein Imageschaden und Leipzig ein auch weiterhin befriedigend nicht zu lösendes Problem.”

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