Während bundesweit die Arbeitslosenzahl im Dezember leicht gestiegen ist, ist die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Leipzig im Dezember 2025 gesunken. Wenn auch nur marginal. 29.447 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 149 Personen weniger (-1 Prozent) als im November, aber 2.278 Personen bzw. 8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 8,4 Prozent und war identisch zum Vormonatsniveau, meldet die Arbeitsagentur Leipzig. Vor einem Jahr lag sie bei 7,9 Prozent. Von Aufschwung kann also noch lange keine Rede sein.
„Wir befinden uns weiterhin in einer angespannten wirtschaftlichen und in der Folge arbeitsmarktlichen Lage. Zwar nimmt die Arbeitslosigkeit im Dezember die saisonal übliche Seitwärtsbewegung, allerdings liegt diese mit einer Quote von 8,4 Prozent einen halben Prozentpunkt über dem Vorjahresmonat“, kommentiert Steffen Leonhardi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, die Zahlen. „Der Leipziger Arbeitsmarkt steht damit weiter und über den Jahreswechsel hinaus unter Druck, da im Januar saisonal mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist.“
Positiv sei, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen habe, so Leonhardi. „Mit unseren Instrumenten und Dienstleistungen unterstützen wir Unternehmen bei der Sicherung ihrer Arbeitskräfte und Menschen bei der Integration in den Arbeitsmarkt.“

Doch der Blick auf die Zahlen zeigt eben auch, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten vor allem im Bereich SGB III erfolgte, also direkt in der Arbeitsagentur, während die Zahl der Arbeitslosen im Jobcenter zuletzt stagnierte. Das deutet darauf hin, dass einige Leipziger Unternehmen inzwischen tatsächlich Personal abbauen.
Im vergangenen Monat meldeten sich insgesamt 6.165 Personen arbeitslos. Davon kamen 2.465 Personen direkt aus Erwerbstätigkeit. 6.350 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit, davon nahmen 2.185 eine Erwerbstätigkeit auf.
Was nicht heißt, dass andere Unternehmen nicht gleichzeitig qualifiziertes Personal suchen.
Konjunkturbremse Staat
Die Konjunkturflaute trifft nicht alle Unternehmen gleich. Ganz abgesehen davon, dass mittlerweile ein wachsender Anteil der Arbeitslosigkeit auf die „Investitionszurückhaltung“ aller staatlichen Ebenen zurückgehen dürfte. Kommunen stecken zunehmend im Schuldendilemma und schrauben ihre Investitionen entsprechend zurück.
Sachsen hat 2025/2026 allein 2 Milliarden Euro „eingespart“, um seine „Schwarze Null“ zu sichern. Und die wachsenden Schulden auf Bundesebene sorgen dafür, das auch die Investitionsprojekte des Bundes zurückgefahren wurden. Und wer im Frühjahr 2025 noch glaubte, das 500-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket würde daran irgendetwas ändern, der sieht sich getäuscht. Diese „zusätzlich“ durch Schulden bereitgestellten Mittel (über zehn Jahre) gleichen nicht einmal die Kürzungen im Bundesetat aus, die durch das wachsende Schuldendilemma verursacht werden.
Oder einmal so formuliert: Die von einer falschen Steuer- und Sparpolitik berausche Politik sorgt auf allen Ebenen dafür, dass der Staat als Konjunkturmotor ausfällt und die Arbeitslosenzahlen steigen.
Entsprechend deutlich wurde am Mittwoch, dem 7. Januar, der sächsische DGB Vorsitzende Markus Schlimbach, der angesichts der deutlich steigenden Arbeitslosenzahlen zu verstärkten Anstrengungen der Landespolitik gemahnt hat.
„Der Arbeitsmarkt wird voll von der Wirtschaftskrise getroffen. Steigende Arbeitslosenzahlen und ein Tiefpunkt an offenen Stellen zeigen, dass die Krise vor allem der Industrie zu schaffen macht. Einzig der Höchststand bei beruflicher Weiterbildung und betrieblicher Eingliederung durch die Arbeitsagenturen schafft etwas Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt“, so Schlimbach.
„2026 muss endlich der versprochenen Investitionsbooster durch die Kredite des Bundes zünden. Wir brauchen jetzt ein Aufbruchssignal, dass Straßen, Schienen, Schulen und Krankenhäuser gebaut und erneuert werden. Lieber jetzt ein paar Baustellen mehr, als steigende Arbeitslosigkeit hinzunehmen. Insbesondere der Freistaat steht in der Pflicht die Kommunen jetzt finanziell besser auszustatten, damit sie ihren Aufgaben auch tatsächlich gerecht werden können.“
Junge Berufsanfänger besonders betroffen
Besonderes Augenmerk müsse dem Abbau der Jugendarbeitslosigkeit gelten. „Das ist keine faule Generation Z, die jetzt arbeitslos wird, sondern eine denkfaule Generation von Unternehmern, die über Fachkräftemangel jammert, aber jungen Leute zuerst rausschmeißt. Hier muss sich auch in den Betrieben und Chefetagen was ändern“, so der Gewerkschafter.
Ein Befund, den auch die Leipziger Zahlen stützen. Denn seit 2022 steigt die Zahl der arbeitslosen 15- bis 24-Jährigen in Leipzig kontinuierlich an. Von damals 1.850 auf nunmehr 2.864, leicht weniger als im November, aber 9,1 % mehr als noch im Dezember 2024. Das heißt nun einmal, dass gerade junge Menschen unter dem Einstellungsstopp in vielen Unternehmen leiden. Und das in einer Zeit, in der immer mehr Branchen tatsächlich von einem demografisch bedingen Fachkräftemangel erfasst werden.
Etliche Leipziger Unternehmen suchen deshalb weiterhin Mitarbeitende: 1.010 Stellen wurden im Dezember neu gemeldet (52 mehr als im Vormonat und 107 mehr als vor einem Jahr). Die meisten freien Stellen gibt es aktuell in den Branchen sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Baugewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen, Handel Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Verarbeitendes Gewerbe. Aktuell befanden sich damit 5.300 freie Stellen im Bestand der Arbeitsagentur.
Und so wirbt auch Steffen Leonhardi: „Wir rufen Unternehmen dazu auf, frühzeitig mit unserem Arbeitgeberservice Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam Wege zu finden, Beschäftigte im Betrieb zu halten und gezielt weiterzubilden. Weiterbildung und Beschäftigtenqualifizierung sind entscheidende Erfolgsfaktoren, um Stabilität zu sichern – ein Ansatz, der auch auf Bundesebene betont wird.“
Die Leipziger Arbeitsmarktentwicklung nach Rechtskreisen
Im Rechtskreis SGB III (Agentur für Arbeit) lag die Arbeitslosigkeit bei 11.794 Personen (107 Personen weniger als im Vormonat, aber 2.519 Personen mehr als vor einem Jahr).
Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter) waren 17.653 Arbeitslose registriert (42 Personen weniger als im Vormonat und 241 Personen weniger als im Vorjahr). Durch die Träger der Grundsicherung (Jobcenter) wurden 60 Prozent aller Arbeitslosen betreut.
In der Grundsicherung (Jobcenter) sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Vorjahresvergleich um 834 (entspricht -3 Prozent) auf insgesamt 30.333. Hierbei wurden im Berichtsmonat insgesamt 38.289 erwerbsfähige Bürgergeldberechtigte betreut, das waren 1.067 Personen weniger (-3 Prozent) als vor einem Jahr.
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