Am Mittwoch, dem 7. Oktober, beginnt die Frankfurter Buchmesse. Und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels blickt diesmal recht besorgt in die Zukunft. Auch die der Verlage in Mitteldeutschland: Die Titelproduktion sinkt und die Zahl der Verlage schmilzt dahin. Dabei waren die letzten Jahre noch von Optimismus geprägt. Die Buchbranche hat in den letzten Jahren gegen den gesamtgesellschaftlichen Trend stabile Zahlen geschrieben. Nun aber sorgen die schwache Konjunktur und die hohe Sparneigung der Buchkäufer auch auf dem Buchmarkt für Rückgänge.
Das Jahr 2025 verzeichnete ein Minus von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das erste Halbjahr 2026 schloss mit einem Rückgang von 4,1 Prozent ab.
Die Sparneigung der Bundesbürger/-innen habe 2025 den höchsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erreicht, bilanziert Hauptgeschäftsführer Peter Kraus vom Cleff. Parallel dazu würden überbordende bürokratische Anforderungen Ressourcen in den Unternehmen binden: „Für viele Buchhandlungen und Verlage bedeutet das eine nochmalige Zunahme des bereits hohen Kostendrucks.“
Die Lesekrise erreicht den Buchmarkt
Zudem habe indessen die Lesekrise den Buchmarkt erreicht: In den jüngeren Generationen sind die Lesekompetenz und die Berührungspunkte mit Büchern gravierend eingebrochen, stellt der Börsenverein fest. Die Anzahl der Buchkäufer/-innen zwischen 10 und 15 Jahren ging 2025 gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Drittel zurück, die Ausgaben in dieser Altersgruppe sanken um ganze 23,8 Prozent.
Das zurückliegende Branchenjahr hält aber auch ein paar gute Nachrichten bereit: Die Belletristik, ohnehin die umsatzstärkste Warengruppe, bleibt eine stabile, tragende Säule für den Buchmarkt. Die Einnahmen in diesem Segment sind im Vergleich zum Vorjahr sogar um 1,2 Prozent gestiegen und stemmen sich damit gegen die allgemeine Abwärtstendenz.
Das sei vor allem den populären New-Adult-Titeln zu verdanken, die bei Leser/-innen zwischen 18 und 30 Jahren sehr gefragt sind und gegenüber dem Vorjahr mit einem Umsatzplus von 9,6 Prozent punkten können.
Krise der Innenstädte und Problem KI
Wie sich das allgemeine Konsumklima und die Kund/-innenfrequenz in den Innenstädten entwickeln – davon hängt ab, wie das Jahr 2026 für die Buchbranche weitergeht, betont der Börsenverein. Das erste Halbjahr verlief wirtschaftlich mit angezogener Handbremse: Durchweg alle Warengruppen landeten im Minusbereich. Lediglich die Belletristik (minus 0,4 Prozent) und das Sachbuch (minus 0,7 Prozent) erwiesen sich als vergleichsweise krisenfest.
Aber längst wächst ein neues Problem heran, warnt der Börsenverein. „Obwohl längst klar ist, welche tiefgreifenden Auswirkungen die Generative Künstliche Intelligenz auf unsere Gesellschaft hat, fehle es nach wie vor an klaren Regularien für KI und einem dringend nötigen Aufbau von Medienkompetenz in der Gesellschaft, besonders bei jungen Menschen“, kritisierte der Verband bei Veröffentlichung seiner Marktbilanz 2025/2026.
Auf der einen Seite nutzen Buchhandlungen und Verlage die neuen Möglichkeiten, etwa bei der Optimierung interner Prozesse, auf der anderen Seite kommen neue Gefahren auf die Buchbranche zu: Denn Large-Language-Modelle hinter ChatGPT & Co. werden massenhaft mit urheberrechtlich geschützten Büchern, Zeitungen, Musikstücken und Illustrationen trainiert – ohne Einwilligung oder Lizenzierung durch die Rechteinhaber und oft trotz entsprechender Nutzungsvorbehalte.
Und da hat der Börsenverein die Flut an KI-generierten Büchern, die vor allem über den großen Online-Händler vertrieben werden, noch gar nicht benannt.
Die (jungen) Leser verschwinden
Und gleichzeitig gehen immer mehr Buchkäufer und Buchleser verloren. Die Social-Media-Aktivitäten fressen Zeit und Aufmerksamkeit, die einmal dem Buch galten. Zwischen 2021 und 2025 hat der Buchmarkt rund 3,9 Millionen Kund/-innen verloren (Publikumsmarkt, ohne Schul- und Fachbücher) – obwohl Hörbuch- und E-Book-Downloads mit in diese Zahlen einfließen.
Kauften 2021 in Deutschland noch 40,1 Prozent der Verbraucher/-innen (29,8 Millionen Menschen) mindestens ein Buch innerhalb eines Jahres, waren es 2025 nur noch 34,4 Prozent (25,9 Millionen Menschen). Allein im letzten Jahr hat der Buchmarkt rund 1,4 Millionen Käufer/-innen verloren, was einem Minus von 4,9 Prozent entspricht.
Und parallel dazu rutscht das Bücherlesen anteilig im Freizeitverhalten der Deutschen ab, wie die Markt-Media-Studie „best for planning 2025“ ergab. „Bücher lesen“ war bereits in der Studie 2021 durch den Abfrage-Newcomer Streaming von Platz 12 auf Platz 13 abgestiegen, konnte jedoch unter dem Strich während der Pandemie profitieren: In der 2022 veröffentlichten Studie gaben 20,0 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren zu Protokoll, mehrmals wöchentlich zum Buch zu greifen – vermutlich auch, weil mehr Zeit für die Lektüre zur Verfügung stand.
Von diesem Spitzenwert der vergangenen Jahre hat sich die Buchlektüre nun ein gutes Stück weiter entfernt. In der Studie 2025 kommt die häufige Buchlektüre nur noch auf einen Anteil von 18,5 Prozent – nachdem 2024 wieder mehr Leser/-innen wöchentlich zum Buch gegriffen hatten. Deutlich gewachsen ist im direkten Vergleich zum Vorjahr dagegen die Zahl an Nichtleser/-innen: 26,0 Prozent geben zu Protokoll, „nie“ zum Buch zu greifen – das sind fast fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Bücher lesen“ belegt jetzt nur noch Platz 15.
Steigende Kosten, weniger Titel
Aber noch ein Faktor belastet die deutsche Buchbranche: Bücherdrucken wird immer teurer. Die Kostenlast der Verlage verringerte sich 2025 zwar um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der erste Rückgang seit 2020. Die Herstellungskosten, die 2022 durch die Teuerungsraten bei Druck und Papier um 3,8 Prozent zugelegt hatten und 2023 um weitere 2,4 Prozent nach oben geklettert waren, haben die Verlage 2025 zum zweiten Mal in Folge gedrosselt – und zwar um 2,3 Prozent (nach zuvor minus 1,6 Prozent im Jahr 2024).
Und das führt dazu, dass die deutsche Titelproduktion seit einigen Jahren deutlich sinkt. Die Verlage verzichten zunehmend auf Erstauflagen, um ihr Risiko zu minimieren. Ein Trend, der schon seit zehn Jahren anhält: 2025 wurden erstmals weniger als 60.000 Titel auf den Markt gebracht. Wobei das Risiko in kleinen Verlagen natürlich deutlich höher ausfällt.
Wenn sie ihre Neuproduktion nicht am Markt platzieren können, bedeutet das schnell das Aus für den Verlag. Und so verzeichnet der Börsenverein für Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) auch seit Jahren einen Rückgang bei den hier tätigen Verlagen.
Gab es vor Corona im Jahr 2019 noch 337 Verlage in diesen drei Bundesländern (198 davon in Sachsen), so sank diese Zahl seitdem deutlich auf 239 im Jahr 2025 (128 davon in Sachsen).
Und da Leipzig in Sachsen liegt, beeinflusste diese Entwicklung auch Leipzigs Position im Ranking der deutschen Verlagsstandorte: „Berlin und München sind hier, wie im Vorjahr, die Spitzenreiter, wobei Berlin mit 8.986 Novitäten im Jahr 2025 deutlich in Führung liegt. München folgt mit 5.932 Titeln. An dritter Stelle steht Hamburg mit 4.156 Titeln, an vierter Stelle Stuttgart mit 3.283 Titeln. Leipzig belegt 2025 mit 514 Novitäten den 14. Platz und verliert somit einen Platz im Vergleich zum Vorjahr“, stellt der Börsenverein fest.
Noch vor zehn Jahren lag die Leipziger Titelproduktion eher im Bereich von 800 bis 1.000 Titeln.
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