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Leipzigs Grüne beantragen eine Mehrweg-Initiative für das Kaffee-zum-Rumlaufen-Problem

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    Wir vermüllen unsere Welt. Einfach nur, weil wir bequem sind und darauf trainiert, die Bequemlichkeiten um uns herum einfach so anzunehmen. Kostet ja nichts extra. Man trinkt den Kaffee im Gehen – was eh schon eine seltsame Art ist, seinen Kaffee zu trinken – und dann schmeißt man den leeren Becher einfach weg. Nachhaltig ist das nicht. Die Grünen beantragen einen ersten vorsichtigen Ausstieg aus dem Pappbecherwahnsinn.

    Bestärkt werden sie dabei durch eine Entscheidung in Freiburg im Breisgau. Da regiert seit 2002 mit Dieter Salomon ein grüner Oberbürgermeister. Ganz ohne großes Tamtam, wenn man ihn mit seinem Tübinger Kollegen Boris Palmer vergleicht. Oberbürgermeister müssen nicht ständig in den Medien sein. Sie müssen nur die richtigen Entscheidungen einleiten, die Stadt und die Stadtratsmehrheit mitnehmen und ihre Entscheidungen auch begründen können.

    Freiburg im Breisgau hat in dieser Woche den Freiburg-Cup eingeführt, einen Coffe-to-go-Mehrwegbecher mit Stadtmotiv für die Freiburger Innenstadt, um den Unterwegsmüll durch Einwegbecher zu verringern. Erst einmal als Pilotprojekt mit fünfzehn Innenstadtcafés und Bäckereien, wo man den wiederverwendbaren Kunststoffbecher statt eines Einwegbechers wählen kann. Die Stadt Freiburg hat das Projekt mit 8.500 Euro unterstützt.

    Aber man weiß auch dort, dass das Herumgelaufe mit Kaffee eigentlich selbst ein Problem ist. Denn auch bei einem Becher, der abgewaschen und bis zu 400 Mal wiederverwendet werden kann, braucht man einen Plastikdeckel, damit man sich die heiße Brühe beim Laufen nicht über Mantel und Bluse kippt. Der Deckel bleibt also Wegwerfware. Die beteiligten Cafés nehmen die Becher auch wieder zurück – wozu auch der 1 Euro Pfand pro Becher animiert.

    Coffee-to-go. Karikatur: Schwarwel
    Coffee-to-go. Karikatur: Schwarwel

    Aber auch da wird es spannend. Denn in der Regel läuft man ja mit dem Becher weg – zur Bahn, zum Bus, zur Arbeit. Coffee-to-go steht ja im Grunde für einen ganz anderen Verlust unserer modernen Arbeitswelt: Dass wir uns für die elementaren Dinge des Tages keine Zeit mehr nehmen. Und sei es nur der Morgenkaffee, um damit munter zu werden und den Start in den Tag zu schaffen.

    Warum haben wir nicht mal die 10 Minuten Zeit, um – vielleicht auch im Stehen – die Tasse Kaffee in aller Ruhe zu trinken und dann (unbekleckert) ins Büro zu gehen?

    Wozu man ja nicht mal Rumlaufe-Becher braucht, sondern mit ganz normalen Kaffeetassen aus Porzellan bestens zurechtkommt. Die man gefühlt ungefähr 1 Million Mal abwaschen kann, ohne dass sie sich abnutzen.

    Die Leipziger Grünen haben schon vor einem Jahr eine entsprechende Anfrage zum Leipziger Becher-Müll gestartet, der vor allem die Papierkörbe in der Innenstadt und an den Haltestellen der Straßenbahn verstopft und auch nicht recycelbar ist, sondern im ganz normalen Restabfall landet.

    Um nun tatsächlich einen deutlichen Schritt voranzukommen, schlägt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor, auch in Leipzig den Freiburger Weg einzuschlagen und einen Mehrwegbecher auf den Weg zu bringen.

    „Der morgendliche to-go-Kaffeebecher auf dem Weg zur Arbeit mit heißem frischen Kaffee gehört für Viele einfach dazu“, konstatiert Anett Ludwig, Stadträtin und umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, den aktuellen Zustand des Leipziger Kaffeeschlürfens. Sie findet auch gleich das richtige Wort dafür: „Dies ist ein weltweiter Lifestyle, der zur Folge hat, dass allein in Deutschland pro Stunde geschätzte 320.000 Coffee-to-go-Einwegbecher im Müll landen – unvorstellbare 2,8 Milliarden Becher im Jahr. Auch Leipzig ist von den damit verbundenen großen Abfallmengen betroffen, von denen viele in den öffentlichen Abfallbehältern oder auch im öffentlichen Grün (Unterwegsabfall) entsorgt werden.“

    Eine erste positive Folge hatte der Vorstoß ja sogar, denn er hat auch bei den Coffee-to-go-Anbietern ein erstes Umdenken ausgelöst.

    Anett Ludwig: „Unser letztjähriger Vorstoß hat zumindest dazu geführt, dass es bei ausgewählten Anbietern Rabatte gibt, sofern ein eigener Becher mitgebracht wird. Freiburg macht uns nun vor, dass auch deutlich größere Schritte möglich und richtig sind. Insofern hat meine Fraktion einen Antrag eingereicht, der die Stadtverwaltung auffordert, den Mehrwegbecher auch für Leipzig auf den Weg zu bringen und gemeinsam mit den Kaffee- und Getränkeanbietern einen Weg zur Reduzierung des Müllaufkommens und für ein umweltbewusstes Handeln einzuschlagen.“

    Der Antrag der Grünen.

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    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2016/11/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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      1 KOMMENTAR

      1. Coffee to go ist das Eine – mindestens ebenso schlimm, wenn nicht viel schlimmer finde ich die Entwicklung im Getränkeflaschensystem. Seit Einführung des Dosenpfandes werden immer mehr Getränke in Einweg-Plaste-Flaschen abgefüllt. Ein gutes Beispiel, wie politische Regelungen das komplette Gegenteil vom Gewollten erreichen. Und man nimmt es offensichtlich sehenden Auges in Kauf. Die gute alte Glasflasche für z.B. Mineralwasser muss man mittlerweile im Handel schon fast suchen.

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