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Gefahrenstelle am Hauptbahnhof: CDU hält nichts von diesem „Shared Space“

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    Die Stellungnahme der Stadtverwaltung war recht eindeutig: Man könne dem SPD-Antrag auch in der überarbeiteten Form nichts abgewinnen. Am Hauptbahnhof sei alles rechtens. Ansonsten sei der Platz vor den beiden Ausgängen Osthalle und Westhalle ein "Shared Space", die Radfahrer hätten sich also nach den Fußgängern zu richten. Fertig der Lack. Bei so einer Antwort musste die CDU-Fraktion nicht mal eine Minute nachdenken, um einen neuen Änderungsantrag zu schreiben.

    „Der Beschlussvorschlag wird wie folgt neugefasst“, heißt es nun darin noch deutlicher als in der SPD-Formulierung. „Der öffentliche Verkehrsraum zwischen den Bahnhofsausgängen West- und Osthalle und der Fahrbahn wird so neu geordnet, dass eine klare Trennung zwischen Fußgänger- und Radverkehr erfolgt und die jetzige Mischverkehrssituation (‚Shared Space‘) bereinigt wird.“

    Denn „Shared Space“ macht im Verkehrsraum nur Sinn, wenn alle Verkehrsteilnehmer wissen, dass sie sich in einem „geteilten Raum“ befinden. Das ist am Hauptbahnhof nicht der Fall. Und davon war auch bei der Neugestaltung der Übergänge am Hauptbahnhof nie die Rede. Es ist erstaunlich, wie sehr der Verwaltungsstandpunkt einer faulen Ausrede gleicht, ein bisschen aufgehübscht und nach Fachwissen klingend. Gäbe es vor den Bahnhofszugängen „Shared Spaces“, dann würde es alle Verkehrsteilnehmer betreffen – auch den Kfz-Verkehr. Doch der ist eindeutig mit eigener Fahrbahn abgetrennt. Genauso, wie eigentlich auch der Radweg abgetrennt ist. Nur dass es niemand sieht, weil man lieber schön bauen wollte als übersichtlich.Tatsächlich ist das Gegenteil dessen der Fall, was der Verwaltungsstandpunkt behauptet: Es gibt klar definierte Verkehrswege. Sie sind aber nur im Fall der Kfz-Fahrbahn auch für den Fußgänger erkennbar.

    Und genau diese Verwischung der Verkehrswege kritisiert auch die CDU: „Der Verwaltungsstandpunkt definiert den Raum vor den beiden Bahnhofsausgängen als sogenannten ‚Shared Space‘. Diese Mischverkehrssituation halten wir angesichts des hohen Verkehrsaufkommens, vor allem im Fußgängerverkehr, für nicht vertretbar. Vielmehr ist eine klare Trennung zwischen Fußgänger- und Radverkehr mit eindeutigen Regeln notwendig.“

    Dass die Verwaltung darauf hinweist, für die Radfahrer sei die Situation ausgeschildert, ist eher ein Witz. Denn dass hier ein Radweg verläuft ist für ankommende Reisende nicht einmal zu ahnen. Sie stehen mit Sack und Pack an der Bordsteinkante (und damit auf dem unsichtbaren Radweg) und warten natürlich sehnsüchtig auf „Grün“, sie stehen auch hinter dem Metallstreifen, der eigentlich den Fußgängerbereich abgrenzt. Dort teilen sie sich den Platz mit Dutzenden geparkten Fahrrädern. Und den restlichen Raum besetzen in der Regel Raucher und allerlei junge Leute, die hier mit Decken und Hunden ihren Tag verbringen.

    Und weil sich die Verwaltung mit Händen und Füßen weigert, den Radweg in irgendeiner Weise sichtbar hervorzuheben, macht die CDU-Fraktion nun einen eigenen Vorschlag, wie es aussehen könnte: „Der sinnvollste Weg dafür ist aus unserer Sicht: Rückverlegung des Fußgängeraufstellbereiches an die Nordkante des Radweges, in Form einer klar erkennbaren Markierung; Neupositionierung der Lichtsignalanlage dahingehend, dass für den Radverkehr in beiden Richtungen klar erkennbar dieselben Signale wie für den parallelen Kfz-Verkehr gelten: ‚Grün‘ bei Fahrbahn-Grün und Fußgänger-Rot, ‚Rot‘ bei Fahrbahn-Rot und Fußgänger-Grün.“

    Was, wenn man es recht überlegt, vielleicht sogar die Zahl der Wagemutigen minimieren könnte, die derzeit mit stolzgeschwellter Brust gern schon bei „Rot“ über die Fahrbahn laufen.

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