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Sachsen und die Frauenquote: Wo’s um die Macht geht, sitzen die Männer

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    Auch so kann man Meldungen formulieren und trotzdem eine kleine Unwahrheit sagen: "Rund 45 Prozent der Spitzenfunktionen im öffentlichen Dienst von Frauen besetzt", betitelte das Sächsische Landesamt für Statistik am Montag, 24. September, eine Meldung, die so schön passt in die sperrige Diskussion auf Bundesebene um die Frauenquote in Unternehmensvorständen. Die Wahrheit ist: Sachsen ist keinen Deut besser als viele Großunternehmen, eher noch viel männerdominierter.

    Auch wenn es erst einmal nicht so klingt: Rund 45 Prozent der obersten Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst des Freistaates Sachsen waren am 30. Juni 2011 von Frauen besetzt. Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilte, übten gut 4.800 oder 2,4 Prozent aller rund 201.500 Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine oberste Leitungsfunktion aus. Dazu zählen z. B. Behördenleiter, ihre Stellvertreter und Abteilungsleiter.

    Klingt doch gut, ist man doch nah dran am gewünschten 50 : 50 und dem so gern diskutierten mindestens 40 : 60. Oder?

    Fast 2.200 der im öffentlichen Dienst beschäftigten Frauen waren in dieser Funktionsebene tätig, vermelden die Statistiker.

    Von rund 4.300 Beschäftigten in einer Spitzenfunktion des Landesbereiches (ohne Sozialversicherungsträger) waren über 46 Prozent Frauen. Im Unterschied dazu hatten im kommunalen Bereich 36 Prozent Frauen eine von knapp 500 Führungsfunktionen inne, schreibt das Landesamt. Und es klingt wie ein nackter Fingerzeig auf die Kommunen, die es einfach nicht fertigbringen, ebenfalls so viele Frauen in Führungspositionen zu bringen wie der ach so vorbildliche Freistaat.

    Doch schon der Vergleich der einzelnen Bereiche des öffentlichen Dienstes zeigt, dass lediglich der Schulbereich nicht von Männern dominiert wurde. Hier haben zu über 67 Prozent Frauen die Geschicke in den obersten Leitungsfunktionen gelenkt.

    Und da ist man bei einem uralten Phänomen in der deutschen Gesellschaft: Überall dort, wo es eher um alltäglich notwendige Sozialkompetenzen geht, sind Frauen gefragt. Auch als Schulleiterin, wenn’s denn schon sein muss.

    Den niedrigsten Frauenanteil in dieser Funktionsebene verzeichnete mit rund 6 Prozent der Polizeibereich, gefolgt von den Justizvollzugsanstalten mit gut 11 Prozent und den Staatsanwaltschaften mit knapp 17 Prozent. Das oberste Spitzenamt, der „Chefposten“, war in diesen drei Bereichen ausschließlich männlich besetzt.Aber die Tücke liegt dann auch in den konkreten Zahlen. Denn schon aufgrund der Vielzahl von Lehrern und Schulen nimmt der Schulbereich auch in dieser Statistik den Löwenanteil ein: Von 4.846 Leitungstätigkeiten entfallen 2.171 auf den Schulbereich. Wenn man das abzieht, sieht das Bild schon ganz anders aus. Dann wird die eigentliche Regierungsstruktur des Freistaats deutlicher. Dann kommen auf 1.945 Männer in Leitungspositionen nur noch 730 Frauen, was einer Quote von 37,5 Prozent entspricht.

    Und die ähnelt – wer hätte das gedacht – erstaunlich der Quote, die auch die Kommunen erreichen, die ja nun einmal keine Schulen betreiben und Kindergärten auch nur noch zum geringeren Teil. Der Rest ist dann das, was man in Deutschland kennt und was den Freistaat in keiner Weise positiv abhebt: Männerdominanz. Auf zwei Männer in den Entscheidungsebenen kommt eine Frau. Im Durchschnitt. Dass Polizei und Justizvollzug starke Männerdomänen sind – das überrascht nicht. Das wird sich auch mit dem Nachwuchsmangel, den die sächsische Polizei längst hat, nicht ändern.

    Aber wer die Zahlen weiter durchgeht, sieht, dass das noch recht „normale“ Maß von 2:1 nur in wenigen anderen Bereichen des Landes gilt: In Krankenhäusern mit 33,3 Prozent gerade noch so (obwohl wahrscheinlich kein Mensch sagen kann, warum hier die Männer als Chefärzte und Krankenhausdirektoren trotzdem dominieren), in Eigenbetrieben und Zweckverbänden sind es 34,6 Prozent Frauen (was aufgrund der nötigen Qualifikationen ebenfalls nicht zu erklären ist, hier sollte längst ein 50 : 50 die Regel sein), aber selbst in den Führungsebenen der Sparkassen kommen Frauen nur auf 37,2 Prozent.

    In den anderen Bereichen geht’s nur noch abwärts, da dominieren in Sachsen die klassischen Männerbünde: Das beginnt bei den „Allgemeinen Behörden“, also der eigentlichen Macht im Land – da sind Frauen nur noch mit 27,7 Prozent vertreten auf Leitungsebene. Das geht bei den Gerichten weiter, wo sie nur noch 24 Prozent der Leitungsposten besetzen, bei den Staatsanwaltschaften sind es sogar nur noch 16,7 Prozent, womit die Staatsanwaltschaften genauso fest in Männerhand sind wie die Hochschulen, wo nur 17,1 Prozent der Leitungsposten mit Frauen besetzt sind.

    Das sind alles Zahlen, die recht deutlich zeigen, wie weit der Freistaat überhaupt von einer gleichberechtigten Beförderungspolitik entfernt ist. Da, wo es wirklich um Macht und Einfluss geht, da dominieren die Männer, da funktionieren die alten Männerbünde, die sich 1990 installiert haben und ihre Kumpel ins Land holen, wenn wieder ein lukrativer Posten frei wird.

    Da passt dann das deutliche „Nein“ der sächsischen Staatsregierung zur vorgeschlagenen Frauenquote der Bundesregierung.

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