„The Power of Museums“ lautet das Motto des nunmehr 45. Internationalen Museumstages. Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ beteiligt sich am Sonntag, den 15. Mai 2022, ebenfalls daran und begibt sich mit einem Standrundgang auf die Spuren der Friedlichen Revolution, andererseits bietet sie mit ihrem Geländerundgang „Stasi intern“ ungewöhnliche Wege durch die ehemalige Leipziger Stasi-Zentrale.

Für viele Menschen sind Museen Orte des Erinnerns, des Lernens oder des Nachdenkens. Museen, die sich mit der Vergangenheit beschäftigen, müssen sich jedoch auch des oft gehörten Vorurteils erwehren, verstaubt und in der Vergangenheit verhaftet zu sein. So hören wir als Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ gerade in den letzten Jahren immer wieder, wir hätten die Friedliche Revolution und die Erinnerung an die SED-Diktatur im Museum quasi konserviert, statt uns den aktuellen Problemen zu öffnen.

Immer dann aber, wenn wir in den aktuellen gesellschaftlichen Debatten historische Erfahrungen bemühen oder die heutigen Entwicklungen mit früheren in Beziehung zueinander oder gar gleichsetzen wollen, sind gesicherte Fakten und Wissen zu den historischen Ereignissen für eine ehrliche Auseinandersetzung unabdingbar.

Museen und Gedenkstätten an authentischen Orten bieten mit ihren musealen Sammlungen von Zeitzeugnissen, den Ausstellungen und Veranstaltungen sowie vor allem mit den historisch erhaltenen Räumlichkeiten und Gebäuden einen geradezu idealen Rahmen, um sich der Ereignisse der Vergangenheit zu vergewissern und auf dieser Basis Schlussfolgerungen für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Darin liegt die einmalige Kraft dieser Form der Vermittlung.

Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, die sich mit der Geschichte von 45 Jahren kommunistischer Diktatur in der SBZ und DDR sowie der Überwindung dieser Diktatur durch die Friedliche Revolution von 1989 befasst, hat auch am Internationalen Museumstag im Sinne des Mottos „The Power of Museum“ eine Reihe von Angeboten organisiert. Im Zentrum steht die mögliche vom Leipziger Stadtrat beschlossene Entwicklung des Areals der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung zu einem „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“.

Ausgehend von den drei an diesem Ort virulenten Themen „Repression in der SED-Diktatur – Friedliche Revolution gegen die SED-Diktatur – Aufarbeitung der SED-Diktatur“ kann sich hier ein wichtiger Ort der Selbstvergewisserung der Bedeutung von Freiheit und Bürgerrechte in Gegenwart und Zukunft entwickeln. Dies setzt aber voraus, dass die noch erhaltenen historischen Gebäude und Sachzeugnisse als Ausgangspunkt und Rahmenbedingung in angemessener Form erhalten bleiben, um die Erinnerung auch in der Zukunft emotional erlebbar zu halten und künftig als Basis der Auseinandersetzung mit Geschichte und deren Vermittlung in die Zukunft dienen kann.

Rundgänge über das Areal der ehemaligen Leipziger Stasi-Zentrale am früheren Matthäikirchhof

Am Sonntag, den 15. Mai 2022, können Besucher wieder hinter die Kulissen der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ blicken und durch die Räume im Altbau Dittrichring 24 sowie im Saalbau Goerdelerring 20 gehen, die ebenfalls zur ehemaligen Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung gehören. Die besonderen Rundgänge unter dem Motto „Stasi intern. Vom Keller zum Boden und anderen Orten des (un)heimlichen Gebäudekomplexes“ finden um 11.00 Uhr und 14.00 Uhr statt.

Auf dem Areal der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig gibt es schließlich neben den Büros der Stasi-Offiziere, in denen die Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ gezeigt wird, und dem Saalbau mit der stasieigenen Kegelbahn oder dem Kinosaal, in dem die Ausstellung „Die Friedliche Revolution in Leipzig“ zu sehen ist, noch wesentlich mehr original erhaltene Räumlichkeiten.

Im Stasi-Neubau, der Mitte der 1980er Jahre errichtet wurde, befinden sich beispielsweise im zweiten Keller verbunkerte Schutzräume für den Ernstfall. Original erhalten sind auch das Büro des Leipziger Stasi-Chefs, der Wartebereich der stasieigenen Poliklinik oder der Paternoster-Aufzug. Auch Überbleibsel der einstigen Aktenvernichtung können noch entdeckt werden.

Wege durch Leipzig und seine Geschichte

Um 11.00 Uhr findet der Stadtrundgang „Auf den Spuren der Friedlichen Revolution“ statt, bei dem die Teilnehmer zusätzlich zur „Runden Ecke“ auch die anderen Schauplätze der Ereignisse des Herbstes 1989 kennenlernen. Der Rundgang beginnt am Nikolaikirchhof, wo schon im Frühjahr ’89 der Ruf nach Freiheit laut wurde. Von dort führt er über den Augustusplatz zu markanten Punkten der Leipziger Innenstadt, an denen die historische Entwicklung des Jahres 1989 aufgezeigt wird. Die Besucher durch- und erlaufen sich damit die Chronik des Herbstes ’89 und erleben wie sich Leipzig seitdem entwickelt hat. Treffpunkt ist das Hauptportal an der Nikolaikirche.

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