Da Kollege Leu gerade so schimpft über die Herren mit dem großen Hubraum, die derzeit mit ihrem Gejammer die Lüfte erfüllen, habe ich mir gedacht: Jetzt rechnest du doch einmal aus, was unsere Autofahrer eigentlich wirklich beitragen zur Belastung unserer Atmosphäre mit dem klimaschädlichen CO2. Ach ja: Den eigenen CO2-Rucksack muss ich natürlich auch ausrechnen.

Zur Erinnerung: Von den rund 6,7 Tonnen CO2, die jeder Leipziger rechnerisch jedes Jahr verursacht, stammen 2,26 Tonnen aus dem Verkehr. Das ist viel. Da ist aber auch alles dabei: Busse, Pkw, Mopeds, Kraftfahrzeuge aller Art, auch der ganze Fahrzeugpark der Wirtschaft.

Aber keine Ausrede: Da ist eben auch jeder einzelne Leipziger mit dabei. Und die Wahl des Verkehrsmittels bestimmt, wie hoch der eigene CO2-Rucksack im Verkehr ist.

Jetzt zu meinem: Da ich sämtliche Wege im Umweltverbund zurücklege und Zufußgehen und Radfahren hier mit null Emissionen zu Buche schlagen, bleibt mein Anteil am CO2-Ausstoß der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Obwohl ich da meistens mit der Straßenbahn unterwegs bin und eher selten mit den sehr umständlich fahrenden Bussen, rechne ich die Busse hier einfach mit hinein. Obwohl man das trennen könnte. Im „Nachhaltigkeitsbericht 2017“ haben die LVB das für ihre Straßenbahnen und Busse schön separat ausgewiesen.

Die Co2-Bilanz der LVB. Grafik: LVB-Nachhaltigkeitsbericht 2017
Die Co2-Bilanz der LVB. Grafik: LVB-Nachhaltigkeitsbericht 2017

Aber wenn man den kompletten CO2-Ausstoß der LVB nimmt, kommt man auf insgesamt 36.682 Tonnen.

Wie kann ich daraus meinen CO2-Rucksack berechnen?

Die 36.682 Tonnen entsprechen 36.682.000 Kilogramm, die sich 2018 auf 156.372.000 Fahrgäste verteilten. Bei jeder Fahrt mit einem Fahrzeug der LVB fallen also für den Fahrgast im Schnitt 235 Gramm CO2 an.

Diese 235 Gramm kann man mit der Zahl der eigenen Fahrten auf LVB-Linien pro Jahr multiplizieren.

Wenn man jeden Tag zwei Mal fährt (hin und zurück zur Arbeit z. B.), kommt man auf einen Jahres-Rucksack an CO2 von 85 Kilogramm. Wer doppelt so oft fährt, hat dann logischerweise 170 Kilogramm auf der Waage. Ich liege eher im Bereich der 170 Kilogramm.

Klingt viel. Aber mit den 2.260 Kilogramm im Durchschnitt pro Einwohner ist das sichtbar und deutlich weniger.

Aber wie bekommen wir nun den CO2-Rucksack unserer Autofahrer, von denen ganz und gar nicht alle bei „Hubraum for Future“ mitmachen, sondern eher verzweifelt überlegen, wie sie mit ihrem Auto sparsamer und umweltfreundlicher fahren könnten. Was beim derzeitigen Modellangebot nicht wirklich einfach ist.

Aber das Dilemma ist groß.

Das CO2-Aufkommen von Pkw in Leipzig

In der „Bürgerumfrage 2017“ haben Leipzigs Statistiker auch einmal ermittelt, welche Entfernungen die Leipziger Diesel- und Benzinfahrer jedes Jahr zurücklegen. Wir haben also sehr belastbare Zahlen zu den Durchschnittsstrecken. Und dann fehlt noch ein Blick auf „Statista“, wo wir auch den Durchschnittsverbrauch von Diesel- und Benzin-Pkw erfahren.

Statista: „Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von Personenkraftwagen steigt wieder – Pkw mit Ottomotor verbrauchten im Jahr 2017 rund 7,8 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Fahrzeuge mit Dieselmotor benötigten durchschnittlich sieben Liter Kraftstoff für die gleiche Strecke.“

Der Verbrauch steigt übrigens, weil die Deutschen immer größere und schwerere Autos kaufen.

Bei Benzinauto-Fahrern in Leipzig geht die Rechnung so: Sie fahren im Jahr im Durchschnitt 12.256 Kilometer mit ihrem Auto. Das multipliziert man mit dem Durchschnittsverbrauch von 7,8 Litern, dividiert es durch 100 Kilometer und multipliziert das Ergebnis dann mit dem CO2-Ausstoß beim Verbrennen von 1 Liter Benzin. Dieser Ausstoß liegt bei 2,37 kg je Liter. Ein Benzin-Pkw-Besitzer erzeugt also im Jahr einen CO2-Rucksack von 2,266 Tonnen.

Natürlich sinkt der Wert anteilig, wenn öfter mal jemand mitfährt. Aber schauen sie sich die wartenden Autos an den Leipziger Ampeln an: Meistens sitzt nur eine einsame Gestalt am Steuer.

Und Dieselfahrer?

Die fahren nach dem Ergebnis der „Bürgerumfrage 2017“ deutlich weitere Strecken mit ihrem Auto, im Schnitt 28.082 Kilometer im Jahr.

Das wird dann wieder mit dem aus Statista bekannten Durchschnittsverbrauch von 7 Liter auf 100 Kilometer multipliziert, durch eben diese 100 Kilometer dividiert und dann mit dem CO2 multipliziert, das bei der Verbrennung von einem Liter Diesel entsteht. Das sind in diesem Fall 2,65 Kilogramm, also mehr als beim Benzin. Das Ergebnis dieser Rechnung: 5,209 Tonnen CO2 im Jahr.

Der Diesel ist zwar das Arbeitspferd unter den Familien-Pkw. Aber dieser Wert dürfte doch den einen oder anderen erschrecken.

Und so erklärt sich auch der hohe Wert von 2,26 Tonnen CO2 pro Einwohner, die in Leipzig allein durch Verkehr entstehen.

Selbst wenn wir annehmen, dass im Schnitt 1,5 Personen in einem Pkw sitzen, reduzieren sich die CO2-Rucksäcke von Benzinauto-Fahrern nur auf 1,7 Tonnen und die von Diesel-Fahrern auf 3,9 Tonnen.

Und der Vergleich:

Mit meinen 170 Kilogramm aus der LVB-Nutzung habe ich einen zehn Mal kleineren CO2-Rucksack als Leipziger Benzinauto-Fahrer. Im Vergleich zu Diesel-Fahrern ist es sogar über 20 Mal weniger.

Das Ergebnis ist eindeutig: Nur wenn Leipzig seinen ÖPNV wirklich spürbar ausbaut und attraktiver macht und damit den Großteil der Autonutzer dazu bringt, auf das Nahverkehrsangebot umzusteigen, nur dann wird auch das CO2-Aufkommen im Verkehr deutlich sinken. Wenn gleichzeitig auch endlich mal ein attraktives Radwegenetz gebaut wird, wird es noch besser.

Wir brauchen schlicht einen Stadtverkehr, der die Anschaffung eines Verbrenners komplett überflüssig macht.

Wer verteufelt denn die ganzen Verbrenner?

Wer verteufelt denn die ganzen Verbrenner?

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