Leipzig soll bis 2016 seine Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt 2025 prüfen

Ganz so eilig wie Dresden muss man es ja nicht machen, findet die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat. Sie war schon mit dem Antrag vorgeprescht, dass Leipzig seine Bewerbung um den Titel Kulturhaupstadt Europas für das Jahr 2025 prüfen solle. Die Äußerungen der Verwaltung waren eher verhalten. Also legt die Linke jetzt noch einmal nach.

Die Linksfraktion hat ihren Antrag einfach noch einmal neu formuliert. Das Jahr 2015 soll die Verwaltung jedenfalls noch zum Faktensammeln haben. Man muss ja nicht gleich in den Ring springen, wie es die Landeshauptstadt Dresden getan hat, die bekanntlich aktuell im OBM-Wahlkampf-Modus ist.

„Der Oberbürgermeister wird beauftragt, weiterhin alle erforderlichen Fakten bis zum Jahr 2015 zu sammeln und zu werten. Der Ratsversammlung soll im 1. Quartal 2016 ein Bericht vorgelegt werden, der Grundlage einer Ratsentscheidung ist, ob der Prozess einer Bewerbung initiiert werden sollte“, heißt es jetzt im neuen Antrag der Linken.

Druck auf die Kombüse war ja erst gekommen, weil sich der Vergabemodus der EU-Kommission geändert hat, mit dem auch die neuen Mitgliedsstaaten ihren Platz im Reigen der Kulturhauptstädte bekommen. Dadurch vergrößert sich logischerweise der Abstand, in dem deutsche Städte eine Chance haben, den Titel für ein Jahr zu tragen, auch wenn es am Ende bis zu drei gleichzeitig sein dürfen.

Dass ausgerechnet die sächsische Landeshauptstadt Dresden vorpreschte, macht die Sache noch brisanter. Denn die Landeshauptstadt profitiert ja nicht nur davon, dass der teuerste Teil der Dresdner Kulturlandschaft in Trägerschaft des Freistaates ist (was den Haushalt der Stadt Dresden gewaltig entlastet), auch die aktuelle Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, die ebenfalls im Dresdner OB-Wahlkampf mitmischt, hat ihre Unterstützung zugesagt.

Aber tatsächlich sind noch ein paar Jahre Puffer, bis über die deutschen Bewerber entschieden wird. Da könnte sich auch Leipzig noch positionieren, vielleicht auch mal wieder auffallend und ausgefallen. Denn gesponserte Landeshauptstädte gibt es in allen 16 Bundesländern, eigenwillige Großstädte, die sich ihre reiche Kulturlandschaft richtig viel Geld kosten lassen, in dieser Dimension nur zwei – die andere ist Frankfurt am Main.

Also eins nach dem anderen, bescheidet sich auch die Leipziger Linksfraktion: „Im Jahr 2011 votierte der Stadtrat bereits über einen ähnlichen Antrag (V/A 147). Im Verwaltungsstandpunkt verwies das Dezernat Kultur auf die Evaluierung des Bewerbungsverfahrens der Europäischen Kommission. Ein Ergebnis war für 2012 in Aussicht gestellt. Mit erheblicher Verzögerung hat am 12. Dezember 2013 das Europäische Parlament über eine Neuregelung der Vergabe des Titels ‚Kulturhauptstadt Europas‘ abgestimmt. Der  Ministerrat hat am 24. März 2014 den überarbeiteten Vorschlag der EU-Kommission zur Weiterführung der Initiative ‚Kulturhauptstädte Europas‘ angenommen, der die Vergabe des Titels für die Jahre 2020 bis 2033 regelt. Für das Jahr 2025 darf Deutschland maximal drei Städte neben Slowenien, das ebenfalls für das Jahr 2025 vorgesehen ist, vorschlagen. Derzeit gibt es von zahlreichen Städten Bemühungen, eine Bewerbung vorzubereiten.“

Eigentlich korrespondiert der Antrag der Linken mit dem der CDU zur LTM. Denn die Frage ist ja auch: Wirkt Leipzigs reiches Kulturangebot auch so, wie es bezahlt ist? Wird es überregional vom Tourismusmarketing unterstützt? Macht das Marketing überhaupt genug aus dem, was Leipzig für teuer Geld zu bieten hat?

Da könnte die Bedenkzeit durchaus auch zu erhellenden Einsichten führen.

Oder wie es die Linksfraktion formuliert: „Leipzig sollte die grundsätzliche Frage, ob und wie eine Bewerbung als ‚Kulturhauptstadt Europas‘ sinnvoll ist, zeitnah prüfen. Für eine Bewerbung spricht die Chance, sich grundsätzlich und in einmaliger Intensität mit der kulturellen Identität unserer Stadt auseinander zu setzen. Ein solcher Prozess ist auch bei scheiternder Bewerbung von integrativer Bedeutung für die Stadtgesellschaft.“

Ein Jahr Bedenkzeit kann da recht hilfreich sein. Im vorhergehenden Beschluss wollte die Linksfraktion schon im ersten Quartal 2015 ein Ergebnis sehen. Aber da hat wohl auch der Kulturbürgermeister gestöhnt: „Genossen, das schaff ich beim besten Willen nicht.“


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