Es war ein gelungener Samstag für die Leipziger Hürdensprinter. Cindy Roleder unterbot ihre Hallenbestzeit gleich um vier Hundertstelsekunden. Erik Balnuweit holte sich seinen vierten Titel in Folge und auch Alexander John lief zu einer persönlichen Bestzeit in einem insgesamt schnellen Rennen. Die Flachsprinter brauchten sich ebenfalls nicht verstecken. Robert Hering rannte auf den Bronzerang hinter den Wattenscheidern Christian Blum und Julian Reus, der mit seinem neuen Deutschen Hallenrekord eines der Highlights setzte.

60 Meter Hürden der Frauen:
In ihrem “Wohnzimmer”, der Leipziger Arena, gab sich Cindy Roleder keine Blöße. Souverän wurde sie ihrer Favoritenrolle gerecht und angelte sich die goldene Plakette. „Es war schon ein ziemlich tolles Rennen, mit einer super Zeit. Das Starttraining hat mich einiges weitergebracht, auch wenn es am Start noch Potenzial gibt.“ Von einem Fehlstart der Konkurrenz ließ sie sich jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Sie habe gelernt auch in solchen Momenten die Konzentration sehr hoch zu halten.

So mancher hat seine Schwierigkeiten, die Heim-Meisterschaft als solche wahrzunehmen, da vieles läuft wie im Training. Roleder gefiel das sichtlich. „Ich habe heute gemütlich gefrühstückt und bin ausnahmsweise mit dem Auto zur Halle gefahren. Sonst erledige ich in dieser Fahrradstadt eigentlich viel mit dem Rad.“ Ob sie auch am Sonntag über die 200m an den Start gehen wird, wollte sie erst im Laufe des Abends mit ihren Trainern entscheiden.

Nicht nur Gold, sondern auch Meisterschaftsrekord für Cindy Roleder (mi.) im Hürden-Finale. Foto: Jan Kaefer
Nicht nur Gold, sondern auch Meisterschaftsrekord für Cindy Roleder (mi.) im Hürden-Finale. Foto: Jan Kaefer

60 Meter Hürden der Männer:
Es wurde nicht ganz das erhoffte Leipziger Podest, aber mit Erik Balnuweit als erwartetem Sieger in 7,61 Sekunden und Alexander John in neuer persönlicher Hallenbestzeit (7,64 s) gelang zweien der drei DHfK-Starter im Finale der Sprung aufs Treppchen. „Ich bin froh, dass ich mitlaufen konnte, nach dem Vorlauf hatte ich Adduktoreneprobleme, ein großes Dankeschön gilt dem Physiotherapeuten, der mich fit gekriegt hat“, verriet Alexander John im Zielraum.

Erik Balnuweit sagte, er habe seine Konzentration voll auf den Start gelegt. „Ich wusste, wenn ich an der ersten Hürde vorne bin, wird es für die anderen ganz schwer.“ Nun gelte es, bis zu den Olympischen Spielen so wenig Risiko zu einzugehen wie möglich. Die Hallen-WM ist daher für ihn kein Thema. Als dritter Teilnehmer schaffte es Maximilian Bayer, im Vorlauf seine persönliche Bestzeit auf 7,78 Sekunden zu steigern. Vier Hundertstelsekunden langsamer lief er im Finale, was letztlich Platz fünf für ihn bedeutete.

Vierter Hallen-Titel in Serie: Erik Balnuweit bejubelt Gold, während sich Alexander John (li.) über Silder und eine neue persönliche Bestzeit freuen konnte. Foto: Jan Kaefer
Vierter Hallen-Titel in Serie: Erik Balnuweit bejubelt Gold, während sich Alexander John (li.) über Silder und eine neue persönliche Bestzeit freuen konnte. Foto: Jan Kaefer

60m Sprint der Männer:
Julian Reus (TV Wattenscheid) – 6,52s neuer Deutscher Hallenrekord
Robert Hering (SC DHfK Leipzig) – 3.Platz 6,69 Sekunden
Roy Schmidt (SC DHfK Leipzig) – 7.Platz 6,71 Sekunden (PB)

Robert Hering (re.) fliegt im 60m-Finale zu Bronze. Foto: Jan Kaefer
Robert Hering (re.) fliegt im 60m-Finale zu Bronze. Foto: Jan Kaefer

Es stand vor dem Rennen fast fest, die beiden Wattenscheider Julian Reus und Christian Blum würden schwer zu schlagen sein. Mit dem neuen Deutschen Hallenrekord (6,52 s) unterstrich Reus dies eindrucksvoll. Robert Hering verteidigte seinen dritten Platz in der Deutschen Bestenliste und lief in 6,69 Sekunden zu Bronze. Er wird definitiv über die 200m starten, die sogar noch eher seine Disziplin sind. „Ich nehme mir für morgen vor 21,00 Sekunden zu laufen. Ich war noch sie so gut in der Halle und hoffe das auch auf den 200 Metern zu bestätigen.“ Dieser Winter laufe für ihn stimmig und das Publikum trage einen Teil zur Motivation bei.

Als zweiter Leipziger im 60m-Finale legte Roy Schmidt eine seiner besten Zeiten auf die blaue Bahn. Foto: Jan Kaefer
Als zweiter Leipziger im 60m-Finale legte Roy Schmidt eine seiner besten Zeiten auf die blaue Bahn. Foto: Jan Kaefer

1.500 Meter Frauen:
Astrid Hartenstein (SC DHfK), 1.500m VL – 4:29,35 min (PB/indoor)

Erst zu Jahresbeginn war Astrid Hartenstein vom LV Gera zum SC DHfK Leipzig gewechselt. Somit ging die 28-Jährige zum Vorlauf am Samstag als Lokalmatadorin an den Start. Den schnelleren der beiden Vorläufe konnte die Uni-Mitarbeiterin kontrolliert über die Runden bringen. „Ich hatte den großen Vorteil, dass ich erst im zweiten Lauf dran war, da kannte ich schon die Zeiten vom vorherigen Vorlauf  und konnte das Rennen besser einteilen.“ Denn auf den 1.500 Metern ist die Taktik von besonderer Bedeutung, das hatte auch DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska auf der Pressekonferenz vergangenen Donnerstag betont. Für den Finallauf am Sonntag lässt sich Hartenstein alle Optionen offen: „Das Ziel ist, von der Platzierung her möglichst weit nach vorne zu laufen.“

DHfK-Neuzugang Astrid Hartenstein (#398) darf am Sonntag im Finale über 1.500 Meter noch einmal ran. Foto: Jan Kaefer
DHfK-Neuzugang Astrid Hartenstein (#398) darf am Sonntag im Finale über 1.500 Meter noch einmal ran. Foto: Jan Kaefer

800 Meter Frauen:
Linda Strigenz (SC DHfK), 800m VL – 2:12,03 min (ausgeschieden) = 15. Platz
Nach ihrer einjährigen Verletzungspause wollte sich die erst 17-jährige Linda Strigenz in der heimischen Arena an die großen Vorbilder herantasten. Das gelang ihr nur bedingt, so dass die Leipzigerin nach ihrem Ausscheiden im 800m-Vorlauf ein ernüchterndes Fazit zog: „Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit meiner Leistung, war allein in der Mitte und dort fiel es mir schwer, selber etwas zu machen. Ich habe zu schnell abreißen lassen. Ich dachte, es wäre ein bisschen mehr drin und wollte 2:10 Minuten laufen, um wieder ran zu kommen. Bei den Größeren mitzulaufen war auf jeden Fall cool, ich dachte aber, dass ich noch mehr dran bleiben kann.“

Unzufrieden mit sich selbst: Linda Strigenz (re.) wollte im 800m-Vorlauf zwei Sekunden schneller unterwegs sein. Foto: Jan Kaefer
Unzufrieden mit sich selbst: Linda Strigenz (re.) wollte im 800m-Vorlauf zwei Sekunden schneller unterwegs sein. Foto: Jan Kaefer

Josefine Röhner (SG MoGoNo), 800m VL – 2:13,69 min (ausgeschieden) = 19. Platz
Auch die zweite Leipzigerin im 800m-Feld hätte sich ihren Auftritt vor heimischem Publikum anders vorgestellt. Bei ihrer Meisterschaftspremiere startete Josefine Röhner wie die Feuerwehr, musste ihrer forschen Attacke aber spätestens in der Schlussrunde Tribut zollen. „Es war nicht mein Rennen. Ich bin viel zu schnell angegangen, ich weiß auch nicht, was da mit mir los war. In der letzten Runde kam ich gar nicht mehr hinterher. Die Zeit ist zwar nicht grottenschlecht, aber ich wollte eigentlich in den Bereich meiner Bestzeit, 2:10 bis 2:11 Minuten. Auch die Platzierung sah richtig schlecht aus. Das war mir ein bisschen peinlich“.

Nach Blitzstart ging Josefine Röhner (SG MoGoNo) im 800m-Vorlauf die Puste aus. Foto: Jan Kaefer
Nach Blitzstart ging Josefine Röhner (SG MoGoNo) im 800m-Vorlauf die Puste aus. Foto: Jan Kaefer

Kugelstoßen der Frauen:
Laura Jokeit (SC DHfK), 15,52 Meter = 5. Platz

Erstmals nach ihrer überstandenen Verletzungspause stand Laura Jokeit bei einer Deutschen Meisterschaft im Leipziger Trikot im Ring. Diese Premiere hielt für die 19-Jährige, die zu Jahresbeginn aus Wattenscheid an die Pleiße gewechselt war, noch Steigerungspotenzial bereit. Das sah auch ihre Trainerin Katja Schreiber so: “Der 5. Platz ist okay, aber von der Weite her hätte ich mir ein bisschen mehr erhofft. Laura hat sich Saisonbestleistung vorgenommen, wollte an die 16 Meter ran. Sie hatte zwar wegen Knieproblemen nur eingeschränkt trainieren können, trotzdem wäre mehr drin gewesen. Sie hat dann ein wenig den Faden verloren. Aber wir sind noch in der Analyse”.

Die erste Meisterschaft im DHfK-Trikot ließ bei Laura Jokeit noch Luft nach oben. Foto: Jan Kaefer
Die erste Meisterschaft im DHfK-Trikot ließ bei Laura Jokeit noch Luft nach oben. Foto: Jan Kaefer

Am Sonntag schließlich stehen neben den Rennen mit Leipziger Beteiligungen (200 Meter Männer und eventuell Frauen sowie das Finale über 1.500 Meter der Frauen) die Rückkehr von Ariane Friedrich im Hochsprung, sowie der Stabhochsprung der Männer auf dem Plan. Außerdem wird Kugelstoßweltmeister David Storl (SC DHfK Leipzig) ab 14 Uhr eine Autogrammstunde am Stand von Plan international geben.

Alle Ergebnisse der DHM:
www.dlv-xml.de/Storage/EventFiles/16L00000001505101/3771.pdf

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