Wie sicher sind Leipzigs Stadien? Ein Interview mit Polizeipräsident Bernd Merbitz (1)

In den vergangenen Monaten wurde viel über die Sicherheit in deutschen Stadien diskutiert. Am Mittwoch verabschiedete die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ihr umstrittenes Sicherheitskonzept. Wie sicher sind die Leipziger Stadien? L-IZ.de hat bei Polizeipräsident Bernd Merbitz nachgefragt.
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Die Sicherheit bei Fußballspielen ist seit Monaten ein Thema in den Medien, in der Politik und nicht zuletzt den Verbänden. Wie sicher dürfen sich die Zuschauer in den Leipziger Stadien fühlen?

Die Fans können sich in den Leipziger Stadien sicher fühlen. Nach den Richtlinien des DFB sowie der Versammlungsstättenverordnung richten sich die Sicherheitsstandards der Stadien nach der Spielklasse des Vereins bzw. dem Anlass, zum Beispiel Fußballländerspiele. Danach weisen die Leipziger Stadien Sicherheitsstandards von der Kreisklassen- bis zur FIFA-Tauglichkeit auf.

Bei sicherheitsrelevanten Spielen werden unter Beteiligung von Vereinen, Verbänden, Stadienbetreiber und den zuständigen Behörden, insbesondere der Polizei, weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit in Stadien getroffen. Dazu gehören beispielsweise intensive Einlasskontrollen, Entscheidungen zum Ausschank von Alkohol, Maßnahmen zur Fantrennung.

Einzelne sicherheitsrelevante Probleme, zum Beispiel hinsichtlich der baulichen Gegebenheiten in den Stadien, müssen teilweise durch den Einsatz zusätzlicher Polizei- und Ordnungskräfte ausgeglichen werden. Dies gilt insbesondere für Spiele unterklassiger Vereine mit hohem Fanpotenzial. Dazu finden vor jedem relevanten Spiel Sicherheitsberatungen zwischen den Vereinen, der Stadt und der Polizei statt. Dieses Verfahren hat sich bewährt.

Gleichwohl sind die Vereine und Stadienbetreiber gefordert, ihren Beitrag zur Gewährleistung des erforderlichen Sicherheitsniveaus zu leisten. Sicherheitsrelevanten Defiziten in den Stadien – etwa Bausubstanz und Sicherheitspersonal – sollte nicht dauerhaft und überwiegend durch einen hochdimensionierten Polizeieinsatz begegnet werden. Deshalb sollte weiterhin in bauliche und infrastrukturelle Maßnahmen investiert werden.
Sind Fußballeinsätze für Ihre Kollegen in den letzten Jahren gefährlicher geworden? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Fußballeinsätze sind insgesamt nicht gefährlicher geworden, auch wenn zu verzeichnen ist, dass Gewaltstraftaten gegen Polizeibeamte teilweise an Intensität gewonnen haben. Die Anzahl der verletzten Personen im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen bewegt sich seit Jahren auf einem konstanten Niveau. Im Jahr 2012 ist eine leicht rückläufige Tendenz erkennbar.

Potentielle Sicherheits- und Gefahrenmomente, auch für die Beamten im Einsatz, konnten durch im Vorfeld aufgestellte Sicherheitsgrundsätze bei relevanten Begegnungen sowie durch ein kompaktes Sicherheitsmanagement unter Beteiligung aller Verantwortlichen weitestgehend reduziert werden.

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig fordert unter anderem personalisierte Tickets bei Risikospielen, eine konsequente Durchsetzung von Stadionverboten und schnelle Bestrafungen. Sind diese Mittel aus Ihrer Sicht geeignet, um das Gewaltproblem einzudämmen, das bei einigen Leipziger Vereinen zumindest latent präsent ist?

Die genannten Maßnahmen sind grundsätzlich auch für die Erhöhung der Sicherheit in den Leipziger Stadien geeignet. Personalisierte Tickets tragen dazu bei, dass potenzielle Gewalttäter durch das erhöhte Identifizierungsrisiko abgeschreckt werden, Straftaten zu begehen. Dieses Mittel trägt zudem zur besseren Durchsetzung von Haus- und Stadionverboten bei. Selbstverständlich ist diese Maßnahme nicht für jede Begegnung angezeigt, sondern anlassbezogen bei brisanten Spielansetzungen anzuwenden. Haus- und Stadionverbote zeigen bei beständiger Durchsetzung eine präventive Wirkung, da die Betreffenden in der Regel erkannte Straftäter von zum Beispiel Sachbeschädigungen, Körperverletzungs- und anderen szenetypischen Delikten sind.

Diese beiden Mittel sind neben der professionellen Fanarbeit und dem Einsatz geeigneter Ordnern Handlungsmöglichkeiten für Vereine, um Gewaltprobleme in Stadien einzudämmen.

Seit längerer Zeit wird im Zusammenwirken mit der Staatsanwaltschaft Leipzig in geeigneten Fällen das beschleunigte Verfahren gegen Straftäter im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen durchgeführt, so dass eine zeitnahe staatliche Reaktion auf den strafrechtlichen Verstoß erfolgt.

Auch die Übergabe von Daten an berechtigte Dritte, zum Beispiel an Vereine und Stadionbetreiber, zur Wahrung ihrer Interessen und Ansprüche wie Stadionverbote oder Schadensersatzansprüche wird, unter Beachtung der Rahmenvorgaben des Datenschutzes, durchgeführt.

Wie schätzt die Polizei die Gewaltbereitschaft der Fanlager von RB Leipzig, 1. FC Lokomotive Leipzig, BSG Chemie Leipzig und der SG Leipzig Leutzsch ein?

Die gewaltbereiten Fanlager sind in Leipzig insbesondere beim 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig zu finden. Bei den Vereinen Roter Stern Leipzig und SG Leipzig Leutzsch sind nur vereinzelte gewaltbereite Fans zu verzeichnen. RB Leipzig besitzt derzeit keine gewaltbereiten Fans. Die Gewaltbereitschaft der Problemfans beim 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig ist fußballtypisch und mit anderen Fußballvereinen in den Regional- und Bundesligen vergleichbar.

Teil 2 des Interviews morgen an dieser Stelle.


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