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Die ostdeutsche Wirtschaft wird auch 2017 etwas stärker wachsen als die im Westen

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    Auch wenn alleweil viele Wirtschaftsexperten rechnen und rätseln und in großen Funk- und Printbeiträgen behaupten, ganz genau zu wissen, wie sich „die Wirtschaft“ entwickelt – es bleibt ein Munkeln. Was immer dann deutlich wird, wenn sie über die möglichen Gefahren für die Konjunktur rätseln. Denn das Problem der meisten Modelle ist: Sie rechnen nicht mit selberdenkenden Unternehmern.

    Der „ideale Markt“ ist strohdumm, rein theoretisch und schläft auch nicht schlecht. So wie Unternehmer schlecht schlafen, wenn die Auftragsbücher leer sind, Kunden abspringen, die Konkurrenz mit Dumpingpreisen agiert oder auch der letzte Anruf beim Kartellamt nichts geholfen hat, weil sich das Kartellamt nicht für Kartelle interessiert. Jedenfalls nicht, bevor sie Schaden angerichtet haben.

    Das Trostpflästerchen gibt es dieser Tage wieder aus dem Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle. Das berechnet immer wieder die Konjunktur in Ostdeutschland neu. Ganz Ostdeutschland, nicht nur Neufünfland. Also mit der unersetzlichen Metropole Berlin

    „Im Frühsommer 2017 ist die konjunkturelle Dynamik in der Welt recht kräftig“, plaudern die Wirtschaftsforscher aus Halle. „Wichtige Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft dürften günstig bleiben: Die Zinsen werden weiterhin fast überall niedrig sein, und das im Allgemeinen ruhige Preisklima deutet darauf hin, dass von der Angebotsseite insgesamt bislang kaum Spannungen ausgehen.“

    Was schon erstaunt. Augenscheinlich sind weder Brexit noch Syrienkrieg noch Trump-Gepolter etwas, was die Unternehmen in Ostdeutschland zu verunsichern scheint.

    Wer hätte das gedacht. Selbst die Wahlen in den Niederlanden, in Österreich und Frankreich sind ja noch mal gutgegangen.

    Und das hat zum Ergebnis, dass eine Konjunkturphase, die im Grunde gleich nach der Finanzkrise 2011 einsetzte, weiterläuft. Die Leipziger Umfragen der Kammern deuten ja auch darauf hin: Die Auftragsbücher sind voll, es werden Leute gesucht.

    Das IWH setzt den Beginn des „langgezogenen Aufschwungs“ auf das Frühjahr 2013.

    Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), erwartet, dass die ostdeutsche Wirtschaft im Sommerhalbjahr wohl weiter deutlich expandieren wird.

    Seine Erklärungen dafür: Die Binnennachfrage und insbesondere der private Konsum (wegen der günstigen Arbeitsmarktlage) dürften kräftig bleiben. Die privaten Haushalte werden bei anhaltend günstigen Finanzierungsbedingungen auch ihre Bauaktivitäten weiter ausweiten, ebenso die Gebietskörperschaften, zumal die Steuereinnahmen hoch sind. Was ja wohl heißt: Wenn die Ostdeutschen endlich mal ein bisschen Geld in der Tasche haben, befeuert es die Wirtschaft. Sofort und nachweislich. Konsumkraft verwandelt sich sofort in Nachfrage – und Nachfrage erzeugt Arbeitsplätze. Und zwar nicht nur im Handel und beim Bau, wie Holtemöller andeutet, sondern in allen Branchen – bei Dienstleistern genauso wie bei Autobauern, Gastwirten, Hoteliers usw.

    „Die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts ist allerdings wegen der geringeren Zahl an Arbeitstagen in diesem Jahr mit 1,6 % etwas niedriger als im Jahr 2016. Im kommenden Jahr dürfte der Zuwachs 1,8 % betragen“, so Oliver Holtemöller.

    Was er nicht extra erwähnt: 2016 fiel das ostdeutsche BIP-Wachstum mit 2,1 Prozent höher aus als das westdeutsche mit 1,9 und 2017 wird das ganz ähnlich sein, wenn 1,8 Prozent Ost den 1,6 Prozent West gegenüberstehen. Was nicht unbedingt heißt, dass hier eine Aufholjagd begonnen hat. Aber es bedeutet, dass sich einige Metropolkerne im Osten sichtlich gemausert haben und dieses Wachstum (Berlin, Leipzig, Dresden, Jena) auf die umliegenden Regionen ausstrahlt, Arbeitsplätze generiert und damit wieder Einkommenszuwachs und Konsum.

    Eine Strukturentwicklung, der die zuständigen Landesregierungen geradezu hilflos gegenüberstehen. Wie sollte man umgehen damit? Wie deichselt man so etwas?

    Gelernt haben sie es alle nicht.

    Das ist die ostdeutsche Tragik. Da steckt Potenzial drin – aber die Landespolitiken wissen damit nicht umzugehen und sind auch in ihrem Umdenken (von Stillstand und Schrumpfung auf Wachstum) viel zu träge.

    Was sich ja Unternehmer bekanntlich nicht leisten können. Wenn ihr Absatzmarkt in Russland zusammenfällt, orientieren sie sich sofort um nach China. Wenn es dort bremst, werden die Handelskontakte nach England oder Italien geprüft. Wer abwartet, bis in den politischen Führungsetagen Erkenntnisse reifen, ist weg vom Markt.

    Deswegen bilden auch die Konjunkturumfragen und -berechnungen eigentlich immer nur Vergangenheit ab. Über England und Trump haben die Unternehmer vor einem halben Jahr mal nachgedacht. Sie haben schon längst ihre Entscheidungen getroffen.

    Und die Verbraucherpreise interessieren sie auch eher nur, wenn es um Energiekosten geht.

    Mit jeweils 1,7 % in diesem und im nächsten Jahr falle der Anstieg der Verbraucherpreise moderat aus, aber deutlich stärker als in den drei Jahren zuvor, betont das IWH noch.

    Die Arbeitslosigkeit nehme zunächst weiter ab. Für ganz Ostdeutschland falle sie 2017 auf Leipziger Verhältnisse – 7,7 Prozent, 2018 gar auf 7,3 Prozent. Wofür – siehe oben – vor allem die Metropolkerne sorgen.

    Und wo gearbeitet wird, fallen auch mehr Steuern an: Die öffentlichen Haushalte erzielen, so das IWH, auch 2017 deutliche Überschüsse, auch in konjunkturbereinigter Rechnung. Die ostdeutsche Wirtschaft dürfte demnach im Jahr 2017 wie bereits im Jahr zuvor um zwei Zehntel Prozentpunkte stärker zulegen als in Deutschland insgesamt.

    Und dann noch das Orakel: Risiken für die deutsche Wirtschaft resultieren vor allem aus den globalen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

    Wer hätte das gedacht?

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