Mit einem dicken Ausrufezeichen vermelden die Handballerinnen des HC Leipzig ihre Saisonbereitschaft. Am Donnerstag besiegte das Team von Trainer Norman Rentsch im (wahrscheinlich) vorletzten Testspiel keinen Geringeren als den Championsleague-Sieger Györ ETO. "Ich denke, wir haben eine sehr beachtliche Leistung gezeigt.", befand auch HCL-Torhüterin Katja Schülke, die nach einem Jahr Babypause wieder zwischen den Pfosten steht.

“Alles andere als eine deutliche Niederlage wäre eine ziemliche Überraschung.”, hatte der neue HCL-Coach Norman Rentsch vor der Partie gegen die wohl beste Vereinsmannschaft der Welt verkündet. Doch es sollte diese Überraschung tatsächlich geben. Denn Leipzig ließ Györ über die gesamte Spielzeit kaum zur Entfaltung kommen und besiegte das ungarische Dreamteam – völlig verdient – mit 26:23.

“Wir sollten das Spiel nicht überbewerten.”, nahm Susann Müller die Niederlage ihres neuen Vereins gelassen. Die 26-jährige Nationalspielerin war in der Sommerpause vom HCL nach Györ gewechselt. Sie und ihre Kolleginnen hatten vor dem Anpfiff bereits einen langen Tag in den Knochen: “Wir sind heute früh um 3:30 Uhr aufgestanden, mit dem Bus nach Wien gefahren, sind dann hergeflogen und haben am Mittag noch trainiert. Von daher war es ganz okay.”
Ihren ehemaligen Kolleginnen bescheinigte Müller einen guten Auftritt und würdigte die starken Paraden von Katja Schülke. “Ich bin immer noch nicht bei 100 Prozent, aber es war ein gutes Spiel, das Motivation gibt.”, sieht die Torhüterin bei sich immer noch Luft nach oben. Dennoch fischte sie viele Bälle weg und verlieh ihrem Team damit spürbar Sicherheit. Das war auch deshalb wichtig, weil zum bestehenden Verletzungspech auch der kurzfristige Ausfall von Karolina Kudlacz verkraftet werden musste, die sich im Training eine Knochenabsplitterung am Zeigefinger zugezogen hatte.

“Durch die Ausfälle blieb uns eigentlich nur die 3-2-1-Abwehrformation. Ich denke, das haben wir gut gemacht.”, so Schülke. Ziel sei es gewesen, die wurfgewaltigen Rückraum-Asse aus Györ erfolgreich zu blocken und damit vermehrt Abschlüsse über die Außenpositionen zu provozieren. “Das ist auch so passiert und sie habe sehr viel verworfen. Das war ein Schlüssel zum Erfolg.”
Tatsächlich hatte Leipzig den Gegner meist im Griff, lag während des gesamten Spiels nur viermal im Rückstand (9:10/ 11:12/ 13:14/ 14:15). Von den 60 Minuten waren das insgesamt noch nicht einmal dreieinhalb Minuten. Vier wichtige Tore steuerte Linksaußen Helena Hertlein bei, die gemeinsam mit Kollegin Kaya Diehl (ohne Tor) von der HSG Bensheim-Auerbach zum HCL gewechselt war. Der Sieg gegen den Championsleague-Gewinner ließen ihre Augen leuchten: “Es war eine unglaublich tolle Leistung der gesamten Mannschaft.”, freute sie sich. “Es ist eine Bestätigung dafür, dass sich das harte Training auch auszahlt, und dass man auch mit dezimiertem Team gegen so eine Top-Mannschaft gewinnen kann. Da hat man richtig Bock weiterzumachen und weiterzutrainieren.”

Das persönliche Ziel der 21-Jährigen ist es vor allem, sich weiterzuentwickeln – und viele Siege einzufahren: “Ich will mit der Mannschaft eine ganz tolle Saison spielen. Ich bin ein totaler Mannschaftsspieler und finde es einfach geil, wenn man zusammen Spiele gewinnt.”

Damit kann es gern am 7. September schon losgehen, wenn der HCL zum Liga-Auftakt beim Buxtehuder SV ran muss (Anwurf 15 Uhr). Aber birgt dieser Sieg gegen Györ nicht auch die Gefahr, ein bisschen abzuheben? “Unser Trainer wird uns schon wieder zurückholen.”, vermutet Katja Schülke und weiß: “Wir sind gut beraten, weiter hart zu arbeiten und auf dem Boden zu bleiben. Denn heute gab’s keine Punkte. Aber das Spiel sollte uns sehr viel Auftrieb geben, denn wir haben viel vor in dieser Saison – und damit müssen wir nächste Woche anfangen.”
HC Leipzig vs. Györ Audi ETO 26:23 (13:12)
Freundschaftsspiel

HC Leipzig: Schülke, Roth – Visser (7), Mazzucco (3), A.Müller (1), Hertlein (4), Schulze (5), Lang (6), Diehl, Ioneac, Rösike. Trainer: Norman Rentsch.
Györ: Herr, Grubisic – Sen (1), S.Müller (4), Korsos, Görbicz (3), Kovacsics, Aguilar Diaz (2), Eduarda (8), Szimonetta, Orban (2), Szepesi, Milanovic Litre, Hornyak (2), Bognar-Bodi (1). Trainer: Gabor Danyi.

Schiedsrichter: Colin Hartmann/ Stefan Schneider. Zwei-Minuten-Strafen: HCL 4x (A.Müller, Lang, 2x Schulze), Györ 2x (Sen, Eduarda). Siebenmeter: HCL 6/5 (Visser 5/4, Schulze 1/1), Györ 6/3 (S.Müller 3/3, Görbicz 3/0). Zuschauer: 1.047 in der Arena Leipzig.

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