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Leipziger Wirtschaft will noch mehr Personal einstellen – die Stimmung ist optimistisch

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    Und wie hat jetzt der Mindestlohn ins Gesamtwirtschaftsgefüge in Leipzig eingegriffen? - Die Gewichte haben sich ein wenig verschoben. Die Branchen, die bislang immer vorneweg waren mit "flexibel ist toll", haben ein wenig abgegeben. "Mit der Einführung des Mindestlohns verschlechterte sich zwar die Lage in Einzelhandel und Gastronomie, dies wurde jedoch durch Verbesserungen im Baugewerbe nahezu wettgemacht", teilt die IHK dazu mit. Mal ganz grob gesagt.

    Denn die Einschätzung der befragten 584 Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage liegt nach wie vor im positiven Bereich und auf einem Niveau, das seit Frühjahr 2011 über den Werten liegt, die die Leipziger Wirtschaft kurz vorm Ausbruch der Finanzkrise 2007 erreichte. Einzige Ausnahme: der Stimmungseinbruch um Frühjahr 2013, der sich hinterher als eher unbegründet herausstellte. Tatsächlich zeigt sich Leipzigs Wirtschaft seit 2011 recht robust.

    Der Lage-Saldo liegt mit +39 Punkten nur knapp unter der Bestmarke vom Jahresbeginn.

    Was bedeuten diese 39 Prozent? – Während 9 Prozent der befragten Unternehmen stöhnten, ihnen gehe es schlecht, gaben 48 Prozent an, ihnen ginge es gut. Die Differenz sind diese 39 Prozent. Aus der Wertung fallen die 43 Prozent, die sagen, es gehe ihnen „befriedigend“, was immer das heißen mag.

    Die Dienstleistungsbranche ist Motor der Entwicklung

    Tatsächliche Einbrüche im Lageempfinden haben im Frühjahr tatsächlich nur Einzelhandel und Gastronomie vermeldet, während man sich im Baugewerbe gar nicht mehr retten kann vor lauter Aufträgen, weil alle jetzt bauen wollen. Und der eigentliche Motor der wirtschaftlichen und Arbeitsplatzentwicklung, die Dienstleistungsbranche, vermeldet wieder eine Rekordlageeinschätzung von +48 Prozent. Mit einem Plus von 41 Prozent brummt aber auch die Industrie. Auch wenn man – seit Herbst – wohl zu Recht befürchtet, dass sich die Absatzmärkte eintrüben.

    Die regionale Wirtschaft ist gut ins Jahr 2015 gestartet, schätzt deshalb auch die IHK zu Leipzig ein, auch wenn sie die Bauchschmerzen in Gastronomie und Einzelhandel versteht.

    „Die geschäftliche Situation in den Unternehmen der Region ist nach wie vor äußerst robust. Da der Optimismus in allen Wirtschaftsbereichen gegenüber dem Jahresbeginn zugenommen hat, dürften sich die Wachstumschancen vor allem mit Blick auf die wirtschaftliche Breite verbessern. Die guten Aussichten für die Region bleiben intakt, auch wenn die Risiken für die konjunkturelle Entwicklung nicht weniger werden“, kommentiert Wolfgang Topf, Präsident der IHK zu Leipzig, die Ergebnisse.

    Jammert wirklich der ganze Einzelhandel?

    Aber selbst die Trauerstimmung im Einzelhandel kann man so monolithisch nicht stehen lassen, denn auch da gibt es zwischen den Sortimenten durchaus unterschiedliche Bilder und Erwartungen: „Die anhaltend hohe Kauflaune der Konsumenten lässt den hiesigen Einzelhandel trotz des Mindestlohnes durchaus optimistisch in die Zukunft blicken, auch wenn sich die Probleme für viele kleinere Unternehmen damit nicht in Luft auflösen. Die geschäftlichen Risiken sind für viele Einzelhändler gestiegen. Dennoch rechnet jedes fünfte Unternehmen mit besseren Ergebnissen.“

    Beim genauen Blick auf die Personalplanung aber zeigt sich, dass Discounter und Heimwerkermärkte eher keine Probleme sehen, die Leute halten zu können. Die Probleme tauchen eher überraschenderweise im KfZ-Handel auf. Was eigentlich auch wieder keine Überraschung ist, wenn man weiß, dass mal wieder eine heftige Preisschlacht und ein damit verbundener Verdrängungswettbewerb droht. Es ist also nicht der Mindestlohn, der hier für Probleme sorgt, sondern der neuerliche Konzentrationseffekt einer ganzen Branche.

    Im Verkehrsgewerbe gibt es nicht einmal diesen Einbruch bei den Personalplanungen. Da verzichtet man – gerade im Gütertransport – lieber erst mal auf die Anschaffung eines neuen Trucks und ordert lieber Leute. Denn in der Krise steckt diese Branche derzeit gar nicht (die Geschäftslage ist mit 26 Prozent im Plus), es wird nur mit harten Bandagen gekämpft und die billigere Konkurrenz aus dem Osten sitzt den mitteldeutschen Logistikern im Nacken.

    Nicht in der Gastronomie macht der Mindestlohn Probleme, sondern in der Hotellerie

    Und wenn vom Katzenjammer in der Gastronomie geredet wird, stimmt das so eigentlich auch nicht. Denn wirklich Personalabbau signalisieren nur die Beherbergungsbetriebe – und das, obwohl Lage und Geschäftsaussichten im positiven Bereich sind. Das heißt: Nicht die Leipziger Gastronomie hat ein Problem, sondern vor allem der Servicebereich in den Hotels.

    Für die Gäste-Branche insgesamt gilt, was die IHK feststellt: „Per saldo ist somit eher ein gleich bleibendes Beschäftigungsniveau zu erwarten.“

    Arbeitskosten – das ist nicht nur Mindestlohn

    Zwar geben 48 Prozent der Unternehmen die Arbeitskosten als wichtigstes Risiko an – aber das betrifft eben nur im geringsten Maß den Mindestlohnbereich, viel stärker noch die Lohnentwicklungen im tarifgebundenen Sektor. Insgesamt ist der ostdeutsche Markt noch weit davon entfernt, wirklich Tariflöhne auf Bundesniveau zahlen zu können. Der Aufholprozess wird noch Jahre dauern – und er wird den Leipziger Unternehmern auch immer wieder Sorgen machen – insbesondere dann, wenn sie qualifizierte Fachkräfte für das bislang übliche Geld nicht mehr bekommen, aber unbedingt brauchen.

    Die schlechte Bezahlung von Hotelservicekräften ist dabei eher ein Nebenkriegsschauplatz. Und es ist auf gar keinen Fall ein gutes Argument gegen den Mindestlohn.

    Auch im Leipziger Raum wird man sich an ein steigendes Lohnniveau gewöhnen müssen. Das ist die ganz schlichte Folge einerseits aus einer beharrlich guten konjunkturellen Entwicklung und andererseits aus der wachsenden Nachfrage nach Fachkräften. In einigen Schlüsselbranchen ist der Lohn längst das entscheidende Kriterium beim Werben um diese Fachkräfte geworden.

    Und auch Gastronomie, Verkehr und Einzelhandel schauen optimistisch in die Zukunft.

    Insgesamt gewinnt – nach der Zurückhaltung im vergangenen halben Jahr – die Zuversicht wieder an Raum. Der Saldo klettert um 9 auf +16 Punkte. Damit wird nahezu das Vorjahresniveau (+17 Punkte) erreicht, stellt die IHK fest. Und das ist ein gute Niveau, das die Leipziger Wirtschaft im Grunde seit 2011 hält.

    Private Nachfrage treibt Konjunktur

    Traditionell liegen Geschäftserwartungen immer um rund 30 Prozentpunkte unter der aktuellen Lageeinschätzung – einzige Ausnahme ist eigentlich das Verkehrsgewerbe, wo die Kurven völlig gegensätzlich verlaufen: Wenn es der Branche gut geht, sieht man mit Panik in die nächste Zukunft. Und wenn’s mies läuft, schnellt die Erwartungskurve nach oben.

    Die Prognosen stützen sich insbesondere auf den privaten Konsum, stellt die IHK nun fest (was ja nun eindeutig mit höheren Einkommen zu tun hat). Die gute Beschäftigungsentwicklung, die tariflichen Lohn- und die Rentenerhöhungen sowie die niedrigen Zinsen dürften die Nachfrage der privaten Haushalte befördern. Auch der Außenhandel bleibe ein wichtiges Standbein der Konjunktur. Dieser habe jedoch weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen, wie z. B. dem nach wie vor schwachen Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone und den Auswirkungen der Handelssanktionen gegenüber Russland, zu kämpfen.

    So schätzt es zumindest die IHK nach dieser Frühjahrsumfrage ein. Tatsächlich ist erst einmal kein Stottern des Motors zu verspüren, auch nicht durch den Mindestlohn.

    Trotz der Einführung des Mindestlohnes dürfte sich der Beschäftigungszuwachs in der gewerblichen Wirtschaft fortsetzen, gegebenenfalls sogar verstärken, schätzt die IHK ein. Jedes fünfte Unternehmen plant zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, nur 8 Prozent wollen Personal reduzieren. Die Absichtsbekundungen, neues Personal einstellen zu wollen, liegen höher als 2014 – und auch das war schon ein Jahr, in dem Leipzig 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen hat.

    An der Konjunkturbefragung im Frühjahr 2015 im IHK-Bezirk Leipzig beteiligten sich 584 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit fast 32.000 Beschäftigten.

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