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Auch Gunter Weißgerber gesteht zu: Die Dokumentation zum Leipziger Denkmalswettbewerb hat Riesenlöcher

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    Die Stiftung Friedliche Revolution und das Archiv Bürgerbewegung waren richtig stolz, als sie am 18. Oktober vermeldeten, es gebe jetzt – um die Diskussion um das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal zu versachlichen – eine neue Dokumentation, erstellt vom ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Gunter Weißgerber. Und dann lasen wir die digitale Vorlage – und fanden einen Schweizer Käse vor.

    „Um den neuen Anlauf für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig zu versachlichen, haben die Stiftung Friedliche Revolution und das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Gunter Weißgerber gebeten, eine Dokumentation zum Thema zu erarbeiten. Sie soll zugleich allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern helfen, sich über die Entstehung der Denkmalsidee und über die vielfältigen Diskussionen auf dem Weg ihrer Verwirklichung zu informieren“, hatten Stiftung und Archiv gemeinsam vermeldet.

    Aber genau das leistet die Dokumentation nicht. Kann sie nicht leisten. Für Gunter Weißgerber ist es einfach ein Berg noch unbewältigter Arbeit. Ganz schüchtern weist er uns darauf hin, dass er das auch so sieht.

    „Wichtig für einen erneuten, zeitlich und örtlich völlig offenen Weg zum Denkmal ist die Kenntnis der Quellenlage, um daraus mögliche neuerliche Komplikationen und Fehler vermeiden zu helfen“, schreibt er auf seiner Homepage. „Der Archivbestand Weißgerber/FED ist hierbei Teil einer gesamten Quellenlage, die weiter zu erschließen ist. Gibt dieses Archiv wichtige Einblicke in die Koordinierung der drei Ebenen Bund-Freistaat-Leipzig, so steht noch die Erschließung der Stadt- und Freistaatsseite aus. Auch sind längst nicht alle öffentlichen Verlautbarungen, Kommentare und Diskussionen Teil der bisherigen Gesamtschau.“

    Noch längst nicht, eher ein eindeutig verkürzter Blick.

    Oder so formuliert: Die Dokumentation zeigt weder die „vielfältige Diskussion“, noch trägt sie zur Versachlichung der Diskussion bei.

    Sie zeigt nur, wie LVZ, Bild und Stadtverwaltung die Sache sahen. In der Regel einseitig und an vielen Stellen auch falsch. Wer jetzt wieder mit diesem Argumentationsstand einsteigt, läuft in die Irre.

    Auch wenn OBM Burkhard Jung jetzt in seiner Gnade die Verantwortung zur Findung einer neuen Denkmalsidee abgegeben hat an die Stiftung Friedliche Revolution, in deren Kuratorium er sitzt. Die bekam ja am Mittwoch, 18. Oktober, offiziell die Freigabe von 40.000 Euro vom Stadtrat, um den „Prozess der Entwicklung und Umsetzung eines breiten Beteiligungsprozesses mit dem Ziel der Erarbeitung eines Verfahrensvorschlages für den Stadtrat für die Realisierung eines Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmals“ zu organisieren.

    Das kann klappen. Vielleicht findet man dort die nötigen zwei unabhängigen Köpfe, die das schaffen. Und die vor allem auch den Mut haben, sich von den Vorstellungen von OBM Burkhard Jung zu lösen.

    Ein wenig hat der Stadtrat ja vorgearbeitet: Er hat das Dreier-Paket, das Burkhard Jung ursprünglich vorgelegt hat, auseinandernehmen lassen. Jetzt gibt es zwei verschiedene Beschlüsse und künftig noch einen dritten: Das eine ist die Entwicklung des südlichen Teils des Matthäikirchhofs zur Etablierung eines „Forums für Freiheit und Bürgerrechte“, so am Mittwoch, 18. Oktober, beschlossen. Das zweite ist die Aufgabenübertragung an die Stiftung Friedliche Revolution, jetzt einen neuen Denkmalsprozess in Gang zu setzen (siehe oben).

    Das dritte wird dann etwas komplizierter – da geht es um die Gesamtentwicklung des Matthäikirchhofs, die stark durch das beeinflusst wird, was beim „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ für architektonische Ideen gefunden werden.

    Bleibt die Frage nach der vollständigen Dokumentation, in die – unserer bescheidenen Meinung nach – auch die Gerichtsbeschlüsse zum Denkmalswettbewerb gehören, sämtliche Stadtratsreden, die Bürgerbefragungen der Stadt (auch wenn zum Ja und Nein des Denkmals nie befragt wurde), die überregionale Presse und die Protokolle der Workshops …

    Wenn man das alles überhaupt braucht und nicht den Mut hat, einen wirklich offenen künstlerischen Wettbewerb zu machen, also tatsächlich mal denen das Heft in die Hand zu geben, die sich mit künstlerischen Umsetzungen wirklich auskennen und die wirklich auch mal den Mut zu Neuem, Mutigem, Herausforderndem haben.

    Aber ich vermute mal: So viel Mut hat Leipzig nicht und die Idee wird schon in den ersten Workshops wieder weichgekocht. So wie 2013 die zum Sieger lancierte Apfelbäumchenwiese mit der Botschaft für Überflieger: „Keine Gewalt.“ Etwas anderes würde tatsächlich überraschen.

    Der Beschluss zum „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“.

    Die neue LZ Nr. 48 ist da: Zwischen Weiterso, Mut zum Wolf und der Frage nach der Zukunft der Demokratie

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