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Lieferengpässen zum Trotz: Sächsischer Außenhandel könnte 2021 einen neuen Spitzenwert erreichen

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    Die Nachrichten sind voll mit Meldungen zu Lieferengpässen bei allen möglichen Gütern. Doch die Containerschiffe fahren wieder. Und Lieferengpässe bedeuten in der Regel nicht, dass der Außenhandel stottert, sondern dass es bei einigen Rohstoffen und damit auch Endprodukten so langsam eng und teuer wird. Sachsen ist vom Export nach wie vor extrem abhängig – und hat auch im dritten Quartal 2021 zugelegt, wie die IHK zu Leipzig melden kann.

    Die vorläufige Außenhandelsbilanz des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen bescheinigt Sachsen deutliche Zugewinne auf dem Export- und Importsektor.

    Drei Spitzenreiter bei sächsischen Ausfuhr-Abnehmern

    Auch wenn die veröffentlichten Zahlen lediglich die ersten drei Quartale des Jahres abbilden, sind die positiven Entwicklungen sowohl im Export als auch im Import deutlich sichtbar. Im Ausfuhr-Bereich bilden China (rund 6 Milliarden Euro), die USA (rund 3 Milliarden Euro) sowie das Vereinigte Königreich (rund zwei Milliarden Euro) die Speerspitze unter den Top-10-Importeuren von Waren aus Sachsen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten diese Zahlen Exportsteigerungen zwischen 21 und 38 %.

    Unter den Haupterzeugnissen für den Export besetzen auch 2021 drei Klassiker die Top-Positionen des Handelsjahres: Mit über 13 Milliarden Euro lagen weiterhin Erzeugnisse des Kraftfahrzeugbaus dabei deutlich vor elektrotechnischen Erzeugnissen (4,3 Milliarden Euro) sowie Gütern des Maschinenbaus (3,8 Milliarden Euro).

    Außenhandelswachstum trotz Lieferengpässen

    Besonders erstaunlich sind aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK), angesichts der vorherrschenden Lieferengpässe in fast allen Bereichen, die Importzahlen des Jahres. Tschechien behauptet seine Position als Top-Importeur und legt mit einem Auftragsvolumen im Wert von fast 4 Milliarden Euro um 15 % gegenüber 2020 zu.

    Polen verdrängt mit 2,1 Milliarden Euro die USA vom zweiten Platz und steigert den Gesamtwert seiner nach Sachsen importierten Waren damit um 20 %. Das Importvolumen der Vereinigten Staaten geht um 9 Prozent gegenüber 2020 zurück, liegt aber immer noch bei 1,8 Milliarden Euro.

    Die Importschlager Sachsens sind auch in 2021 wieder analog zu den Spitzenreitern im Exportgeschäft: Sachsen importierte bis zum Ende des dritten Quartals elektrotechnische Erzeugnisse im Wert von 4,5 Milliarden Euro, gefolgt von Erzeugnissen des Kfz-Baus (4,3 Milliarden Euro) und Gütern des Maschinenbaus (2,1 Milliarden Euro).

    Im Jahr 2017 hat Sachsen bislang sein erfolgreichstes Export-Jahr erlebt, mit einem Wert von über 41 Milliarden Euro an exportierten Gütern. Im Corona-Jahr 2020 fiel die exportierte Summe dann auf 36,9 Milliarden Euro.

    Bis September 2021 hat Sachsens Wirtschaft jetzt schon Waren im Wert von 33 Milliarden Euro exportiert, was einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26 Prozent entspricht und für 2021 sogar eine neue Rekordmarke im sächsischen Export erwarten lässt.

    Stärkeres Wachstum in der EU

    Dabei ist der Export in EU-Länder mit über 29 Prozent noch stärker gestiegen als der in Länder außerhalb der EU – wozu ja seit diesem Jahr auch Großbritannien gehört.

    Mit einem Umsatz von 23 Milliarden Euro ist auch der Import gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Die Corona-Delle von 2020 ist also im Außenhandel überwunden. Was sich auch bei den Gewerbesteuereinnahmen schon bemerkbar macht.

    Wobei freilich immer auch berücksichtigt werden muss, dass die Außenhandelsstatistik nicht die gehandelten Güter erfasst, sondern nur die Umsätze, die auch dann steigen, wenn sich die gehandelte Menge gar nicht verändert, die Preise aber steigen, wie das aktuell etwa bei Gas, Erdöl, Holz der Fall ist.

    Für die gesamte Bundesrepublik hat das Bundesamt für Statistik für den Oktober weitere Steigerungen gemeldet. Die Pandemie schränkt zwar das Leben und Reisen der Menschen stark ein – die Ein- und Ausfuhr von Produkten aber hat sogar zugenommen.

    Trotz der immer wieder thematisierten Lieferengpässe, die freilich auch darauf hindeuten, dass wir lernen müssen, dass es einige Dinge eben nicht mehr jederzeit in beliebiger Menge zu kaufen geben wird. In manchen Bereichen sind die Grenzen der verfügbaren Ressourcen erreicht. „Wir müssen uns vom Überfluss verabschieden“, schreibt Henrik Müller in seiner „Spiegel“-Kolumne vom 19. Dezember.

    Was aber auch heißt: Wir müssen nach 20 Jahren Herumdiskutieren wirklich endlich lernen, in Kreislaufwirtschaften zu denken. Und wir müssen unseren Konsum ändern – weg von der antrainierten Wegschmeißmentalität hin zu einem werthaltigen und nachhaltigen Leben. Was zwangsläufig auch die Exportumfänge wieder sinken lassen wird und damit die Deglobalisierung befördert.

    Beginnt jetzt die Deglobalisierung?

    Was übrigens durch die Pandemie befördert wird, wie Müller feststellen kann: „Schließlich hat die Pandemie den Unternehmen auch vor Augen geführt, wie rissig ihre Zuliefernetze sind. Um für künftige Krisen widerstandsfähiger zu werden, sind viele Firmen dabei, sich sichere Lieferanten in der Nähe zu erschließen – statt billige am anderen Ende der Welt. Politische Spannungen und Handelsstreitigkeiten befördern diese Tendenz zur Deglobalisierung zusätzlich. Die internationale Arbeitsteilung wird ein Stück weit rückabgewickelt.“

    Was übrigens noch zusätzlich verstärkt wird, wenn gerade die großen Nationen wie die USA und China weiter versuchen, ihre Hahnenkämpfe mit Zöllen und Handelsrestriktionen auszufechten.

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