Großveranstaltungen, Museen, Bäder und Konzerthäuser der Region zählen 13 Millionen Besucher im Jahr

Für alle LeserWie weiter mit dem Tourismus in der Region Leipzig? Das ist ja die eigentliche Frage, die über der neuen IHK-Studie zur Kultur- und Freizeitwirtschaft in der Region Leipzig stand. Eine solche gab es das letzte Mal vor zehn Jahren. Wobei die Studie im Grunde nur die Attraktionen beleuchtet – jene Häuser und Veranstaltungsorte, die die Touristen in die Region locken. Rund 16 Millionen Besucher jährlich zählen die tourismusrelevanten Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie Großveranstaltungen in der Region Leipzig.

Die dadurch erzielten Gesamtumsätze summieren sich auf über 470 Millionen Euro – davon sind rund 180 Millionen Euro unmittelbare Eintrittserlöse, weitere gut 232 Millionen Euro fließen dem Gastgewerbe, Einzelhandel und Dienstleistern zu. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig zur wirtschaftlichen Bedeutung von Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie von Großveranstaltungen, durchgeführt von der dwif-Consulting GmbH aus München. In die umfassende Erhebung sind Daten von insgesamt 171 tourismusrelevanten Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie Veranstaltungen mit detaillierten Angaben unter anderem zu Besuchervolumen, Besucherstruktur sowie erzielten Erlösen eingeflossen.

An der Befragung teilgenommen hat ungefähr die Hälfte der angeschriebenen Kultureinrichtungen.

Dr. Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Leipzig: „Die facettenreiche Kultur- und Freizeitwirtschaft in unserer Region ist ein wesentlicher Treiber für den Tourismus mit ökonomischen Effekten, die weit über die erzielten Eintrittserlöse hinausgehen. Insbesondere Hotellerie und Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungssektor profitieren direkt. Die wichtige Querschnittsbranche ist zudem ein wichtiger Jobmotor für Menschen mit ganz unterschiedlichen Ausbildungen. Nicht zuletzt steigert ein breites Freizeit- und Kulturangebot auch die Attraktivität des Standortes für die Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften in anderen Branchen. Investitionen von Kommunen und Unternehmen in die Freizeitinfrastruktur und deren Vermarktung lohnen sich also in mehrfacher Hinsicht.“

Tatsächlich zeigt die Studie, dass Leipzig und die Region tatsächlich zugkräftige Veranstaltungshäuser haben.

Die Freizeiteinrichtungen im IHK-Bezirk Leipzig werden jährlich von etwa 13 Millionen Gästen besucht, Großveranstaltungen ziehen weitere drei Millionen Besucher an. Die erzielten Eintrittserlöse durch Kultur- und Freizeiteinrichtungen belaufen sich auf insgesamt etwa 162 Millionen Euro, Großveranstaltungen schlagen mit 17,5 Millionen Euro zu Buche.

Aber natürlich ziehen die Einrichtungen nicht nur Publikum von außerhalb an. Die meisten Besucher verzeichnen Erlebnisbäder sowie Theater/Musikhäuser. Theater/Musikhäuser tragen durch die zweithöchsten Pro-Kopf-Erlöse insgesamt fast ein Drittel der Gesamterlöse in der Freizeitwirtschaft bei.

Blick vom Mendebrunnen zum Opernhaus. Foto: Ralf Julke

Blick vom Mendebrunnen zum Opernhaus. Foto: Ralf Julke

Mit fast 40 Prozent der Einrichtungen dominieren Museen/Ausstellungen die Kultur- und Freizeitlandschaft in der Region Leipzig.

Und zur Besucherstruktur: Rund die Hälfte (48,9 %) aller Besucher von Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Veranstaltungen sind Tagesgäste, ein Drittel (33,1 %) sind Einheimische und 18 Prozent Übernachtungsgäste.

Und dann geht es auch um die politischen Schwerpunktsetzungen: Wofür geben Leipzig und die beiden Landkreise gezielt ihr Geld aus, um den Tourismus anzukurbeln?

Und siehe da: Die wichtigsten Ziele stehen schon alle da. Denn Hauptanziehungspunkte für Tagesgäste sind Denkmäler/historische Bauwerke (85 % Tagesbesucher), der Leipziger Zoo (62 %) und Erlebnisbäder (62 %).

Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal. Foto: Ralf Julke

Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal. Foto: Ralf Julke

Und bei Übernachtungsgästen? Da sind sind Museen und Ausstellungen (27 % Anteil am Besuchervolumen) besonders beliebt, gefolgt von Theatern/Musikhäusern (21 %) und Zoo (20 %). Die Kommunen agieren also richtig, wenn sie gerade diesen Einrichtungen genug Geld geben, um das Angebot halten oder erweitern zu können. Logische Folge: Die großen Häuser haben die wenigsten Finanzierungsprobleme, sorgen aber gleichzeitig durch ihre Existenz dafür, dass auch für die anderen Kultureinrichtungen der Laden funktioniert.

Und natürlich überschneiden sich die Besuchergruppen, gehen nicht nur Touristen in Opern, Museum und Kabarett.

Einheimische sind mit 54 % die wichtigste Besuchergruppe von Theatern/Musikhäusern, bei Museen/Ausstellungen und Sport-/Konzertlocations machen sie jeweils 45 % Anteil aus.

Und noch ein Vergleich – hier zu den Leipziger Wirtschaftsumsätzen von rund 22 Milliarden Euro: Kunst- und Kultureinrichtungen tragen allein in Leipzig mit rund 260 Millionen Euro zu den Umsätzen bei, das Gastgewerbe kommt auf über 450 Millionen Euro. Das sieht zwar auf den ersten Blick recht wenig aus – aber da beides Branchen mit hohem Personalbedarf sind, gehören sie auch zu den wichtigen Arbeitgebern in der Region.

Als Problem benennen einige der Befragten die fehlende Vernetzung. Mit dem Tourismus-Marketing klappt es meistens noch – bei Ticketing, dem Gästekartensystem oder der Branchenvertretung sehen freilich vor allem die kleineren Einrichtungen Probleme, während die größeren (über 1 Million Euro Umsatz) augenscheinlich auch die Verbandsinteressen besser wahrnehmen können. Und während gerade kleine Einrichtungen (unter 100.000 Euro Umsatz) eher nur von einer befriedigenden Geschäftslage berichten, können die großen Einrichtungen fast alle gute Geschäftslagen vermelden.

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