Am 9. August veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung (LVZ) einmal mehr einen Artikel zur Leipziger Verkehrspolitik, der an ähnliche Artikel 2009 zur autofreien Innenstadt und 2010 zum Promenadenring und der Rolle der Radfahrer dort erinnerte. Es ist mal wieder Sommerloch, findet Alexander John, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Leipzig. Aber wie sieht die nun mal wieder angespitzte "Rad-Lobby" die Geschichte mit der Pfaffendorfer Straße?

Sehen Sie die Geschichte nicht als Beitrag, zur Leipziger Verkehrsplanung zu informieren?

Wir erleben wieder einmal eine Art Kampagne, die auf sehr viel Unwissenheit und Vorurteilen beruht.

Aber warum? Sind die Radfahrstreifen in der Pfaffendorfer nun am Stau schuld oder nicht? Wäre ein Schutzstreifen nicht flexibler?

Der von der CDU ins Gespräch gebrachte Schutzstreifen würde dazu führen, dass a) die Straßenbahn oftmals nicht Radfahrende überholen dürfte, weil der Sicherheitsabstand von 1,50 m nicht gewährleistet wäre und b) er wäre wohl oft nicht für den Radverkehr nutzbar, da halten darauf erlaubt ist. Damit würden sich die Verkehrsprobleme erhöhen.

Schutzstreifen dürfen auch nur dort angewandt werden, wo Radfahrstreifen keinen Platz haben und wo zu erwarten ist, dass der Schutzstreifen nur in Ausnahmefällen überfahren wird.

Müssen die Radfahrer unbedingt durch die Pfaffendorfer?

In Leipzig werden täglich ca. 300.000 Fahrten mit dem Rad zurückgelegt. Würden nicht so viele Menschen Rad fahren, wären sie wahrscheinlich mit dem Auto unterwegs. Das wäre dann wohl der endgültige Kollaps.

Aber ist nun Leipzigs Verkehrsplanung am Stau in der Pfaffendorfer schuld oder nicht?

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Weil in einer Sondersituation wie aktuell mit den vielen Baustellen mal ein Stop and Go für den Kfz-Verkehr entsteht, heißt es nicht, dass das Verkehrssystem an sich nicht funktioniert. Im Gegenteil: Die Infrastruktur in Leipzig ist so komfortabel für den Kfz-Verkehr ausgebaut, dass diese Sondersituation für Verunstimmung sorgt. Mit Blick nach Berlin, München, Hamburg oder den Ruhrpott nennt sich das in Leipzig dann wohl Luxusproblem. Interessant ist dabei auch, dass die “Schuldigen” die Radfahrenden sind und nicht die vielen im Stau sitzenden Autofahrenden. Hier haben sich wohl Ursache und Wirkung verdreht.

Aber noch mal zu den Radfahrstreifen in der Pfaffendorfer: Inwieweit sind sie für das Stauproblem verantwortlich?

Die Pfaffendorfer war nie durchgehend vierspurig und ein legales Vorbeifahren mit dem Auto an der Straßenbahn hat es nie gegeben. Der Radfahrstreifen ermöglicht lediglich ein StVO-konformes Überholen der Radfahrenden durch die Straßenbahn. Nicht mehr und nicht weniger. Dass nun auf Grund des Radfahrstreifens auch etwas mehr Menschen die Pfaffendorfer Straße mit dem Rad befahren, zum Beispiel zum Zoo, sollte im Interesse der Autofahrenden sein. Nicht grundlos steht auf vielen Fahrrädern: “Ein Auto weniger”.

www.adfc-leipzig.de

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