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Was eine Einkommensstatistik zu sächsischen Vollzeitstellen alles nicht zeigt

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    Man kann sich mit Verdienststatistiken auch tüchtig in die Tasche schwindeln. Das tun Sachsens Statistiker nicht unbedingt mit Absicht. Zu vielen Wirtschaftsfeldern haben sie einfach keine Zahlen, weil niemand sie systematisch erfasst. Was heißt das also, wenn das Landesamt für Statistik am 6. Mai vermeldet "Verdienste 2014 um 1,9 Prozent über Vorjahresniveau - Vollzeitkräfte verdienten brutto 35.272 Euro"?

    Tatsächlich heißt es, dass die Landesstatistiker für die Hälfte der sächsischen Erwerbstätigen Zahlen haben. Und für den Rest nicht. Tatsächlich statistisch erfasst werden nur die Einkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Das sind rund 1,5 Millionen von 2 Millionen Beschäftigten.

    Wie die von der L-IZ gerade am 10. Mai ausgewertete Statistik der Bundesarbeitsagentur zeigt, sind von den sv-pflichtig Versicherten 35 Prozent in den diversen flexiblen Arbeitsverhältnissen zu finden, die eben keine Vollzeitstellen im klassischen Sinn sind. Das heißt, von den 1,5 Millionen kann man noch ein Drittel abziehen – bleiben rund 1 Million Arbeitsverhältnisse, die das Statistische Landesamt als Vollzeitstellen auswerten kann. Was dann eben auch alle bundesweiten Vergleiche von Bruttomonats- oder -jahresverdiensten unter ein ganz großes Fragezeichen setzt.

    Tatsächlich zeigt die am 6. Mai vorgelegte Statistik nur, was die Vollzeitbeschäftigten in den klassischen Beschäftigungsverhältnissen bekommen.

    Und dass sich wohl die meisten Sachsen freuen können, wenn sie den Sprung in diese oberste Liga der sächsischen Arbeitsverhältnisse schaffen.

    „Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Freistaat Sachsen verdienten 2014 einschließlich aller Sonderzahlungen 35.272 Euro“, konnten die Kamenzer Statistiker am 6. Mai feststellen. „Das sind 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, die bezahlte Wochenarbeitszeit (39,5 Stunden) ist dabei gleich geblieben. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz lagen die Bruttomonatsverdienste – ohne Sonderzahlungen – bei durchschnittlich 2.756 Euro, was einem Plus von 2,2 Prozent (Deutschland: 3.527 Euro; +2,3 Prozent) entspricht.“

    Was dann auch heißt, dass die Sachsen in den klassischen Vollzeit-Arbeitsverhältnissen 78 Prozent des Bundesdurchschnitts als Gehalt bekommen.

    Für Teilzeibeschäftigte gibt es übrigens auch eine Zahl. Die bekamen 2014 in Sachsen im Schnitt 1.741 Euro. Was schon einmal eine Ecke weniger ist als bei den Vollzeit-Beschäftigten.

    „Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienten 2014 durchschnittlich 33.179 Euro. Sie erzielten somit 91,2 Prozent des Verdienstes der männlichen Kollegen, der bei 36.399 Euro lag. 2013 betrug der entsprechende Anteil 91,7 Prozent“, teilen die Statistiker mit. „Im Produzierenden Gewerbe erhielten vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2014 durchschnittlich 33.869 Euro, das waren 3,1 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (32.843 Euro). Die Zahl der bezahlten Wochenstunden erhöhte sich geringfügig auf 39,3 Stunden.“

    Und dann wird’s etwas komplizierter: „Der Jahresdurchschnittsverdienst im Dienstleistungsbereich stieg um 1,2 Prozent auf 36.215 Euro brutto. Die bezahlte Wochenarbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten (39,7 Stunden) blieb zum Vorjahr unverändert.“

    Denn: „Die niedrigsten Jahresverdienste Vollzeitbeschäftigter wurden in den Bereichen ‚Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen‘ (20.292 Euro), ‚Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen‘ (20.376 Euro), ‚Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln‘ (20.516 Euro) und Gastgewerbe (21.123 Euro) gezahlt. In den Bereichen ‚Energieversorgung‘ und ‚Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen‘, ‚Forschung und Entwicklung‘ sowie ‚Erziehung und Unterricht‘ lagen sie über 50.000 Euro.“

    In der beigefügten Grafik haben die Kamenzer Statistiker sehr schön sichtbar gemacht, wie deutlich die Einkommensunterschiede in den einzelnen Branchen sind.

    Wie sehr die Statistik verzerrt ist, sieht man aber erst, wenn man die sächsische Bevölkerung nach ihrem monatlichen Nettoeinkommen betrachtet.

    Denn allein wenn der Schnitt der 1 Millionen Erwerbstätigen mit Vollzeitstelle bei 2.756 Euro brutto liegt, müssten doch mindestens 500.000 davon auch ein Mindest-Nettoeinkommen von 1.700 Euro haben nach Abzug aller Steuern und Abgaben. Das kommt auch so ungefähr hin. Rund 500.000 weist die sächsische Statistik für 2013 aus.

    Aber der ganze Rest der Beschäftigten – 1,5 Millionen – hatte im Jahr 2013 Nettoeinkommen zwischen 900 und 1.700 Euro. 1 Million davon freilich im unteren Bereich zwischen 900 und 1.300 Euro. Nur wird dieser Bereich in der jetzt wieder vorgelegten Vollzeit-Gehaltsstatistik nicht sichtbar. Die macht eigentlich eher deutlich, dass es durchaus zwei sehr verschiedene „erste“ Arbeitsmärkte in Sachsen gibt – einen besser bezahlten und einen weitgehend „flexibilisierten“, in dem weniger verdient wird als in den Zahlenwerken, die meistens als sächsische Bruttoverdienste ausgereicht werden.

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