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Der Oberbürgermeister hat Leipzigs Bewerbungsunterlagen für Phase 2 der Zukunftsstadt persönlich zum Briefkasten gebracht

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    Ein dicker Umschlag - hoffentlich ausreichend frankiert - und ab damit in den Briefkasten an der Markgrafenstraße. Oberbürgermeister Burkhard Jung persönlich spielte am Donnerstag, 16. Juni, den Postboten und brachte Leipzigs Bewerbung für die 2. Phase des Projekts „Zukunftsstadt“ zum Briefkasten am Stadthaus. Augenscheinlich hat Leipzig wirklich was beizutragen, wenn es um die Erfindung der Zukunft geht.

    Diesmal nicht in der üblichen Variante mit Hubschraubern für alle und fliegenden Wohnungen und einem Atomkraftwerk in jedem Keller. Das sind die falschen Träume von Zukunft. Aber Städte wie Leipzig müssen sich jetzt schon darauf einstellen, dass ihre Zukunft ganz anders wird. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt, die Energiewende zwingt Städte dazu, Energieversorgung ganz anders zu denken. Der Klimawandel zwingt sie dazu, sich anderen Witterungsverhältnissen anzupassen. Das Mobilitätsverhalten ändert sich, Demografie und Globalisierung verändern die Stadt.

    Ein Berg von Herausforderungen, der in dieser Form auf alle Kommmunen in Deutschland zukommt. Mit dem kleinen Unterschied für Leipzig: Leipzig wächst. Und zwar schneller als jede andere Stadt. Es kommen also noch eine Menge Herausforderungen obendrauf: neue Wohngebiete, Kitas, Schulen müssen bedacht werden. Grün- und Freiflächen verschwinden. Die Stadt wird dichter und enger.

    Alles Themen, die Leipzigs Verwaltung alle schon mal irgendwie angedacht hatte, als sich die Stadt 2015 für den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgelobten Wettbewerb „Zukunftsstadt“ bewarb und als einer von 51 Bewerbern für die erste Projektphase ausgewählt wurde. In der Phase ging es erst einmal darum, mit den Bürgern gemeinsam so eine Art Zukunftsbild für die Stadt zu entwickeln. Dazu hatte sich Leipzig mal etwas anderes ausgedacht und 260 zufällig ausgeloste Bürger eingeladen zu einem ersten Workshop am 20. November in der Kongresshalle. Die trugen einen großen Themenberg an Zukunftsherausforderungen für Leipzig zusammen.

    Die Grundfrage dabei, so Burkhard Jung: „Vor welchen Herausforderungen stehen wir dann als Stadt.“

    Das Zieljahr ist jetzt das Jahr 2030, ein Jahr, in dem Leipzig wahrscheinlich 700.000 Einwohner haben wird.

    Die meisten Leipziger, die am 20. November teilnahmen, hatte auch Burkhard Jung vorher noch nicht gesprochen. Es waren nicht die üblichen Hochengagierten, die immer da sind, wenn es Veranstaltungen zu Leipziger Problemen gibt. „Das war schon ein Erlebnis“, sagt Jung. Denn vor allem frappierte ihn, dass auch die scheinbar „ganz normalen Leipziger“ sich sehr ernsthaft und konstruktiv mit den Themen der Stadt beschäftigen. Und die Themenliste, die am Ende enstand, umfasste tatsächlich fast alles, was in Leipzig als Hausaufgabe steht.

    Noch ein skeptischer Blick aufs Porto - und dann ab die Post. Foto: Ralf Julke
    Noch ein skeptischer Blick aufs Porto – und dann ab die Post. Foto: Ralf Julke

    Vertieft und detailliert wurden einige ausgewählte Themen dann noch in Workshops und einer weiteren großen Versammlung im Frühjahr. Jetzt ist so einigermaßen klar, was alles angepackt werden müsste.

    Aber wie?

    Und darum geht es nun in Phase 2 des Wettbewerbs, für die sich Leipzig mit dem dicken Umschlag beworben hat. Hier können sich alle 51 Teilnehmer aus Phase 1 bewerben, 20 werden dann vom BMBF ausgewählt und für diese Phase mit 200.000 Euro unterstützt.

    Jetzt geht es darum, aus all den aufgelisteten Themen ein Handlungskonzept zu entwickeln.

    Strukturell ist dazu im Rathaus schon vorgebaut worden. OB Jung hat – schon im Zusammenhang mit seinem Arbeitskonzept 2020 – eine Geschäftsstelle 2020 eingerichtet, in der jetzt auch die Fäden für die Zukunftsstadt zusammenlaufen. Es ist zwar eine zentrale Koordinierungsstelle, aber hat keine Entscheidungsbefugnisse. Die bleiben, so Burkhard Jung, bei den klassischen Gremien – in der Dienstberatung des OBM und im Stadtrat.

    Dennoch wird es ohne eine neue Steuerung nicht gehen, wenn Leipzig die drängenden Aufgaben anpacken will. Es brauche also so etwas wie ein „Leipziger Steuerungsmodell“, sagt Heike Bäcke, die die Geschäftsstelle 2020 leitet. Das Besondere an diesem Steuerungsmodell: Es muss nicht nur die Verwaltung einbinden und alle ihre Abteilungen dazu bringen, ganzheitlich zu denken und die Zukunft der Stadt immer mitzudenken.

    Bei fast allen Themen geht es ohne Partner von außen gar nicht – der Wirtschaft, den Wohnungsunternehmen, den Leipziger Versorgungsunternehmen, den Finanzgebern (bis hin zu Bund und Land). Alles eigentlich bekannte Themen. Doch damit Leipzig seine Ziele erreicht, müssen alle an einem Strang ziehen. Das braucht eine eigene Steuerung.

    Und diese „Leipziger Steuerung“ soll jetzt in Phase 2 geschaffen werden. Wenn Leipzig wieder mit dabei ist. Aber Dr. Stefan Schneider vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), der das Projekt aus wissenschaftlicher Perspektive begleiten wird, ist sich sicher, dass Leipzig mit seiner Schwerpunktsetzung schon jetzt unter allen Bewerbern etwas Besonderes ist. Das klingt dann schon so, als wären die Chancen gut, nun auch in der Gruppe der 20 in Phase 2 landen zu können und vielleicht am Ende sogar den Sprung in Phase 3 schaffen zu können, in der dann nur noch acht Projekte vom BMBF unterstützt werden.

    In Phase 3 wird dann ein ganz konkretes Projekt auch umgesetzt, so dass dann auch der Praxistest zeigen wird, ob sich Leipzig da wirklich etwas Gescheites und Nachahmenswertes ausgedacht hat.

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