Mit Entsetzen habe der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) die Nachricht aufgenommen, dass eine unverminderte Fortsetzung der Holzungen in den Auen von Weißer Elster, Luppe, Nahle, Pleiße und Parthe stattfinden soll, erklärt Andreas Liste, Vorsitzender des AHA, nachdem die Stadt Leipzig zum Wochenende genau diese Fällarbeiten für die Wintermonate angekündigt hat.

“Dies geschieht trotz massiver Mahnungen genau das nicht mehr zu tun, da die bisherigen Abholzungen – zum Beispiel in der Burgaue und im Connewitzer Holz – zu einer nachhaltigen Zerstörungen der gewachsenen Auenwaldstrukturen geführt hat”, sagt Liste. “Diese Holzungen haben zudem zu einer massiven Beförderung von Gehölzarten – wie zum Beispiel des Spitzahorns – geführt, welche man eigentlich zurückdrängen wollte. Zudem zeigen die bisherigen Pflanzungen von Stieleichen die Schaffung von eingezäunten forstwirtschaftlichen Monokulturen, wie es beispielsweise bereits in dem NSG Burgaue geschehen ist.”

Es sei in dem Zusammenhang ungeheuerlich, dass trotz der klar und deutlich eingetretenen Verschlechterung der Auenwaldstrukturen und nicht eindeutig nachgewiesenen Verbesserung der Artenzusammensetzung, das Grünflächenamt der Stadt Leipzig an den naturschutzfachlich katastrophalen und steuerfinanzierten Abholzungen festhalte und das noch als Naturschutzmaßnahmen verkaufe.

“Dabei schreckt man noch nicht mal vor europäisch und sächsisch naturgeschützten Gebieten zurück. Diesbezügliche Bedenken und Hinweise weisen die verantwortlichen Vertreter ständig aggressiv und schroff zurück”, kritisiert Andreas Liste.

Der AHA halte es daher für dringend geboten, sich verstärkt für den Schutz und Erhalt von Auenlandschaften einzusetzen. In dem Zusammenhang will der Verein seine diesbezüglichen Aktivitäten auch in den Auenlandschaften von Leipzig und Umgebung verstärken.

Aufgrund der weiterhin angedachten Abholzungen im Rahmen einer teilweisen Wiedereinführung der Mittelwaldwirtschaft und einer damit verbundenen weiteren Bedrohung der Auenwälder in Leipzig, hatte der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) bekanntlich u.a. zu einer Herbstexkursion geladen.
Am 30. November hatte der AHA schon zu einer groß angelegten Exkursion in die 277 Hektar große Burgaue eingeladen – Thema waren dort schon die Experimente, im Leipziger Auenwald wieder Mittelwaldbewirtschaftung künstlich einzuführen.

Der AHA fordert nun, die von der Stadt angekündigten rein forstwirtschaftlich geprägten Maßnahmen sofort einzustellen und stattdessen wieder eine sukzessive, naturnahere Entwicklung der Auenwälder im Stadtgebiet von Leipzig zuzulassen. “Prozesscharakter” nennt es der Ökolöwe.

“Somit können die Auen und die dazugehörigen Auenwälder als bedeutsame Lebens- und Rückzugsräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, als bestehender und potenzieller Hochwasserraum sowie als Ort der sanften Naherholung für die Menschen der Region dienen. In dem Sinne ist eine rein forstwirtschaftliche Nutzung in der gegenwärtigen Quantität und Qualität nicht zu akzeptieren”, sagt Andreas Liste.

Er sieht die notwendige Regenerierung des seit 90 Jahren abgedeichten Auenwaldes in engem Zusammenhang mit einer Revitalisierung der Gewässersysteme.

So solle die Renaturierung der Luppe genauso geprüft werden wie die länderübergreifende Reaktivierung der abgeschnittenen Altarme der Weißen Elster und der Luppe, außerdem Deichrückverlegungen, um eine großflächige Ausweitung der Retentionsflächen anzugehen.

“Somit wäre beispielsweise eine bessere Einbeziehung der Auenwälder in das Überflutungsregime von Weißer Elster, Luppe, Nahle, Pleiße und Parthe möglich”, erklärt Liste. “Zudem könnte neben der Wirkung für den Hochwasserschutz ein Zurückdrängen weniger wassertoleranter Gehölzarten – wie Spitzahorn – erfolgen.”

Der AHA hält es also dringend für angeraten, den Neubau des Nahleauslassbauwerks zu stoppen und die im Jahre 1998 für die Burgaue festgelegte Mittelwaldwirtschaft unverzüglich zu beenden. Die Burgaue sei noch FFH-Richtlinien-konform auszugestalten. “Zusammen mit den unbedingt vorzunehmenden Deichrückverlegungen, entspricht das einem nachhaltigen Schutz und Erhalt der Auenlandschaften an Weißer Elster, Luppe und Nahle sowie ihrer Nebengewässer und eines darauf abgestimmten Umganges mit Hochwasser”, so Liste.

“In dem Blickfeld betrachtet, bekräftigt der AHA erneut seine Unterstützung grüßen die Exkursionsteilnehmer und auch der AHA zu sehr großen Teilen den gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU und SPD im Stadtrat von Leipzig vom 13. November und der damit verbundenen Begründung. Nach Auffassung des AHA eröffnen sich mit der Ausrichtung und Durchführung eines Auenwaldsymposiums im 1. Halbjahr des Jahres 2014 und der damit verbundenen vorläufigen Rückstellung des Ersatzneubaus des Nahleauslassbauwerkes die Möglichkeit Fragen zum Schutz, Erhalt und Entwicklung der Auenlandschaften im Stadtgebiet von Leipzig und des damit verbundenen Umgangs mit Hochwasser und Retentionsflächen auf den Prüfstand zu stellen.”

Der AHA sei jedenfalls bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen Möglichkeiten an der Prüfung und Erarbeitung einer aktuellen und nachhaltigen Auenschutz-, Hoch- und Grundwasserkonzeption mitzuwirken und ruft der AHA zur aktiven Mitwirkung interessierter Bürgerinnen und Bürger in den Städten Leipzig, Markkleeberg und Schkeuditz auf, sich mit einzubringen.

www.aha-halle.de

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