Nur jeder Fünfte geht in Sachsen erst mit 65 in Rente: Renteneintrittsalter 67 geht am realen Leben vorbei

Irgendwann weiß man es. Aber Leute wie Dietmar Pellmann, Landtagsabgeordneter der Linken, wollen es ja ganz genau wissen. Und immer wieder. Könnte ja sein, irgendwann ändert sich etwas an der Augenwischerei der jeweiligen Regierung. Der Linke-Abgeordnete gehört zu denen, die das Märchen von der Rente mit 67 nicht wirklich ernst nehmen. Selbst die 65 schafft heute nur eine Minderheit der Sachsen.
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„81 Prozent der Neurentner gingen in Sachsen vor Vollendung des 65. Lebensjahres in Altersrente und beweisen: Renteneintrittsalter 67 geht am realen Leben völlig vorbei“, stellt er fest, nachdem ihm Sozialministerin Christine Clauß (CDU) auf seine Kleine Anfrage „Frühverrentung in Sachsen 2011“ (Drucksache 5/9388) geantwortet hat.

Im vergangenen Jahr gingen demnach in Sachsen 28.840 Personen vor Vollendung des 65. Lebensjahres in die Altersrente. Das entsprach einem Anteil von 81 Prozent aller Neurentner des Jahres 2011.Pellmann, der auch sozialpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, dazu: „Damit wird erneut bestätigt, dass die seit 1. Januar geltenden gesetzlichen Regelungen der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre völlig an den Realitäten vorbeigehen und letztlich nichts anderes als verordneter Rentenraub sind. Denn die meisten Frührentner müssen dauerhafte Abschläge in Kauf nehmen.

Selbst das aus Regierungskreisen oft zu vernehmende Hilfsargument, dass der Anteil der Frührentner zurückgehen werde, trifft zumindest für Sachsen nicht zu. Lediglich 2009 kam es mit einem Anteil von 76 Prozent zu einem leichten Rückgang, der sich aber ein Jahr später mit 78 Prozent bereits wieder in ‚Luft‘ auflöste. Und die 81 Prozent des vergangenen Jahres lassen die Hoffnungen der schwarz-gelben Regierungen in Bund und Land völlig an den Realitäten zerschellen.“

Er hatte sogar noch mehr gefragt. Er wollte auch noch wissen, wieviele Sachsen direkt aus der Langzeitarbeitslosigkeit in die kärgliche Rente gehen, also direkt aus ALG II. Das könne sie ihm nicht beantworten, teilte Christine Clauß mit, gab ihm aber trotzdem Zahlen, die zumindest einen kleinen Einblick geben in das, was da am Ende des Berufslebens vielen Sachsen geschieht. Dass die Frauen unter den Sachsen, die vor dem 65. Lebensjahr in Rente gehen, deutlich überwiegen, ist natürlich keine Bosheit der Regierenden – ihnen steht ja bislang der Renteneintritt mit dem 60. Lebensjahr zu.

Aber nur 14.956 Personen von den rund 35.600, die in Rente gingen, hatten vor Renteneintritt ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Und 5.366 Personen, die 2011 in Rente gingen, bezogen noch am 31. Dezember 2010 Arbeitslosengeld II. Für sie ist Altersarmut programmiert.

Pellmann: „Daher bleibt die Forderung der Linksfraktion, die sie mehrfach im Landtag erhoben hat, aktueller denn je: Rückkehr zur Rente mit 65 und für Schwerbehinderte mit 63!“

Die Antwort von Christine Clauß: http://edas.landtag.sachsen.de


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