Zum 1. Januar 2026 stieg der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland auf 13,90 Euro pro Stunde, 2027 folgt die nächste Anhebung auf 14,60 Euro. Diese Entwicklung wirft ein besonderes Licht auf die Leipziger Arbeitsmarktregion, die neben der Stadt Leipzig auch angrenzende Städte und Landkreise von Wittenberg bis ins Altenburger Land umfasst. Im jüngsten Quartalsbericht – der Nr. 3 für 2025 – hat sich Andrea Schultz das Ganze mal genauer angeschaut.

Denn die Region fällt auf, wenn man mal genauer auf die Gehaltssituation blickt: „Bundesweit waren nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni 2023 rund 33,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (ohne Auszubildende) registriert. Davon arbeiteten 6,4 Millionen Menschen in sogenannten Mindestlohnbranchen, während 27,0 Millionen Beschäftigte in anderen Branchen tätig waren. Damit arbeiteten deutschlandweit 19,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mindestlohnbranchen.“

Doch in der Leipziger Arbeitsmarktregion liegt dieser Anteil höher: „Hier gehören 22,3 Prozent der Beschäftigten den Mindestlohnbranchen an – gut drei Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass im Juni 2023 rund 189.355 Arbeitskräfte in der Region in einer Mindestlohnbranche beschäftigt waren“, stellt Andrea Schultz fest.

Und nicht nur das: „Besonders auffällig ist der hohe regionale Teilzeitanteil: 46,7 Prozent der Beschäftigten in Mindestlohnbranchen arbeiten in Teilzeit. Hinzu kommen rund 54.000 geringfügig Beschäftigte, die statistisch gesondert ausgewiesen werden. Zum Vergleich: In den Nicht-Mindestlohnbranchen liegt der Teilzeitanteil bei lediglich 29,9 Prozent.“

Es arbeiten nicht nur deutlich mehr Beschäftigte in der Region in Teilzeit. Ein hoher Anteil von ihnen wird auch noch ziemlich schlecht entlohnt, sodass hier der Mindestlohn greift. Andrea Schultz: „Auch im Vergleich zu den gesamtdeutschen Verhältnissen zeige sich ein Unterschied. Der Anteil der Teilzeitkräfte ist in der Leipziger Arbeitsmarktregion insgesamt etwas höher – sowohl in den Mindestlohnbranchen (+2,0 Prozentpunkte) als auch in den Nicht-Mindestlohnbranchen (+2,1 Prozentpunkte).“

Das alles ist Ergebnis einer über drei Jahrzehnte gepflegten Niedriglohnpolitik sowohl in Sachsen als auch in Sachsen-Anhalt, die vor allem Branchen beförderte, in denen es kaum Tarifbindung gibt und geringe Bezahlung der Standard war. Wo also prekäre Arbeitsverhältnisse dominieren – und das eben nicht nur in der Vergangenheit, sondern bis in die Gegenwart.

Eine gute Grundlage für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung ist das nicht. Und für eine sichere Lebensplanung erst recht nicht. Denn die Betroffenen können weder Rücklagen bilden, vom Vermögensaufbau ganz zu schweigen. Und auch bei der Rente haben sie miserable Karten, selbst wenn sie ein Leben lang hart gearbeitet haben.

So zeigt auch der Blick auf die Entlohnung, wie die deutsch-deutsche Teilung bis heute weiterwirkt und eine nicht unerhebliche Zahl von Beschäftigten zwingt, in unterdurchschnittlich bezahlten Anstellungen ihre Brötchen zu verdienen.

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