Ausgefahrene Wege verlassen: Konsum Leipzig läutet neue Ära ein

Wolfgang Wille ist das, was man einen „alten Hasen“ in Sachen Wirtschaft nennt. Seit 2004 ist der gebürtige Saarländer Mitglied des Konsum-Aufsichtrates und seit Anfang vorigen Jahres ist der 72-jährige Vorstand des Aufsichtsrates. Mit dem Ausscheiden von Petra Schumann, die als einer der beiden Vorstände fungierte, soll bei der Genossenschaft eine neue Ära eingeleitet werden.

Petra Schumann war so etwas wie ein lebendes Monument, das im historischen Gemäuer in der Konsum-Zentrale über allem zu thronen schien. Unverrückbar. Doch Denkmäler haben nun mal die Eigenschaft unverrückbar, also unbeweglich zu sein. Über Vergangenheit und Zukunft des Konsum sprach die L-IZ mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Wolfgang Wille.

Diese Unverrückbarkeit war es auch, die dazu führte, dass Petra Schumann von ihrem Posten als Vorstand zurücktreten musste. 40 Jahre Konsum, davon fast 14 Jahre als Vorstand prägen eben. Ein ganzes Berufsleben in nur einer Firma, das birgt natürlich auch die Gefahr eines Tunnelblicks. Heißt: Es gibt nur eine Richtung, und zwar die eigene. Mit 30.000 Genossenschaftsmitgliedern in vier Bezirken, 71 Filialen, davon 65 in Leipzig, rund 850 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 96 Millionen Euro netto ist Konsum der Platzhirsch unter den Einzelhändlern der Region. Ein Renommé, das verpflichtet. So sieht es jedenfalls Wolfgang Wille, Aufsichtsratsvorsitzender bei Konsum, über die neue Ausrichtung des Unternehmens.

Betrachten Sie Discounter als direkte Konkurrenz?

Nein, wir sind kein Discounter und werden das auch nicht sein. Wir sind zwar effizient und können noch etwas lernen, um Dinge anders zu machen, als in den letzten 25 Jahren. Dennoch bleiben wir Einkaufsstätten, die attraktiv für Kunden sind und in welchen der Kunde umfassend beraten wird. Das ist nicht discountertypisch.

Die regionale Verwurzlung ist eines Ihrer Markenzeichen.

Wir sind regional verwurzelt, bieten frische regionale Produkte, das muss auch entsprechend umgesetzt werden, damit in wenigen Tagen die Produkte gekauft werden und durch neue frische Produkte ersetzt sind. Aldi, Lidl, Netto, Rewe, Kaufland sind andere Kategorien. Die setzen Milliarden um, Konsum ca.100 Millionen. Dahin wollen wir nicht, das wäre verwegen. Unser Unternehmen soll so wachsen, dass es nachhaltig gesund ist. Und Konsum darf nicht stagnieren. Das ist wie mit einem Fahrrad: Fährt es nicht, kippt es um. Wenn ein Unternehmen sich nicht verändert und immer nur das macht, was man immer gemacht hat, kann es so gesund sein, wie es will, es wächst nicht mehr und lebt in Zukunft von der Substanz.

Rund 40 Jahre war Frau Schumann im Betrieb, davon fast 14 Jahre im Vorstand. Aufgebaut wurde Konsum von Stephan Abend.

Ja. Stephan Abend war damals als Vorstandsvorsitzender alleinvertretungsberechtigt und konnte auch allein entscheiden. Petra Schumann jedoch war lediglich Vorstandssprecherin und hat dennoch das Alleinentscheidungsrecht für sich beansprucht.

Was satzungsgemäß so nicht richtig ist?

Ja, denn es gibt gemäß Satzung und Geschäftsordnung für den Vorstand seit 2004 zwei gleichberechtigte Vorstände, was so aber nicht gelebt wurde. 1998 hat Stephan Abend Petra Schumann geheiratet und vier Jahre später zum Vorstand gemacht. Das ist damals schon in Leipzig diskutiert worden, dass Konsum ja kein Familienunternehmen sei, wo man die junge Ehefrau kurz vor dem eigenen Ruhestand als Vorstand einsetzt. 2004 ist sie Nachfolgerin von Herrn Abend geworden. Sie war dann jedoch nur Sprecherin des Vorstandes. Das hat sie verwechselt, dachte, als Sprecherin hat man das Sagen. Und im gleichen Stil wie Stephan Abend hat sie den Konsum weitergeführt.

Welche Probleme waren damit verbunden?

Wenn man nur Konsum gemacht hat und nichts anderes kennt, sich gegenüber neuen Ideen verschließt, dann birgt das die Gefahr, dass man im alten Trott weitermacht, dass das Unternehmen stagniert und irgendwann auch die Betriebsergebnisse sinken.

Ist das schon vorgekommen?

Das war so 2014, als das Betriebsergebnis wesentlich schlechter war als 2013. Es gab weniger Kunden. Zahlen werden am 9. Mai in der Vertreterversammlung genannt. Neuen Ideen war der Konsum unaufgeschlossen. Unter Stephan Abend mag das seine Richtigkeit gehabt haben, als in der schwierigen Aufbauzeit jemand da war, der das Sagen hatte. Alle anderen haben gehorcht. Das geht aber in der heutigen Zeit nicht mehr. Das haben wir auch Petra Schumann so vermittelt, ihr darzulegen versucht, dass es zwei gleichberechtigte Vorstände gibt, die gemeinsam entscheiden.

Wie ist der Konsum jetzt aufgestellt?

Der Konsum ist so gesund, der hätte den Stillstand noch einige Jahre verkraftet, mit den Rücklagen und dem Eigenkapital, die er hat. Doch mit dem Kapital wurde nicht gearbeitet. Das Geld wurde weniger in Erneuerung der Filialen und in Aufbau von neuen Filialen investiert, sondern als Geldanlage zu Zinsen, die unter der Inflationsrate liegen, bei Banken deponiert. Das ist ja nicht der Sinn eines Unternehmens. Man muss auch Risiken eingehen und nicht nur den Bestand verwalten, sonst ist man am Ende.

Die Konsumzentrale in der Industriestraße. Foto: Matthias Weidemann

Die Konsumzentrale in der Industriestraße. Foto: Matthias Weidemann

Wurde das dem Vorstand kommuniziert?

Der Aufsichtsrat hat versucht, Frau Schumann beizubringen, dass beide Vorstände zu entscheiden haben. Außerdem soll man den Mitarbeitern nicht nur sagen, was sie zu tun haben, sondern ihnen auch einen Entscheidungsrahmen zubilligen. Das weckt Potenziale, die sonst verschüttet werden. So entscheidet der verantwortliche Mitarbeiter innerhalb seines Bereiches und erstattet dann quartalsweise Bericht, was er innerhalb seines Projektes verwirklich und erreicht hat. Das muss er dann verantworten. Und, es gibt kreative Köpfe im Unternehmen, die vorher nicht genutzt wurden. Das war eines der Hauptthemen, die wir diskutiert hatten.

Als ich dann Anfang Mai letzten Jahres den Vorsitz des Aufsichtsrates übernahm, sagte ich ihr, dass der Aufsichtsrat sie und Dirk Thärichen, den sie sich ja als Vorstand gewünscht hatte, als gleichberechtigte Vorstände agieren sehen wollte und sie nicht wie bisher bei den beiden Vorgängern in der Praxis gegen die Regelung in der Geschäftsordnung das alleinige Sagen behalten könne.

Wir wollen jemanden, der seine Rolle so versteht, wie die Satzung das vorsieht und wir das sahen: Jemand, der die Mitarbeiter mit einbindet. Das wäre mit Petra Schumann und einem weiteren Vorstand, der nur als Buchhalter agiert und nicht mit entscheidet, nicht gegangen. Wir wollten einfach ein angstfreies Unternehmen, in dem ein verantwortungsbewusster Mitarbeiter auch seinem Vorgesetzten sagen kann, wenn dieser einen Fehler macht oder eine falsche Entscheidung trifft. Das ist sogar die Pflicht des Mitarbeiters und im Sinne des Unternehmens. Die Loyalität zum Unternehmen verpflichtet ihn dazu. Wenn ein Vorgesetzter damit nicht umgehen kann und so etwas abstraft, dann ist nicht der Mitarbeiter an der falschen Stelle, sondern der Vorgesetzte.

Wie ist das also mit dem Ausscheiden von Frau Schumann vonstatten gegangen?

Neun Monate lang habe ich zusammen mit meinem Stellvertreter die Arbeit des Vorstandes begleitet. Alle sechs Wochen haben wir mit den Vorständen besprochen, wie funktioniert dieses und jenes, wie wird zusammengearbeitet. Wir haben festgestellt, dass unter der Führung von Frau Schumann die Zusammenarbeit auf gleichberechtigter Basis nicht stattfindet, nicht umgesetzt wird und nicht möglich ist. Dann haben wir die Grundsätze der Zusammenarbeit festgelegt, was Petra Schumann auch durch ihre Unterschrift unter die Regeln zwar anerkannt, aber immer noch nicht umgesetzt hat. Sie hat einfach weitergemacht, wie bisher.

Dann haben wir gesagt: Wenn der Konsum wie bisher von Petra Schumann geleitet wird, dann wird er vielleicht noch vier Jahre aufgrund des bereits erwirtschafteten Vermögens durchhalten, dann aber im Jahre 2019, wenn Frau Schumann abtritt, einbrechen. „Miss Konsum“ ist nicht mehr da, also geht der Konsum den Bach runter. Das wollten wir nicht. Aber klugerweise billigt es die Satzung dem Aufsichtsrat zu, Vorstände einzustellen oder zu entlassen.

So ist es dann auch gekommen?

Ja, Frau Schumanns Vertrag sah in dem fünfjährigen Zeitraum auch vor, dass ihr ordentlich gekündigt werden konnte. Das heißt, wenn man ihr kündigt, muss man sie nicht weitere vier Jahre bezahlen. Der Aufsichtsrat hat einstimmig beschlossen, dass ihr ordentlich gekündigt wird, sodass Frau Schumann ihr Gesicht wahren konnte und keine schmutzige Wäsche gewaschen werden musste. Wir wollten weder dem Konsum schaden, noch Petra Schumann. Wir waren einstimmig der Meinung, dass Petra Schumann in der Zukunft dem Unternehmen nicht gut tun würde und dass eine Person von außen kommen muss .Diese Person hat der Aufsichtsrat gefunden und Michael Faupel einstimmig zum Vorstand als Nachfolger von Frau Schumann bestellt.

Mit einer neuen Sichtweise auf das Unternehmen?

Ja. Michael Faupel wird zusammen mit Dirk Thärichen den Konsum nicht zum Discounter machen, sondern in gewissen Bereichen einfach effektiver. Wer wie Frau Schumann nur Konsum gelernt hat und sagt, dass bisher doch alles gut gewesen sei und nichts geändert werden sollte, der wird zusammen mit den Mitarbeitern keine selbstkritische Analyse machen und Fehler eingestehen, die er selbst gemacht hat. Eine derartige Analyse ist aber Voraussetzung dafür, es in Zukunft besser machen zu können.

Herr Michael Faupel wird im August als Vorstandspartner von Herrn Thärichen einsteigen?

Ich gehe davon aus, dass wir ihn bereits am 1. Juli 2015 mit an Bord haben. Er wollte ja zurück in den Lebensmitteleinzelhandel und zurück nach Leipzig, wo er herkommt. Er hat 20 Jahre in führender Position im Lebensmitteleinzelhandel gearbeitet, u.a. in Leipzig und freut sich auf die neue Aufgabe. Wir versprechen uns von ihm, dass er zusammen mit Herrn Thärichen den Konsum als Tandem führt.

Sagen Sie bitte noch etwas zur zukünftigen Ausrichtung des Konsum.

Es geht uns darum, dass der Konsum nicht stillsteht auf dem Status Quo. Der ist zwar nicht schlecht. Aber wenn man im harten Konkurrenzkampf bestehen will, muss man sich bewegen. Da muss man neue Wege gehen. Deshalb wird der Konsum nicht zum Discounter. Wenn ich sparen will, mag das vielleicht gut sein. Aber der Konsum kommt allein damit nicht weiter. Wenn ich weniger Ladenmiete bezahlen will als die Konkurrenz, bekomme ich auch keine besonders attraktiven Standorte. Es muss auch abgewogen werden, welches Risiko man eingeht, um einen guten Standort zu bekommen, um so höhere Umsätze zu generieren. Bisher war Konsum lediglich einseitig auf Sparen aus, von Risikofreudigkeit keine Spur. Sparsamkeit war das oberste Gebot.

Was soll sich konkret in Zukunft ändern?

Es wird im Vorstand und auf allen Ebenen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit geben. Es wird erweiterte Handlungsspielräume für alle Mitarbeiter geben. Dezentrale Entscheidungskompetenzen und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen werden angestrebt. Dazu zählt auch eine Förderung des unternehmerischen Eigenengagements der Mitarbeiter. Das gab es bisher nicht. Wir wollen den Reformstau auflösen und setzen auf ein breites Engagement der Mitarbeiter. Weiterhin wollen wir die Nutzung moderner Kommunikationslösungen erreichen, Verstärkung der Expansionsbestrebungen und der Kundenorientierung sind weitere Ziele. Ziele, die bislang so nicht zu erreichen waren.

Danke für das Gespräch.

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