Es wird zwar viel und heftig über die Zukunft des Matthäikirchhofes diskutiert. Aber bis die Pläne endlich in trockenen Tüchern sind und abgerissen und/oder losgebaut werden kann, werden wohl doch noch zehn Jahre ins Land gehen. Aber was soll bis dahin passieren, wo doch kaum ein Leipziger den Matthäikirchhof überhaupt kennt?

Das hatten die Grünen mit einem Antrag zu Thema gemacht. Denn wenn auch noch eine sinnvolle Bürgerbeteiligung stattfinden soll, dann sollten die Leipziger/-innen schon wissen, wie dieses Gelände, auf dem der Stasi-Bau wie eine „monströse Festung“ steht, wie Katharina Krefft am 13. April sagte, heute aussieht.

Weshalb man die zehn Jahre dafür nutzen sollte, den kaum noch als einstigen Kirchhof erkennbaren Platz mit unterschiedlichen Angeboten zu bespielen, die Menschen hierherlocken – von Schauwerkstätten über Reparatur-Cafés bis hin zu kulturellen Angeboten.

Die Anregungen stammen aus den Workshops, die bereits stattgefunden haben.

„Im und außerhalb des Rahmens der Bürgerbeteiligung zum Matthäikirchhof lernen die Leipziger/-innen den Matthäikirchhof kennen. Sie besuchen den Ort, sie erleben die Dimension, sie werden durch die großflächige Fotoausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums inspiriert und bringen sich mit vielfältigen Gedanken zum Beispiel in der Online-Befragung ein. Bei den bislang drei Workshops mit ausgewählter Teilnehmerschaft wurden wichtige Ideen aufgezeichnet und speisen die Vorbereitungen für das städtebauliche Konzept“, begründeten die Grünen ihren Antrag zum Matthäikirchhof.

„Mit dem vierten Workshop am 07.10.21 wird dieser Prozess einen vorläufigen Abschluss finden, die Stadtverwaltung wird dann die Ausschreibung für den internationalen städtebaulichen Wettbewerb – gewissermaßen im Kämmerlein – vorbereiten.“

Man merkt, wie lange auch dieser Antrag durch die Ämterinstanzen unterwegs war, bevor das Stadtplanungsamt seine – positive – Stellungnahme dazu abgegeben hat und das Ganze in die Ratsversammlung kam.

„Der Matthäikirchhof war stets reich an mannigfaltigen Nutzungen – genau dieses spiegelt sich auch in der Beteiligung wider. Damit die Ideen auf dem Weg zur erst in zehn Jahren avisierten Umsetzung nicht verloren gehen, die Beteiligten ihre Ideen schon heute probieren und erleben können und die Leipziger/-innen und Gäste den Ort bereits vorläufig in Beschlag nehmen, schlägt die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen vor, die Belebung bereits heute zuzulassen und anzuregen“, hieß es im Antrag der Grünen.

„Dazu sind Räume auf Nutzbarkeit zu prüfen und beispielsweise für Maker Spaces und Upcycling-Stationen zu vermieten. Der offene Ort – unter freiem Himmel –  kann durch Filmvorführungen oder Märkte in Erlebnis gesetzt werden. LED-Filmtechnik, Bestuhlung, Ausstellertische – all diese Grundausstattungen sollen dazu vorgehalten werden / Dienstleister/-innen in einem Rahmenvertrag gebunden werden. Temporäre gastronomische Angebote sollen gezielt angeworben werden. – Mit der künstlerischen Bespielung des Ortes soll zur Auseinandersetzung mit der spannenden Geschichte des Matthäikirchhofes als tragendem Ort des Stadtgeschehens eingeladen werden.“

Bis zum Sommer will die Stadt Vorschläge machen

Ein Anliegen, das die Verwaltung positiv aufgenommen hat. Das Stadtplanungsamt hat dann für sich aufgeschrieben, was in nächster Zeit ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann. Will aber trotzdem erst einmal prüfen, zum Beispiel die „Möglichkeiten für kurzfristige Nutzungsangebote in der bestehenden Bebauung im Bereich des Matthäikirchhofs: bis Ende 2. Quartal 2022“ und die „Möglichkeiten für kurzfristige Nutzungsangebote in den Außenbereichen des Matthäikirchhofs: bis Ende 2. Quartal 2022“.

Prüfen will man auch die „finanziellen Auswirkungen von möglichen Zwischennutzungen sowie die Art der möglichen Zwischennutzungen für den verpachteten Parkplatz zwischen Großer Fleischergasse und dem Gebäude ‚Großer Blumenberg‘: bis Ende 2. Quartal 2022“.

Ein Vorschlag, den sich die Grünen gar nicht getraut haben vorzubringen, denn bis heute stehen ja die Autos auf der Großen Fleischergasse an jedem Shopping-Tag Schlange, um auf diesem Parkplatz unterzukommen. Die Schließung des Parkplatzes würde eine Menge Autoverkehr aus der Innenstadt herausbringen.

Prüfen will die Stadt auch die „Möglichkeiten für gastronomische Angebote: ab 2. Quartal 2022“ und falls notwendig die „Bildung eines Sonderbudgets: für HH 2023, Anmeldung 4. Quartal 2022“.

Ein Thema, das kurz noch einmal auftauchte, als Linke-Stadträtin Mandy Gehrt sich zu Wort meldete.

Und die Stadt will sich „mit dem Fördermittelgeber zur Förderung im Zusammenhang mit dem Förderprojekt Matthäikirchhof“ abstimmen. Auch das soll bis Ende 2. Quartal 2022 passieren. Womit sich die Verwaltung selbst eine erstaunlich kurze Frist gesetzt hat, um hier die Dinge in Bewegung zu setzen.

Aber wenn sie das hinbekommt, könnte auf dem ziemlich toten Gelände für ein paar Jahre durchaus Leben einziehen und manche Leipzigerin und mancher Leipziger angeregt werden, sich selbst Gedanken zu machen, welche Zukunft dieses Stückchen Stadt einmal bekommen soll.

Grünen-Stadträtin Katharina Krefft begrüßte die Stellungnahme der Stadt und schlug sie auch zur Abstimmung vor. Und die wurde dann auch – mit den üblichen Gegenstimmen von ganz rechts außen – von der Ratsversammlung mehrheitlich angenommen.

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