Die Idee, die hinter dem Corporate Governance Kodex steht, ist eine ganz einfache. Städtische Eigenbetriebe und Gesellschaften an denen die Stadt mehrheitlich beteiligt ist, sollen so gesteuert werden, "dass der öffentliche Zweck nachhaltig und wirtschaftlich erfüllt wird". Wie das geschehen soll, war auf 29 Seiten teils in einem Amtsdeutsch zu lesen, dass es Wolf Schneider den Herztod bescheren würde. Deshalb dauerte es nun ein Dreivierteljahr, bis eine Neufassung zur Abstimmung kam, die durch eine klarere Gliederung deutlich verständlicher ist.
Malte Reupert war Mitglied der Grünen in der Arbeitsgruppe und
erklärte: „Wir können mit diesem Regelwerk zur guten
Unternehmungsführung eine offenere politische Kultur schaffen. Wir
stärken die Aufsichtsräte und holen Entscheidungen aus den
Hinterzimmern in den Aufsichtsrat.“ Dies sei in dem Entwurf der
Verwaltung im vergangenen Jahr nicht der Fall gewesen. „Ein gutes
Regelwerk macht allerdings noch keine gute Praxis, wir müssen es
umsetzen und ein gestärkter Aufsichtsrat ist noch kein kompetenter
Aufsichtsrat.“
Die Vorlage wurde den Stadträten erstmals in der Mammutsitzung vor
der Sommerpause 2012 zugemutet, zuvor war sie schon seit Mai in der
Dienstberatung des Oberbürgermeisters und in drei Sitzungen des
Verwaltungsausschusses beraten worden. Vertagt wurde sie zunächst
auf Bestreben der Grünen-Fraktion. Die Unzufriedenheit der
Fraktionen mit dem Ursprungstext ließ sich an den zahlreichen
Änderungs- und Ergänzungsanträgen ablesen und mündete in eine
Arbeitsgruppe die den Neuentwurf formulierte. Nun – ein Jahr später
– sind einige Klippen umschifft.
Überzogene Pensionsansprüche: Klage von Wilhelm-Georg Hanss
abgewiesen
Die Kammer für Handelssachen am Landgericht …
KWL-Skandal: BGH prüft Urteil des Landgerichts gegen Heininger
& Co.
Der Finanzskandal um die Kommunalen Wasserwerke …
Isabel Siebert wirkte für die FDP in der Arbeitsgruppe mit. „Wichtig war uns die Aufforderung an den Oberbürgermeister, ein Konzept bis Q1 2014 vorzulegen, das das Beteiligungsmanagement regelt. Weitere wichtige Punkte sind ein besseres Berichtsverfahren an den Stadtrat und die Änderung, dass ein Geschäftsführer vom gesamten Aufsichtsrat bestellt werden muss, nicht mehr von Präsidialausschüssen oder Ähnlichem.“ Ein weiteres Merkmal für Transparenz nannte Heiko Oßwald von der SPD: „Geschäftsführer-Gehälter müssen nun im Jahresabschluss ausgewiesen werden. Nicht nur deswegen bin ich froh, dass wir diesen Kodex nun abstimmen können.“
Einen Pferdefuß allerdings hat diese Selbstverpflichtung der
Stadt: Denn eigentlich schreibt der Kodex nur fest, was nach einem
moralischen Allgemeinverständis eh passieren sollte, bringt jetzt
lediglich einige Punkte noch einmal in rechtlich bindender Form zu
Papier. Dass moralisches Handeln in der Vergangenheit nicht immer
geschah, zeigen der KWL-Skandal um die mutmaßliche Veruntreuung von
290 Mio. Euro und überzogene Pensionsansprüche bei der LVB, die dem
Aufsichtsrat erst spät bekannt wurden. Ob die daraus abgeleiteten
Regeln nun solche Vorkommnisse verhindern können, muss sich zeigen.
Gültig sind nun jedenfalls erst einmal.
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