Die Poliklinik in Taucha wird unter Denkmalschutz gestellt. Das als „Gefolgschaftshaus“ des NS-Rüstungsbetriebes HASAG errichtete Gebäude sollte ursprünglich abgerissen werden. Auf dem Grundstück in der Graßdorfer Straße 13 wurden Parkplätze für ein neues Ärzt/-innenhaus geplant. Der SAfT e. V. hatte in einem im Oktober 2021 veröffentlichten Offenen Brief mit zahlreichen Unterstützer/-innen den Erhalt des Gebäudes gefordert.

In Folge der Veröffentlichung des Offenen Briefes „Kein Abriss des ehemaligen HASAG-Gebäudes in Taucha!“ wurde auch das Landesamt für Denkmalschutz auf die Pläne des kommunalen Wohnungsunternehmens aufmerksam, den Klinkerbau perspektivisch abzureißen.

Die Behörde kam nun zu dem Schluss, dass das als Ärzt/-innenhaus genutzte Gebäude als schützenswertes Denkmal ausgewiesen werden soll. Die Stadtverwaltung Taucha hat nun angekündigt, keine Einwände gegen diese Einschätzung und die Ausweisung als Denkmal vorzubringen.

„Die Nachricht, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird, hat uns sehr gefreut“, so Klaus-Dieter Jacob, Vorstandsmitglied von SAfT e. V.

Dank der gezielten Nachforschungen zur HASAG in Taucha des Historikers Martin Clemens Winter konnten auch neue Erkenntnisse zur früheren Nutzung des Tauchaer Gebäudes gewonnen werden. So war dies nicht, wie bisher angenommen, das Verwaltungsgebäude des örtlichen HASAG-Werks, sondern ein „Gefolgschaftshaus“ inklusive Betriebsküche.

Als letztes zentrales erhaltenes Gebäude des Tauchaer Werkskomplexes steht es auch symbolisch für die enorme Präsenz von der NS-Rüstungsindustrie und der damit einhergegangenen Zwangsarbeit in Taucha. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits zwei Flächen, auf denen früher Barackenlager für Zwangsarbeiter/-innen standen, als archäologische Bodendenkmale eingestuft wurden, wird so ein weiterer historischer Ort unter Schutz gestellt.

Kristian Luda, aktives Mitglied bei SAfT e. V., resümiert die Aktivitäten rund um die Bemühungen, das Gebäude zu erhalten: „Wir sehen den Denkmalschutz für das Objekt Graßdorfer Straße 13 als Erfolg unseres Engagements und bedanken uns bei allen Unterstützer/-innen. Der Erhalt war unser Hauptanliegen. Sollte es um Konzepte für eine zukünftige Nutzung gehen, bringen wir uns gerne weiter ein.“

Im Offenen Brief hatte der Verein eine Nutzung als soziokulturelles Zentrum und Ort für demokratische Zivilgesellschaft vorgeschlagen.

Der Erhalt der historischen Bausubstanz böte auch eine gute Gelegenheit, den Ort der geplanten Stolperschwelle am Marktplatz zu überdenken. Mit der Stolperschwelle soll an die Inhaftierten des KZ-Außenlagers erinnert werden. Diese waren von September 1944 bis April 1945 in Taucha inhaftiert und mussten für die HASAG Zwangsarbeit leisten. Der SAfT e.V. hatte das Vorhaben unlängst für mangelnden Ortsbezug und historische Unschärfe kritisiert.

„Auch wenn uns der ehemalige Standort des KZ-Außenlagers in der heutigen Matthias-Erzberger-Straße 3 nach wie vor am geeignetsten als Verlegeort scheint, könnte das Gebäude in der Graßdorfer Straße ein Kompromissstandort sein“, betont Kristian Luda.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

 

Vielen Dank dafür.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Empfohlen auf LZ

- Anzeige -

Keine Kommentare bisher

Gut so! Wenn dann die entsprechende Aufabreitung der dazugehörenden Historie ebenfalls erfolgen würde, die ja gerade mit (woher auch immer kommenden) 100 Milliarden deutschen Steuergeldes für Heckler und Koch und deren Waffen zur Lieferung in Kriesgebiete konterkarriert wird zum Schämen und Weinen für alle Menschen (und das sind weltweit fast alle!), die Frieden wollen und die aktuelle “Neudefinition” von Pazifismus als die Katatrophe erkennen, die es ist. Soll so Frieden werden??
Deutschland als Kriegstreiber, statt mit allen der Mitteln der Diplomatie als Freidenstifter vor Ort (vielleicht fehlt aber dafür schlicht das psychisch reife und fachliche ausgebildete und erfahrene
Personal?).

Schreiben Sie einen Kommentar