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OBM-Kandidat Felix Ekardt antwortet auf Leserfragen: Energiepolitik

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    Südlich von Leipzig plant die MIBRAG ein neues Braunkohlekraftwerk zu bauen und durch einen neuen Tagebau Dörfer zu vertreiben, Landschaften zu zerstören und das Klima mit dem klimaschädlichen Energieträger zu schaden. Zu diesem Vorhaben fehlen der MIBRAG noch Investoren. In dem Zusammenhang werden auch die Stadtwerke Leipzig genannt. In Leipzig werden nur 2 % der elektrischen Energie durch eigene Solaranlagen gedeckt. Das Potential liegt bei rund 60 %. Aktuell gibt es nur 2 Bürgersolarstromanlagen in Leipzig. An geeigneten Dachflächen und Interessierten mangelt es nicht, allerdings verlieren sich Teile der Verwaltung in Kompetenzgerangel und Bedenken.

    Wo möchten Sie im Bereich Energiegewinnung (Strom und Wärme) ganz konkret gestaltend eingreifen?

    Die Förderung von Bürgeranlagen halte ich für sehr wichtig. Ich will alle einwohnerschaftlichen und unternehmerischen Anstrengungen zum Umsteuern auf regenerative Energien und zur Erreichung von mehr Effizienz (sowie von mehr Suffizienz) unterstützen: Die Menschen sollen von Konsument zu Produzent von Energiewerden.

    Einwohnerkraftwerke und dezentrale Energieerzeugung müssen gefördert und eine Einwohnerfinanzierung in Zusammenarbeit mit der Stadtsparkasse entwickelt werden. So können regionale Wertschöpfungsketten entstehen, die von hohem volkswirtschaftlichem Wert sind, da sie Kapital in der Region halten und Renditen vor Ort entstehen. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen solche Investitionen für sich und die öffentliche Hand befürworten, auch wenn die Renditen niedriger als auf dem internationalen Finanzmarkt sind.

    Sie haben einen guten Sinn für die besondere Gemeinwohlrendite dieser Investitionen. Hierzu ist auch eine stärkere administrative Vernetzung seitens der Stadt nötig. Neben der aktiven Unterstützung gilt es sämtliche Hemmnisse und Hürden von Seiten der Stadt zu beseitigen, die solchen Vorhaben entgegenstehen können. In Zusammenarbeit mit den Leipziger Hochschulen, Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen sollen auch innovative Methoden und Techniken zur Gestaltung der Energiewende einbezogen werden.

    Wie stehen Sie zu einer konsequent sozial-ökologischen Ausrichtung der Energiepolitik im Allgemeinen und der Stadtwerke im Besonderen?

    Leipzig sollte sich die Verwendung von 100 % erneuerbaren Energien zum Ziel setzen, was freilich nur mit entsprechenden Schritten bei Effizienz und Suffizienz möglich und sinnvoll ist. Denn auch die erneuerbaren Energien stehen nicht unendlich und auch nicht ohne Zielkonflikte zur Verfügung. Generell ist das Energie- und Klimathema bisher der Schwerpunkt meiner beruflichen Tätigkeit mit meinem Leipziger Institut, der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik.

    Dieses gesamte Ziel ergibt sich aus der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in Verantwortung für die Zukunft und ist mittelfristig unumgänglich. Ein schnelles Vorangehen schafft Arbeitsplätze, macht unabhängig von Energieimporten, ermöglicht Selbstbestimmung und schafft Planungssicherheit. Dies zu erreichen, bedarf einer enormen Anstrengung. Oberbürgermeister und Stadtrat müssen es als prioritäres Thema aufgreifen und in allen Lebensbereichen umsetzen.

    Dafür ist die Erstellung eines umfassenden und anspruchsvollen Energie-, Klima- und Verkehrsprogramms nötig, das zunächst den statistischen Energieverbrauch und die Klimagasemissionen jedes Leipziger Menschen in den Bereichen Ernährung, Mobilität, Wohnen, Freizeit sowie die anteilige Relevanz des Gewerbesektors identifiziert und darauf basierend eine umfassende Strategie und einen konkreten Zeitplan entwickelt.

    Den Kern bildet ein Bündel von Zielen, das zeigt, wie modernes Arbeiten und Leben in gegebenen ökologischen Grenzen ein Gewinn an Attraktivität für alle bedeuten kann.

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