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Sprit und Heizöl beteiligen sich jetzt wieder an der alljährlichen Teuerung in Sachsen

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    „Die Inflation ist zurück!“, tröteten am Montag, 30. Januar, wieder reihenweise Zeitungen und Sender. Als wenn die Inflation ein Tier wäre, das nur schnell mal auf Brautschau war und nun die armen Verbraucher und Sparer erschreckt. Dass Inflation aber eine ganze Herde ist und nie nur einen Grund hat, das lässt sich augenscheinlich schlecht erzählen. Der Ölpreis sei schuld, meinte die „Zeit“.

    „Zum Jahresbeginn ist die Inflation in Deutschland auf dem höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Ursächlich sind vor allem die Energiepreise“, so der einleitende Satz auf Zeit Online.

    Auch das Sächsische Landesamt hat seine Zahlen zur Preisentwicklung im Januar 2017 vorgestellt. „Aller Voraussicht nach wird die sächsische Jahresteuerung im Januar – nach 1,8 Prozent im Dezember – auf 2,3 Prozent steigen. Dies ist die höchste Rate gegenüber dem Vorjahr seit Juni und Juli 2013. Seinerzeit betrug der Preisanstieg innerhalb der Jahresfrist genau 2 Prozent“, so die Landesstatistiker.

    Und die simple Wahrheit lautet: Nein, Kraftstoff und Energie sind nicht schuld am Auftrieb. Jedenfalls nicht im Januar. Sie haben sich schon im Jahr 2016 berappelt, nachdem sich die erdölfördernden Staaten zumindest auf eine kleine Dämpfung der Ölförderung verständigt hatten. Bis dahin haben sie alle wie verrückt die Pumpen betrieben und das Schwarze Gold mit einer Besessenheit gefördert, als wollten sie den Sprit, der noch in der Erde steckt, so schnell wie möglich und so billig wie möglich verfeuern.

    Deswegen ist das Gejammer über Heizöl- und Spritpreise völlig daneben. Nichts hat weniger zur Inflation beigetragen als ausgerechnet diese Kosten. Für Heizöl zahlt man auch im Januar 2017 nur 90 Prozent dessen, was im Jahr 2010 dafür hingeblättert werden musste. Das ist eine ganz private hübsche Deflation für alle Besitzer von Ölheizungen. Und dasselbe gilt für Kraftstoffe. Die kosten heuer immer noch nur 98,7 Prozent von dem, was sie 2010 kosteten. Nur der Vergleich zum jüngst zurückliegenden Ramschniveau, bei dem alle Erdölförderer praktisch gar nichts mehr verdient haben, sieht wie eine Inflation aus: plus 12 Prozent innerhalb eines Jahres. Das Stöhnen der Kraftfahrer war ja schon zu hören: „Och je, jetzt kostet das Zeug wieder was!“

    Man vergisst geradezu, dass dieses Billigmachen von Sprit auch wieder den Versuch ausgebremst hat, endlich die Elektromobilität in Deutschland voranzubringen. Stattdessen ist der Verkauf von spritschluckenden Riesen-Pkw angezogen. Weil ja Sprit so schön billig ist.

    Irrsinn hat immer einen Preis.

    Aber die Tatsache, dass – auch durch das wilde Fracking in den USA – der Spritpreis über Jahre derart in den Keller ging, hat auch über Jahre dazu geführt, dass alle möglichen Kommentatoren glaubten, die Inflation sei verschwunden, es bestehe gar die Gefahr einer allgemeinen Deflation.

    Das war aber nie so.

    Gespürt haben das alle an ihrem Geldbeutel, bei denen nicht die Tankfüllung für den SUV die Hauptrolle spielt, sondern der Einkauf von Grundnahrungsmitteln im Laden. Denn der Grundbedarf für den ganz gewöhnlichen Haushalt ist die ganze Zeit immer teurer geworden. Für Obst zahlt man mittlerweile 27 Prozent mehr als 2010, für Gemüse fast 26 Prozent, für Speisefette und Öle über 24 Prozent mehr.

    Dafür kosten Molkereiprodukte und Eier nur 3,4 Prozent mehr. Nach wie vor wird Milch als ein Produkt betrachtet, mit dem man ausgiebige Preisschlachten im Discounter veranstalten kann. Bei Obst und Gemüse geht das nicht, da gibt es keine Schwemme. Und gerade Gemüse ist gegenüber Januar 2016 um über 16 Prozent teurer geworden. Das ist tatsächlich eine Inflation.

    Genauso, wie der Anstieg der Stromkosten seit 2010 um 15 Prozent eine Inflation ist. Es sind die Dinge des täglichen Bedarfs, die unentwegt teurer werden – manche überdurchschnittlich (wie Obst und Gemüse oder die Beförderungskosten im ÖPNV), manche ganz durchschnittlich mit 1 bis 2 Prozent jedes Jahr – wie Fleischwaren und Bekleidung.

    Was wie ein Gesamtbild von Inflation aussieht, ist immer nur der Preisindex für das gesamte Waren- und Dienstleistungsangebot, immer wieder verzerrt durch äußere Eingriffe wie die wild gewordene amerikanische Ölpolitik oder die Stromkostenumlagen in Deutschland. Das kaschiert oft (gerade wenn der Posten sich stark im Warenkorb niederschlägt) die Tatsache, dass die allgemeine Teuerung auch dann fortschreitet, wenn die politischen Entscheider jammernd von Deflation reden. Die Inflation ist schlichtweg eingebaut in unsere Marktwirtschaft.

    Das kann man in der Grafik des Statistischen Landesamtes gut sehen, das neben dem Balken für die allgemeine Teuerung auch den für die Teuerung ohne Haushaltsenergie und Kraftstoffe aufgemalt hat. Während der erste Balken gern auch mal gegen Null tendierte oder gar drunter ging, lag die Teuerung ohne die Öleinflüsse immer über 1 Prozent. Die Inflation war also jederzeit da und sichtbar. Nur wer mit Öl heizte oder Auto fuhr, konnte die steigenden Kosten beim Tanken prima wieder ausgleichen.

    Damit ist es nun seit Herbst 2016 sichtlich vorbei.

    Die komplette Pressemiteilung des Statistischen Landesamtes.

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