Ganz fertig waren die Bauleute am Dienstag, 2. Oktober, doch noch nicht. Sie haben noch ganz schön zu tun, wenn sie die wichtigsten Arbeiten an der Landsberger Brücke bis zum Freitag, 5. Oktober, beenden wollen. Die äußeren Fahrbahnabgrenzungen fehlen noch, etliche Laternen und auch die kompletten Fahrbahnmarkierungen. Die Stadt hat für Freitag trotzdem zur großen Brückenfreigabe eingeladen.

2016 hat der Stadtrat – nachdem die alte Brücke endgültig baufällig war – den Neubau für 7,2 Millionen Euro beschlossen. Nur kurz flackerte Kritik auf. Denn ob diese Brücke tatsächlich in dieser Form gebraucht wird, wurde zumindest von einigen Stadträten bezweifelt. Sie hätten sich hier auch eine simple Fußgänger-Radfahrer-Brücke für weniger Geld vorstellen können. Was auch den Autoverkehr in dieser Ecke deutlich minimiert hätte.

Aber letztlich setzte sich die Autofahrermehrheit im Stadtrat durch. Das Ergebnis ist ein moderner Brückenbau, der deutlich wuchtiger und raumgreifender ist als der hundertjährige Vorgängerbau. Dabei fielen auch 53 Bäume, die vorher die Landsberger Straße säumten, dem Bau zum Opfer. Entsprechend nackt und kahl sieht er jetzt aus. Die Böschungen sind noch unbepflanzt. Der nötige Mutterboden, um hier wieder etwas anpflanzen zu können, fehlt noch genauso wie die Fahrbahnbegrenzungen an der Böschung.

Landsberger Brücke: Die Fahrbahnabgrenzungen fehlen noch. Foto: Ralf Julke
Landsberger Brücke: Die Fahrbahnabgrenzungen fehlen noch. Foto: Ralf Julke

Für die einen wird es also ein Brückenbauwerk, das wieder vermehrt Kraftverkehr in eine Ecke der Stadt bringt, in der es jetzt fast zehn Jahre lang etwas ruhiger zuging. Für die anderen ist es die Erfüllung eines Wunsches. Denn dass es so kam, darum haben sich vor allem zwei Fraktionen schon 2009 im Stadtrat verbündet.

„Der Erfolg hat viele Väter. Das trifft auch für diese Erfolgsgeschichte zu. Hervorgetan haben sich aber vor allem zwei Stadträte, die gegensätzlicher nicht sein können“, erzählt der Stadtrat der Linken, William Grosser. „Trotz ihrer konträren politischen Prägung kämpften sie im Sinne ihrer Wähler gemeinsam für die Sanierung der Landsberger Brücke. Beide, Gerd Heinrich (CDU-Fraktion) und William Grosser (Fraktion Die Linke), wurden im Wahlkreis 9 gewählt und waren sich schon im Wahlkampf einig, für die Interessen der Nordleipziger zusammenzuarbeiten.“

Auch etliche Laternen an der Landsberger Brücke fehlen noch. Foto: Ralf Julke
Auch etliche Laternen an der Landsberger Brücke fehlen noch. Foto: Ralf Julke

Bereits 2009 stimmten sie sich über Schwerpunktmaßnahmen ab, die sie gemeinsam erfolgreich abarbeiten wollten und warben in den Ausschüssen des Stadtrates dafür, dass die Landsberger Brücke saniert bzw. neu errichtet werden soll.

„Trotz intensiver Anfragen in der Verwaltung zu dieser Zeit leider ohne Erfolg“, so Grosser. „Sie gewannen aber in den Ausschüssen und in den Diskussionen zum Haushaltsplan 2017/2018 fraktionsübergreifend Mitstreiter, sodass schließlich erreicht wurde, dass diese Brücke im Stadtrat durch Mehrheitsbeschluss auf die Liste der Investitionen im Nordraum gesetzt wurde und dass ihre Fertigstellung im Jahr 2018 erfolgen soll.“

Womit er einen Einblick gibt in die Arbeit des Stadtrates. Denn Stadträte, die wirklich etwas erreichen wollen, arbeiten genau so, suchen sich Verbündete in anderen Fraktionen, überzeugen auch die eigene Fraktion und erarbeiten sich so – auch über Jahre – die notwendigen Mehrheiten, um ihre Anträge bei Abstimmungen in der Ratsversammlung durchzubekommen.

Das funktioniert zwar immer nur bei einzelnen Projekten. Nicht bei jedem finden sich genug Mitstreiter, die dann auch noch den langen Atem haben, um bis zum Abstimmungserfolg durchzuhalten. Aber kaum ein Projekt dieser Größenordnung hat einen kürzeren Vorlauf. Und viele sind noch wesentlich komplizierter – man denke nur an die Georg-Schwarz-Brücken, die von der Stadtverwaltung noch in einer Zeit geplant wurden, in der Bürgerbeteiligung beinah ein Fremdwort war. Und mit dem Stadtbezirksbeirat Leipzig-Altwest hat die Verwaltung dort jetzt einen Widerpart vor Ort, der das Mitgestalten der Bürger durchaus hörbar einfordert.

Güterzugverkehr unter der Landsberger Brücke. Foto: Ralf Julke
Güterzugverkehr unter der Landsberger Brücke. Foto: Ralf Julke

So gesehen, ging das Projekt Landsberger Brücke relativ leise über die Bühne.

Und die beiden treibenden Stadträte können nach neun Jahren einen Punkt setzen.

„Nach sehr langer Zeit ihrer Unbenutzbarkeit wird ab dem 5. Oktober 2018 die Landsberger Brücke wieder befahrbar sein“, freut sich William Grosser. „Das ist ein Freudentag für die Bewohner im Norden Leipzigs. Endlich wird die Wiederitzscher Bahnhofsstraße nicht wie in den letzten 10 Jahren abgeschnitten sein, sondern wieder vom Süden über die Landsberger Straße zugänglich sein.

Auch viele Lindenthaler können dann endlich wieder die kürzere Anfahrt nutzen. Die Eröffnung der sanierten Brücke ist ein Erfolg vieler Menschen im Ortschaftsrat Wiederitzsch, im Stadtrat und in der Stadtverwaltung. Das Beispiel zeigt aber auch, dass, wenn Stadträte, trotz verschiedener politischer Ansichten, in der Sache vernünftig und pragmatisch miteinander umgehen, sie erfolgreich sein können.“

Zur Brückeneröffnung hat Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau am Freitag, 5. Oktober, um 9 Uhr, auf die Landsberger Brücke eingeladen.

Und die beiden Stadträte Gerd Heinrich (CDU) und William Grosser (Die Linke) wollen zur Eröffnung mit einem „angemessenen Spektakel auf den Erfolg vieler (und auf unseren Anteil daran) aufmerksam machen.“ Mit dem ältesten in Leipzig zugelassenen Oldtimer, der fast so alt ist wie die abgerissene Brücke, wollen sie zur Einweihung über die Brücke tuckern. Es ist ein Ford T aus dem Jahr 1912.

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Es gibt 3 Kommentare

Straßenbahn für Landsberg? Das Landsberg in 30km Entfernung? Oder Lindental?

Wir siedeln massenweise Firmen im Norden an, aber wie die Leute hinkommen, interessiert keinen. ÖPNV? Nee, wozu denn, die sollen sich Autos kaufen.
Und dann wundern wir uns, daß jeden Abend die Fußwege zugeparkt werden. Diese Ignoranz regt mich auf.

Was soll diese “Erfolgsmeldung”? Jetzt rückt die Straßenbahn für Landsberg (und darüber hinaus?) auf Jahrzehnte in die Ferne. Ist die Trassenfreihaltung stillschweigend gekippt worden? Das Problem des fehlenden Nahverkehrsplans ist hinreichend bekannt. Die Gleise sind, soweit ich den Fahrbahnaufbau beurteilen kann, auch nicht einfach nachrüstbar. Sollten hier also noch schnell Fakten geschaffen werden? Die Verkehrsbetriebe werden den Vorstoß von sich aus nicht angehen, wenn ihre Geschäftsführung lieber von teuren technischen Spielzeugen träumt, wie autonomen Bussen, anstatt echte Netzerweiterungen vorzubereiten. Um so mehr wäre es Aufgabe der Stadtverwaltung gewesen, weitsichtig zu planen. Das ist jetzt verpennt worden. So jedenfalls bekommt Leipzig seine Verkehrsprobleme nicht in den Griff.

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